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Testbericht Salomon Ultra Pro

Der Look

Der Ultra Pro kommt nicht gerade dezent daher. In einem tiefen blutrot oder orange und fjordblau – wie ich ihn testen durfte -  ist er ein wahrer Eyecatcher. Form und Aufbau erinnern etwas an den neuen S/LAB Ultra.

Die Sohle

Der Blick auf die Sohle hält keine großen Überraschungen bereit. Wie erwartet findet man eine ContaGrip Sohle, genauer eine Wet Traction Contagrip Sohle. Die Stollen sind mit 5 mm mittelhoch und somit nicht zu aggressiv.
Was auffällt ist der Energy Save Einsatz. Salomon hat hier ein neues aus TPU gefertigtes Sohlenelement im Mittel- und Vorfußbereich integriert.  Während des Laufens soll so die Energie nicht nur aufgenommen, sondern auch wieder abgeben werden und für einen entsprechenden Rebound sorgen. Auf den schützenden Profeel Film hat Salomon beim Ultra Pro verzichtet. Der etwas höhere Sohlenaufbau vermittelt den Eindruck von ausreichend Dämpfung und soll die fehlende Rockplate kompensieren.

Optik Salomon

Der Aufbau

Als erstes fallen die seitlichen Sensifit Flügel auf, die mit der Sohle aber nicht dem Schaft verbunden sind. Das Obermaterial besteht aus einem feinen 3D-StretchAirmesh und wird  eingefasst von einer Art Exoskelett, einer aufgebrochenen, gummierten Schutzschicht im seitlichen Fußbereich. Die Zehenkappe ist ebenfalls gummiert. Die ausreichend gefütterte Fersenkappe ist stabil und im hinteren Bereich nochmals gegen übermäßigen Abrieb geschützt. Die Verarbeitung ist einwandfrei. Die Nähte sind sauber und die Verklebungen exakt gearbeitet.

Die Sprengung liegt bei moderaten 8 mm, das Gewicht bei 304g (Schuhgröße 43 1/3).

Die Besonderheiten

Das gewohnte Quicklace Schnürsystem hat eine neue Tasche bekommen.

Die neuen Sensifit Flügel im vorderen und mittleren Fußbereich machen einen ungewohnten aber durchwegs logischen Eindruck und sollen eine individuelle Anpassung an den Fuß ermöglichen.

Der Energy Save Einsatz soll für eine reaktive Dämpfung sorgen und die Laufdynamik positiv beeinflussen.

Wanderbild Salomon

Ein Etappenlauf als Bewährungsprobe

Die Salomon Ultra Pro haben mich beim letztjährigen Transalpine Run begleitet. Zusammen haben wir mittlere und lange Distanzen bis hin zur Ultradistanz gemeistert. Die Wegebeschaffenheit reichte von Asphalt und Schotter, über erdige und matschige Abschnitte über Geröll, Fels, Schnee bis hin zu technischen und hochalpine Trails. Von moderater Pace auf flachen Stücken über engagiertes Power-Hiking in den zahlreichen Anstiegen bis hin zu rasanten, teils waghalsigen Downhills war alles dabei. Die Temperaturen schwankten von angenehmen 20 Grad im Tal bis an die 0 Grad auf 3.000 m Höhe.

Kräftiger Grip und rollfreudige Leichtigkeit

Der Salomon Ultra Pro ist ein verlässlicher Begleiter. Egal ob nass und schmierig, der Schuh bleibt in der Spur. Auch tiefer, klebriger Matsch bringt ihn nicht in Verlegenheit. Kein unkontrolliertes Abrutschen und auch kein Rausrutschen. Der Grip, die Kontrolle und der Sitz sind perfekt. Abschnitte auch über längere Schotter- oder gar Asphaltstrecken meistert der Ultra Pro mit Bravur. Er rollt beharrlich über festen Untergrund und vermittelt eine erfreuliche Leichtigkeit.

Überraschendes Fußklima, ausdauernde Dämpfung und beruhigende Sicherheit

So richtig überzeugt er aber tatsächlich im Ultrabereich. Die dritte Etappe des diesjährigen Transalpine Runs führt über 52 Kilometer und 3.100 Höhenmeter tief hinein ins Pitztal. Der Schuh macht was er soll. Während Waden und Oberschenkel irgendwann schmerzen, fühlen sich die Füße immer noch frisch an. Auch das Fußklima stimmt. Kein Hitzestau, keine Blasen. Feuchtigkeit kann durch das durchlässige 3D-StretchAirmesh schnell entweichen. Das verwundert angesichts des großzügigen Gummieinsatzes etwas.
Dass Salomon auf den Profeel Film als Schutzschicht verzichtet und der Schuh somit keine Rockplate hat, merkt man nicht. Das ist dem höheren Aufbau der Sohle zu verdanken. Die Dämpfung schluckt enorm viel Aufprallenergie und das über einen langen Zeitraum. Das Energy Save Sohlenelement soll diese Energie während des Laufens wieder zurückgeben. Gefühlt ist dem auch so, gerade beim Lauf über Mittel- und Vorfuß.
Auf dieser Etappe herrscht ebenfalls ein permanenter Wechsel von Asphalt, erdigen Trails, Schotterpisten bis hin zu blockigen, felsigen Passagen. In jeder Situation hat man einen ausgesprochen stabilen Stand. Der Schuh vermittelt ein Maximum an Kontrolle, bleibt dabei überraschend wendig und agil. Er ist aber kein spritziger Racer.

Bemerkenswerte alpine Eigenschaften

Auch im alpinen bzw. hochalpinen Terrain weiß der Ultra Pro zu überzeugen. Felsige und teilweise ausgesetzte Passagen sind in ihm kein Problem. Die Sohle ist steif genug und meistert Antritte auf Felsspitzen ebenso souverän wie das frontale Überwinden von schmalen Felskanten. Im Geröll sitzt der Knöchel fest im Schaft. Das Profil ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben und die Gummimischung überzeugt durch einen fast schon stoischen Grip auch auf Fels. Selbst die Querung von Schneefeldern lässt sich problemlos meistern.

Angenehme Passform und großzügige Zehenbox

Man weiß sofort, dass man einen Schuh von Salomon an den Füßen hat. Das Zauberwort heißt wieder einmal Endofit. Er sitzt vielleicht nicht so eng wie Schuhe aus der S/LAB Serie, aber immer noch eng genug, um eine vertrauenserweckende Einheit mit dem Fuß zu bilden.

Die Quicklace-Schnürung fixiert den Fuß ohne zu drücken. Allein das Handling läuft etwas unrund, muss man doch die Schnürung von unten nach oben je Ösenpaar anziehen, bevor man mit einem letzten Zug den Verschluss schließen und alles in der Tasche verstauen kann. Das war beim alten Setup besser.

Die hinteren Sensifit Flügel positionieren die Ferse fest in der Fersenkappe, umschließen den Knöchel nach vorne hin und vermitteln umgehend eine sicheren Halt.

Auf langen Downhills rutscht der Fuß logischerweise etwas nach vorne. Das weiche Material und der etwas weitere Schnitt im Mittel- und Vorfußbereich stellen genügend Spielraum zur Verfügung. Die vorderen Sensifit Flügel halten den Fuß seitlich in Position. Die Zehen finden in der schützenden Zehenbox ebenfalls genügend Platz.

Strapazierfähigkeit

Mehr als 200 Kilometer haben natürlich ihre Spuren hinterlassen. Hier und da ein Kratzer, der ein oder andere Aufdruck an der Schuhsohle ist nicht mehr zu sehen und auch das leuchtende Orange der Schuhe kommt erst nach einer gründlichen Reinigung wieder zum Vorschein. Die Sohle jedoch ist tadellos. Ein übermäßiger Abrieb ist nicht zu erkennen. Das Obermaterial ist an einigen Stellen vor allem im Bereich der Knickfalte aufgeraut, aber nicht eingerissen.

Nahaufnahme Salomon

Fazit

Der Salomon Ultra Pro sitzt kompakt, bietet aber dennoch genug Platz für lange Läufe. Die Quicklace Schnürung arbeitet wie gewohnt. Das erwähnte unrunde Handling ändert daran nichts. Die Wet Traction Contagrip Sohle überzeugt auf jedem Untergrund, bietet Halt und vermittelt Sicherheit. Die Dämpfung ist großzügig. Das Laufgefühl bleibt dabei aber überraschend direkt. Wer Spaß in jedem Gelände sucht und auch einmal länger unterwegs sein mag, der findet mit dem Salomon Ultra Pro einen zuverlässigen Begleiter. Für kurze knackige Läufe oder waghalsige Racer und Minimalisten gibt es sicherlich bessere Schuhe. Allen anderen kann ich den Salomon Ultra Pro nur empfehlen.

Nachtrag: auch nach mehr als 700 Kilometer macht der Salomon Ultra Pro mächtig Spaß. Zugegeben: der Schuh wurde mittlerweile ordentlich in Mittleidenschaft gezogen. Die Sohle taugt nur noch für geschotterte Wege. Die Belüftung ist durch Risse im Meshmaterial großzügiger geworden. Aber: die Dämpfung macht Strecken über 30 Kilometer noch sehr angenehm und die Passform ist nach wie vor tipptopp

Expertenmeinung

Der Name ist Programm! Der Salomon Ultra Pro ist ein Trailrunningschuh der seine Stärken nicht nur aber vor allem auf den langen Distanzen hat. Er eignet sich für alle Untergründe und Wetterbedingungen, besticht durch absoluten Grip und rollt auch gutmütig über Asphalt. Er besitzt eine komfortable und reaktive Dämpfung ohne an Agilität zu verlieren. Die Rückmeldung vom Untergrund ist optimal. Ein nicht zu enger Sitz, gepaart mit den neuen Sensifit Flügeln und dem bewährten Quicklace Schnürsystem sorgt für eine angenehme und vor allem individuelle Passform. Er bietet Halt, Sicherheit und Laufspaß für viele Stunden auf den