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Nike Vaporfly next%

  • 07.11.2019

Dubai, Tokio, London, Berlin oder Amsterdam. Was haben all diese Marathonstädte gemeinsam? Alle Sieger und Siegerinnen der großen Marathons in diesen Städten hatten den Nike ZoomX Vaporfly Next% an den Füßen. Beim Blick auf die jeweiligen Siegerzeiten wird gleichzeitig die enorme Entwicklung in den letzten Jahren deutlich. Siegerzeiten bei den Frauen von unter 2:20h oder bei Männern von unter 2:05h sind mittlerweile nichts Besonderes mehr. Ein Bekele schrammt bspw. beim Berlin Marathon nur zwei Sekunden am Weltrekord von Kipchoge vorbei. Während Kipchoge ein paar Wochen später in einem Modellprojekt in Wien den neuen, inoffiziellen Weltrekord auf unter zwei Stunden verbessert.


Generell ist dieses Phänomen aber nicht nur im Profibereich auffällig. Auch im Amateurbereich stehen Läufer mit diesem nicht nur farblich auffallenden Schuh immer häufiger an der Startlinie und am Ende ganz oben auf dem Siegertreppchen. Die zentrale Frage, die sich nun stellt, lautet: Inwieweit trägt der Schuh wirklich zu einer Leistungssteigerung bei? Beim Vergleich der Namensgebung des vorherigen Modells Nike Vaporfly 4%, dem Nike eine Leistungssteigerung von 4% attestiert hat, bedeutet dies, dass beim aktuellen Modell Nike ZoomX Vaporfly Next% mit der Betonung auf „Next%“ eine noch höhere Leistungssteigerung möglich ist. Oder hat Nike den Schuh einfach nur perfekt vermarktet und letztlich bleibt alles abhängig von den individuellen körperlichen Voraussetzungen, dem Trainingszustand und der aktuellen Tagesform? In meinem Testbericht werde ich mich intensiv mit dem derzeitigen High-end Modell von Nike auseinandersetzen.


Was macht den Schuh so schnell?


Das Herzstück des Nike ZoomX Vaporfly Next% ist im Vergleich zum Vorgänger identisch geblieben. Die Mittelsohle des Schuhs besteht nach wie vor aus dem „Zoom-X-Foam“. Dieses Material soll eine Energierückgewinnung von 85 Prozent gewährleisten. Dabei ist zwischen zwei dieser Schichten eine Carbonplatte integriert. Dieses Dämpfungssystem sorgt beim Abrollen über den Mittelfuß bei jedem einzelnen Schritt für einen katapultartigen Schub nach vorne.


Allerdings wurden im 2019er-Modell 15 Prozent mehr von dem „Zoom-X-Foam“ im Schuh
eingesetzt. Das hat wiederrum Außenwirkungen auf die Sprengung, da der Vorfuß durch den
Zusatz an „Zoom-X-Foam“ etwas höher steht. Dadurch reduziert sich die Sprengung von
ehemals 11 mm auf 8 mm. Dieser kleine, aber feine Unterschied ist beim Tragen der Schuhe
direkt spürbar. Nicht nur die Dämpfung ist etwas weicher, sondern auch der oft beschriebene
Vorwärtsdrang ist noch intensiver.


Leistungssteigerung wissenschaftlich bestätigt


Ein Laufschuh, der mit einer Leistungssteigerung von mehr als vier Prozent wirbt, wird im
Laufbereich erstmal kritisch betrachtet. Somit war der Schuh mehrfach der
Untersuchungsgegenstand bei verschiedenen wissenschaftlichen Studien. Dabei wurde
oftmals die Laufökonomie untersucht, also die Sauerstoffaufnahme bei verschiedenen
Geschwindigkeitsstufen. Tatsächlich konnte als Resultat festgehalten werden, dass Läufer
mit dem Nike ZoomX Vaporfly Next% weniger Sauerstoff benötigten, um ein bestimmtes
Tempo zu laufen – d.h., dass dieses Modell eine Leistungssteigerung bewirken kann. Nicht
ganz ungeachtet sollte die Berücksichtigung weiterer Laufparameter, wie der individuelle
Laufstil, sein, da nicht jeder Läufer pauschal mit dem Schuh zurecht kommen wird.


Nike ZoomX Vaporfly Next% im Detail

Die wesentlichen Daten des ZoomX Vaporfly Next% auf einen Blick:

Preis 275 € UVP
Gewicht 196 g (Größe 43)
Sprengung 8 mm
Schuhweite eng/ normal
Schuhart neutral
Einsatz Straße
Einsatzgebiet Wettkampf


Der Preis ist selbstverständlich eine Ansage. 275 € sind eine Menge Geld. Zumal der Preis
des Schuhs um 25 € im Vergleich zur Vorgängerversion aufgeschlagen ist. Wenn man
jedoch den wissenschaftlichen Studien Glauben schenken darf und die zahlreichen Erfolge
der Weltelite mit dem Schuh anerkennt, dann wird an der Leistungssteigerung, die der Schuh
wohl mit sich bringt, etwas dran sein. Nun muss aber jeder selbst entscheiden, ob er bereit
ist, einen solchen Betrag für einen Laufschuh auszugeben, der im Verhältnis zu anderen
Laufschuhen auch noch eine verkürzte Lebensdauer vorweist. Auf der anderen Seite kann
ein solcher Schuh genau der entscheidende Faktor sein, um eine neue Bestzeit zu erzielen
und in diesem Zusammenhang vielleicht die 40 Minutenmarke auf 10km oder die magische
3h-Marke im Marathon zu brechen. Beim Blick auf die Zeiten der Profis sind wohl nach oben
keine Grenzen gesetzt.


Mit seinen 196 g ist der Nike ZoomX Vaporfly Next% definitiv ein leichter Wettkampfschuh
für alle Distanzen zwischen 5 km und 42 km. Bevorzugter Untergrund ist selbstverständlich
Asphalt. Bei der Schuhweite rate ich, wegen des unflexibleren Obermaterials Vaporweave,
eine halbe Nummer größer zu wählen, da im Vorfußbereich wenig Spielraum ist. Wie es sich
für einen Wettkampfschuh gehört, liegt der Nike ZoomX Vaporfly Next% eng am Fuß an.


Derzeit bietet Nike den Nike ZoomX Vaporfly Next% in zwei sehr auffälligen Farbkombinationen an – Electric Green/Guava Ice/Schwarz und Pink Blast/Guava Ice/Schwarz. Bei dem Modell wird nicht explizit zwischen einem Frauen- und Männermodell unterschieden. Die Größenspanne liegt beim grünen Modell zwischen 35,5 bis 47,5 und bei dem pinken Modell zwischen 37,5 und 49,5. Perspektivisch hat Kipchoge bei seinem Modellversuch in Wien vielleicht sogar schon das Nachfolgemodell getragen. Ob dieses Modell zukünftig in den Handel kommt, bleibt abzuwarten.


Das Obermaterial oder besser ausgedrückt ein Hauch von Nichts

Dünn – dünner – durchsichtig. Bei dem Nike ZoomX Vaporfly Next% setzt Nike auf das Vaporweave als Obermaterial. Dieses wurde auch schon bei verschiedenen Spikes für die Bahn genutzt. Im Vergleich zur Flyknit-Version ist dieses noch leichter und soll witterungsbeständiger sein. Insbesondere Regen wird nun besser absorbiert. Ich persönlich finde das Flyknit-Obermaterial angenehmer zu tragen, da es sich dank seiner Flexibilität besser an den Fuß anpasst. Da das Vaporweave im Vorfußbereich wenig bis gar nicht dehnbar ist, würde ich dazu raten, den Schuh eine halbe Nummer größer zu bestellen.
Bei der Betrachtung der Außensohle wird eine weitere Veränderung ersichtlich. Das gummiartige Material der Außensohle ist zwar gleich geblieben, aber das Profil hat sich deutlich verändert. Die im Vorfuß und im Fersenbereich tieferen Flexkerben sorgen für einen besseren Grip bei schnellen, kurzen Richtungswechseln.


Die Position der Schnürung verläuft nun leicht versetzt nach außen und nicht mehr mittig auf dem Fußrücken. Die Polsterungen im Fersenbereich sind auch sehr minimalistisch auf die größtmögliche Gewichtsreduktion ausgelegt. Es wurde quasi eine kleine, querverlaufende Polsterung integriert, die den Druck von der Achillessehne nehmen soll.


Der gesamte Schuh ist auf eine höchstmögliche Effektivität ausgelegt, d.h. maximale Energierückgabe bei maximaler Gewichtsreduktion.


Praxistest


Selten habe ich einen Praxistest mit so wenigen Testkilometern absolviert. Aber der Nike ZoomX Vaporfly Next% ist definitiv kein Schuh zum Kilometer sammeln. Daher sollten Trainingseinheiten mit dem Schuh bewusst gewählt werden, um den Wettkampfschuh nicht schon im Training zu verschließen. Ich empfehle, den Nike ZoomX Vaporfly Next% maximal zwei Mal vor einem Wettkampf zu tragen. In der Regel reicht sogar eine Kerneinheit aus, vorausgesetzt der Schuh wurde zuvor schon mal eingelaufen.


Das erste Fitting ist sehr angenehm. Die seitlich verlaufende Schnürung ermöglicht einen optimalen Sitz. Die Polsterung an der Achillessehne ist wohltuend. Nur an das etwas unflexiblere Obermaterial Vaporweave muss ich mich erst noch gewöhnen.
Beim ersten Test ist die federnde Zwischensohle sofort spürbar. Die weiche, aber sehr reaktionsschnelle Dämpfung sorgt für einen sehr guten Vortrieb. Insbesondere Mittel- und Vorfußläufer profitieren von dem einzigartigen Dämpfungssystem. Für Fersenläufer oder Läufer, die eine Pronationsstütze benötigen, ist der Schuh eher nicht geeignet. Übrigens ist die Einlegsohle wieder eingeklebt und kann nicht direkt herausgenommen und ausgetauscht werden.


Mein persönliches Highlight während des Tests waren Sprungläufe. Hier spielt das Modell bzw. die einzigartige Dämpfung all ihre Stärken aus. Reaktionsschnell und explosiv. Die Energierückgabe bei jedem einzelnen Sprung ist hervorragend.


Potentielle Alternativen

Da der Preis für den aktuellen Nike ZoomX Vaporfly Next% mit 275 € sehr hoch angesetzt ist, möchte ich zwei potenzielle Alternativen vorstellen. Parallel mit dem Nike ZoomX Vaporfly Next% wurde auch der um mehr als 100 € günstigere Ableger Nike Zoom fly 3 vorgestellt. Dieser Schuh verfügt über ein ähnliches Dämpfungssystem und enthält auch die vielbesagte Karbonplatte. Zudem hat der Schuh eine deutlich höhere Halbwertszeit und eignet sich sowohl für schnelle Dauerläufe als auch für Wettkämpfe.

Durch den Launch des 2019er Modell könnte das Vorgängermodell preislich davon profitieren. Während der Kern des Schuhs nahezu identisch ist, unterscheidet sich der Nike ZoomX Vaporfly 4% lediglich in der etwas höheren Sprengung, dem veränderten Sohlenprofil, der geraden Schnürung und dem Flyknit-Obermaterial.

  • Dämpfung
    sehr wenig sehr viel
  • Stabilität
    sehr wenig sehr viel
  • Dynamik
    wenig viel
  • Untergrund
    • Bahn
    • Straße
    • Wald
    • Trail

Fazit

Die Erfolge in der Weltelite und die wissenschaftlichen Studien geben der mit dem Schuh einher kommenden Leistungssteigerung wohl eindeutig Recht. Der auf die höchstmögliche Effektivität getrimmte Nike ZoomX Vaporfly Next% ist dank des einzigartigen Dämpfungssystems ein hervorragender Wettkampfschuh, um Bestzeiten zu pulverisieren. Wer bereit ist, den hohen Preis für den Schuh zu zahlen, wird vermutlich eine relativ kurze, aber intensive Zeit mit gegebenenfalls besonderen Glücksmomenten haben.

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