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Die unbekannte Größe - der Vig-Bay Halbmarathon

  • 08.03.2019

Falls ihr auch noch in eurer Frühjahrsplanung steckt und wieder keinen Startplatz für den Halbmarathon in Berlin ergattern konntet, dann lege ich euch mal einen Start beim Vig-Bay Halbmarathon am 7. April 2019 ans Herz.

Zum ersten Mal wurde dieser Halbmarathon im Jahre 2000 ausgetragen und inzwischen zieht dieser Lauf die nicht unerheblich Zahl von 4609 Läuferinnen und Läufern an, wobei 2019 bis zu 4200 Anmeldungen angenommen werden. Neu wird 2019 auch sein, dass erstmals auch ein voller Marathon durchgeführt wird.

Sieger 2018

Männer: Nuno Costa in 1:09:28
Frauen: Sandra Mosquera Losada in 1:19:03

Streckenrekorde

Männer: 01:02:05, gelaufen 2004 von Sammy Tum
Frauen: 01:10:17, gelaufen 2007 von Anne Jepkembun

Organisation

Die Organisation ist reibungslos und der 4-stelligen Zahl von Läufern angemessen. Die Startunterlagen holt man am besten am Vortag in der Halle am Start ab, es ist die perfekte Gelegenheit für einen Spaziergang am Atlantik. Alle notwendigen Informationen finden sich auf https://vig-bay.com, auch mit sehr schönen Impressionen von der Strecke und der tollen Landschaft.Da es sich bei der Strecke um eine Punkt-zu-Punkt Strecke handelt, gibt es natürlich auch einen Transport der Kleiderbeutel zum Ziel, und einen Rücktransport zum Start, falls man dort geparkt hat. Diesen Service habe ich aber nie in Anspruch genommen, da mich am Ziel meistens meine Frau aufgesammelt hat.


Zeitmessung

Die Zeitmessung erfolgt zweitgemäß per Chip, der seit dem letzten Jahr nicht mehr zurückgegeben werden muss.


Warum ausgerechnet der Vig-Bay Halbmarathon?

Irgendwann um die Jahreswende fangen ja die meisten von uns an, beim Weihnachtsplätzchenfuttern an das kommende Laufjahr und die zu erwartenden Großtaten zu denken. So ist das auch bei mir, und seit einigen Jahren ist einer meiner Fixpunkte der Vig-Bay Halbmarathon in Galizien/Spanien.Ich hatte von dem Lauf noch nie etwas von gehört (was kein Wunder ist, da 20 Jahre Laufszene komplett an mir vorbei gegangen waren), aber unser in Vigo lebender guter Freund Olli hat mich 2013 gefragt, ob wir diese Herausforderung nicht gemeinsam angehen wollen. Da ich mir durch einige alte Geschichten einen Laufheldenstatus erworben hatte, konnte ich mich da schlecht herauswinden – und so nahmen die Dinge ihren Lauf.Zu dieser Zeit hatte ich exakt 19 Jahre keinen Gedanken an einen Wettkampf verschwendet, meinen letzten Halbmarathon war ich 1994 gelaufen und hatte danach meine Karriere als ambitionierter Freizeitsportler beendet.Dieses Jahr werde ich zum fünften Mal in Vigo am Start sein (und auf meiner Startnummer steht „El Kaiser“), und durch die einzigartige Kombination von tollem Lauf vor beindruckender Atlantikkulisse ist mir der Vig-Bay Halbmarathon wirklich and Herz gewachsen. Außerdem lässt sich ein Start prima mit einem Kurzurlaub und Galizien verbinden und man kann sich nach dem Lauf bei exzellentem Essen und lokalem Wein regenerieren.


Die Strecke und sonstige Tücken…

Die Strecke führt vom Samil Strand etwas außerhalb von Vigo immer an der Küste entlang nach Süden bis nach Baiona, einer schönen kleinen Stadt direkt am Atlantik und gar nicht mehr weit entfernt von der portugiesischen Grenze. Dieser Strand ist im Sommer übrigens ein Traum, und auf den vorgelagerten Cies Inseln liegt noch ein einzigartiger Strand, der vor einigen Jahren mal unter den Top 10 Strände der Welt aufgeführt wurde. Einen Besuch auf Cies muss man allerdings anmelden, da die Inseln unter Naturschutz stehen.Es handelt sich um eine Punkt-zu-Punkt Strecke, die wunderschön und durchaus schnell ist, aber andererseits auch ihre Tücken hat. Als ich 2013 zum ersten Mal dort gelaufen bin, sind wir zum Glück einen Tag vor dem Lauf die Strecke weitgehend mit dem Auto abgefahren, und das hat uns vor einigen Fehlern bewahrt – aber nicht vor allen. Die ersten 3 Kilometer sind topfeben und man kann sich an seinem Tempo berauschen, aber dann geht es bis Kilometer 7 kontinuierlich leicht bergauf. Deswegen hatte ich mir bisher jedes Mal vorgenommen, die ersten 7 Kilometer ca. 5 Sekunden/km langsamer als Zieltempo zu laufen, um diese 35-40 Sekunden auf der zweiten Hälfte wieder herein zu laufen. 


Das Streckenprofil (vom GPS Tracker)

Bei meinem ersten Start in 2013 war tolles Wetter, sonst wäre das wahrscheinlich mein einziger Ausflug ins Wettkampfgeschehen geblieben. An diesem Teil der Atlantikküste bläst der Wind im April nämlich vorzugsweise aus Süd oder Südwest, oder einfacher ausgedrückt direkt ins Gesicht – und zwar meistens kein laues Lüftchen. Und ich muss zugeben, dass ich bei den beiden Läufen mit ordentlich Gegenwind (2016 und 2018) immer schön im Windschatten der anderen Läufer gelaufen bin, pfui. Als Strafe gibt es aus den Jahren nur Fotos, auf denen ich halb verdeckt hinter anderen Läufern unterwegs bin.

Wenn man dann Kilometer 7 erreicht hat, fängt der wunderschöne Teil des Laufs an, es geht kontinuierlich ganz leicht bergab und man kann es rollen lassen, während man die tolle Aussicht auf den Atlantik genießt. Hier sollte man sich allerdings nicht dazu hinreißen lassen, möglichst schnell die verlorene Zeit des Anstiegs wieder hereinzulaufen, denn die Kraft braucht man noch.

Bis Kilometer 12 führt die Strecke auf einer abgesperrten Hauptstraße nach Nigran und biegt dann rechts in ein Wohngebiet ab. Hier folgt eine kurze Ernüchterung, denn man kann einige hundert Meter voraus schon die Läuferschlange nach links (also Richtung Ziel in Baiona) laufen sehen. Leider biegt die Strecke dann nach rechts ab und macht eine Schleife durch das Wohngebiet, bevor es wirklich an der Küste Richtung Süden geht.

Und hier wird es gleichermaßen sehr schön und hart. 2018 bin ich aus dem Wohngebiet um die Ecke auf die Strandpromenade gebogen, immer noch voller Tatendrang, aber Gegenwind und horizontaler Regen haben mich ruck zuck in ein Gummibärchen verwandelt. Doch so sollte man sich hier noch nicht fühlen, denn es folgt noch eine kleine Tücke - zum Glück die letzte.

Da man in der Ferne schon Baiona sehen kann, wähnt man sich schon auf der Zielgeraden und richtet sich mental auf flache 6km ein. Aber die Strecke führt von Kilometer 14 bis 16 noch einmal um eine kleine malerische Halbinsel mit ein paar kurzen Anstiegen und Abwärtspassagen. Das ist alles nicht wild, aber macht mehr Spaß, wenn man noch etwas drauf hat.


Aber auch das geht vorbei und ab Kilometer 17 setzt der „Saugeffekt“ des Ziels ein. Ich bin in meinen vier Versuchen in sehr unterschiedlicher Verfassung dort angekommen, von „weichgeklopft“ bis „noch richtig gut drauf“. Aber egal wie ich mich gefühlt habe, ab hier habe jedes Mal noch einmal richtig aufgedreht.

Das Ziel, endlich

Der Zieleinlauf ist einfach toll, links liegt der historische Teil von Baiona, rechts liegt der Atlantik und in einiger Entfernung das Castelo de Monterreal auf eine Halbinsel am Ende des Strandabschnitts (da gibt es übrigens ein tolles Hotel, aber es ist nicht so ganz billig).

Der letzte Kilometer ist von erheblichen Zuschauermengen gesäumt und das Ziel liegt ca. 200m vor der Halbinsel, hilfreich zum Kalibrieren des letzten Krafteinsatzes. Hinter dem Zieleinlauf ist ein großer Platz, der problemlos die erhebliche Zahl von Läufern verkraftet. Hier gibt es Getränke, Bananen und genug Platz, um sich kurz hinzusetzen.

Wahrscheinlich denkt ihr jetzt, dass Vig-Bay eine langsame Strecke ist, aber wie man schon an den Streckenrekorden sieht ist das ist definitiv nicht der Fall. Ich war hier bei bisher jedem Lauf etwas schneller als geplant und nur 30 Sekunden langsamer als meine jeweilige Saisonbestleistung auf einer topfebenen Strecke (ich habe als Vergleich oftmals Zeiten vom Halbmarathon in Kandel/Pfalz, dem Klassiker im März).

Vor einiger Zeit war ich übrigens beruflich in Madrid und bin morgens durch den Retiro-Park gejoggt, als mich eine Läufergruppe mit dem Ausruf „Vig Bay, yeah“ aus dem Halbschlaf gerissen hat. Da habe ich erst gemerkt, dass ich eines meiner Vig-Bay Finishershirts anhatte.

Ein paar logistische Tipps

Man kann mit Ryanair sehr preiswert nach Porto fliegen und von dort fahren mehrere Buslinien (z.B. AUTNA) für kleines Geld nach Vigo. Wenn man dort wohnt, ist es am besten, den offiziellen Kleidertransport zum Ziel und Rücktransfer vom Ziel in Anspruch zu nehmen.

Ein Lauffreund von mir hatte die gute Idee, in Baiona (also am Zielort) ein Hotel zu buchen. Das hat den Vorteil, dass man nach dem Lauf nur noch relaxen, essen und trinken kann – allerdings sollte man dann einen Mietwagen haben und sich morgens zum Start bringen lassen.

Und wenn du mich auf der Strecke oder im Ziel siehst, sprich mich bitte an