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Reebok Floatride Run Fast - Testbericht

  • 05.06.2019

Bevor ich mit Euch meine Erfahrungen mit dem Reebok Floatride Run Fast teile, muss ich etwas weiter ausholen. Zu Reebok habe ich ein etwas sentimentales Verhältnis, obwohl ich nicht einen einzigen Trainingsschuh dieser Firma besessen habe. Aber Mitte der 80er und Anfang der 90er Jahre standen Reebok Wettkampschuhe sehr hoch im Kurs. Damals war Reebok eine Marke für ernsthafte Läufer, und der knallharte Steve Jones deklassierte in Reebok Schuhen in Chicago, London und New York die Weltelite.    

Reebok Floatride Run Fast – schick am Fuß

Ich selber lief einen Reebok PB und einen Hexalite Racer (cooles Teil), und mit dem Reebok ERS Racer bin ich 1990 beim ersten gesamtdeutschen Berlin Marathon meine Bestzeit gelaufen. ERS stand für „Energy Return System“, kommt euch das bekannt vor? Es hat aber nicht wirklich geholfen und ich habe die 2:30 damals nicht geknackt.

In den folgenden Jahren positionierte sich Reebok sehr erfolgreich im Fitnessbereich und ich habe die Marke ehrlich gesagt lange völlig aus den Augen verloren. Irgendwann in 2018 bin ich aber auf der Suche nach einem neuen Wettkampfschuh im Internet über den brandneuen Reebok Floatride Run Fast gestolpert.

Dabei waren meine Kriterien geprägt von dem nicht mehr erhältlichen Nike Lunartempo 2: Gewicht ca. 230 Gramm, gute Dämpfung und nicht zu instabil. Der Nike Zoom Streak 6 und der Adidas Adizero Adios Boost 3 tummeln sich zwar auch in diesem Segment, aber der Streak 6 ist insgesamt recht straff gedämpft und beim Adios 3 fehlte mir für längere Wettkämpfe etwas Vorfußdämpfung.

Als ich dann noch gelesen habe, dass Jannik Arbogast in dem Reebok Floatride Run Fast 2018 die deutschen Meisterschaften im 10km Straßenlauf gewonnen hat, musste ich mir den Schuh auch gönnen.   

Es gibt übrigens noch einen puristischen Wettkampfschuh von Reebok, den Floatride Run Fast Pro. Extrem leicht, aber zu minimalistisch für mich – den muss jemand anderes testen.

Die harten Fakten – Design, Konstruktion und ein paar Daten

Das Design des Floatride Run Fast (ich habe ihn in Weiß/Gelb) gefällt mir sehr gut, aus irgendeinem Grund verbinde ich helle Farben mit schnellen und leichten Schuhen. Ich habe allerdings gelesen, dass das Modell 2019 auch in unempfindlicheren Farben auf den Markt kommt.

Man sieht dem Floatride Run Fast an, dass alle Tricks zur Reduzierung des Gewichts eingesetzt wurden. Dem einteiligen Obermaterial wurden keinerlei Overlays spendiert und das Reebok-Logo ist nur aufgedruckt. Außerdem kann man erkennen, dass selbst die interne Fersenkappe gelocht ist, genauso wie die ansonsten durchgehende Außensohle.   

Die Einlegesohle ist erstaunlich gut konturiert, und auf der Unterseite sind die Bestzeiten von Sydney Maree von 3000m bis 10000m eingeprägt, ein interessantes Detail. Sydney Maree war ein absoluter Weltklasseläufer in den 80er Jahren und zu dieser Zeit hatte Reebok sogar einen Laufschuh Namens „Sydney Maree Trainer“ im Programm.

Der Rahmen aus EVA-Schaumstoff

Die Fersenkappe ist stabil und sitzt auf einer relativ breiten Sohlenbasis, was der Stabilität zugutekommt. Die Mittelsohle ist mehrlagig aufgebaut. Die obere gelbe Lage ist aus festerem EVA Material, welches speziell im hinteren Bereich des Schuhs wie ein Rahmen um den Schaft hochgezogen ist. Im Fersenbereich gibt es auch eine Andeutung einer Pronationsstütze, auch das ist ähnlich zum Adidas Adios Boost 3. Darunter befindet sich eine Lage weicheren Schaumstoffs, das Reebok „Floatride-Foam“ nennt, angeblich ein ähnliches PEBAX-Material wie beim Nike Vaporfly 4%.

Die Reebok Webseite nennt eine Sprengung von 10 mm, aber es werden keine weiteren Details genannt. Überraschenderweise steht auf der Innensohle „8mm“, was immer das bedeuten mag. Die Außensohle ist zwar nur leicht strukturiert, aber weist viele griffige rechteckige Noppen auf. 

In meiner Größe US 11,5 wiegt der Schuh nur unglaubliche 225g, was erstaunlicherweise sehr gut mit der Gewichtsangabe auf der shop4runners Webseite übereinstimmt. Im Vergleich hierzu wiegen der Zoom Streak 6 222g und der Adios Boost 3 259g.

Leicht wie ein reinrassiger Wettkampfschuh

Der Praxistest –der Reebok Floatride Run Fast hält, was er verspricht

Wenn man mir einen Prototyp des Reebok Floatride Run Fast ohne Markenlogo überlassen hätte, dann wäre mein erster Gedanke gewesen „wow – das wird sicher der neue Adidas Adios Boost 4“. Das Konzept ist ähnlich, mit einem für einen so leichten Schuh recht stabilen Fersenbereich und einer komfortablen Dämpfung. Aber der Floatride Run Fast schafft hier fast die Quadratur des Kreises, er ist stabiler, besser gedämpft und trotzdem über 30 Gramm leichter als mein Adios Boost 3.

Die Passform ist sehr gut, der einzige eher kosmetische Mangel ist, dass Reebok zu viel Obermaterial über dem Vorfuß verwendet hat. Das berichten im Internet übrigens mehrere Tester, es scheint also kein Einzelfall zu sein. Das resultiert glücklicherweise nicht in mangelndem Halt, aber es ist eine leichte Falte sichtbar.

Die Passform von Ferse und Mittelfuß ist dagegen sehr gut und gibt den erforderlichen Halt. Die Zunge ist seitlich elastisch mit dem restlichen Oberschuh verbunden, sodass sie nicht verrutscht und auch schon ohne Schnürung dem Fuß einen gewissen Halt gibt.

Die Dämpfung ist komfortabel, vielleicht einen Tick fester als z.B. das Boost Material des Adios Boost 3. Mein erster Testlauf über 12km im Marathontempo war vom Laufgefühl her toll, der Schuh verschwindet am Fuß und ist nicht so soft, wie ich erwartet hatte. Nächster Einsatz war ein gesteigerter Tempodauerlauf, 3km Marathontempo, 3km Marathontempo minus 10s, 3km Marathontempo minus 20s. Hier spielt der Floatride Run Fast seine Stärken aus, ich habe weder den Schuh noch die Straße gespürt, und selbst in Kurven ist er aufgrund der breiten Sohlenbasis angenehm zu laufen. 

Der aktuelle Härtetest für den Floatride Run Fast unter Wettkampfbedingungen war der 15km Lauf der Rheinzaberner Winterlaufserie. Trotz lausigem Wetter mit durchgehend Regen und sehr nassem Untergrund war ich wesentlich schneller unterwegs als erwartet und es war eine Freude, mit dem Schuh mal richtig zu brettern. Denn was Reebok auch wirklich gut hinbekommen hat ist die Außensohle, und das habe ich während dieses Laufs wirklich geschätzt.

Durch die schon erwähnten scharfkantigen Noppen hat der Floatride Run Fast speziell bei Nässe einen phantastischen Grip. Während meine geliebten Nike Lunar Tempos bei Nässe z.B. auf Kopfsteinpflaster wirklich rutschig waren, krallt sich der Floatride Run Fast in jeden Untergrund. Die (nicht so wichtige) Kehrseite war, dass ich bei meinem typischen „Auslaufschlurfschritt“ ein paar Mal fast gestolpert bin, weil ich die Füße nicht richtig angehoben habe und die Sohle partout nicht gleiten will, weder nach hinten noch nach vorne.

Ich habe den Floatride Run Fast bisher nicht bei langsameren Dauerläufen verwendet, außer beim Ein- und Auslaufen nach Tempoeinheiten. Hierbei hat er sich aber durchaus gutmütig angefühlt.

Die Außensohle bietet viel Grip

Und wie sieht es nach einigen Laufkilometern aus?

Der Verschleiß ist nach inzwischen ca. 100 schnellen Kilometern auf Asphalt sehr gering, vor allem die Außensohle zeigt bisher keinerlei Abrieb. Üblicherweise sehe ich an Außenkante der Ferse recht schnell einen Verschleiß, aber selbst die geprägte Struktur ist noch zu erkennen, das ist für einen so leichten Renner ziemlich erstaunlich.

Die Dämpfung zeigt noch keine sichtbaren Ermüdungserscheinungen, aber das wäre nach so wenigen Kilometern auch zu früh. Allerdings erwarte ich, dass die Mittelsohle der begrenzende Faktor für die Lebensdauer sein wird.

Nach dem 15km Wettkampf im Regen sah der Floatride Run Fast nicht mehr besonders weiß aus, aber die Bilder beweisen, dass die sehr empfindliche Farbe dank Wasser und Bürste kein großes Problem ist.

Mein persönliches Fazit

Mein persönliches Fazit lautet, dass Reebok mit dem Floatride Run Fast einen innovativen Volltreffer gelandet hat. Er ist leicht genug, um als Wettkampfschuh eingesetzt zu werden, aber dabei bietet er trotzdem eine in dieser Gewichtsklasse unglaublich gute Dämpfung und Stabilität. Ich finde ihn eigentlich zu schade für Tempoläufe, aber genau hier punktet der Floatride Run Fast, weil man brettern kann, ohne ein Brett an den Füßen zu haben. 

Außerdem ist der Floatride Run fast für mich auch erste Wahl bei kurvigen Rennen (z.B. Stadtläufen) oder Nässe, da er hier Stärken hat die sonst kaum ein Wettkampfschuh bietet.  

  • Dämpfung
    sehr wenig sehr viel
  • Stabilität
    sehr wenig sehr viel
  • Dynamik
    wenig viel
  • Untergrund
    • Bahn
    • Straße
    • Wald
    • Trail

Fazit

Der Reebok Floatride Run Fast ist ein sehr leichter und dynamischer Laufschuh, der ein extrem geringes Gewicht mit einer sehr guten Dämpfung und leichter Stabilität verbindet. Mit diesen Eigenschaften hat der Floatride Run Fast durchaus das Potential, Erfolgsmodellen wie dem Saucony Kinvara, dem Fastwitch, oder auch dem Adidas Boston Boost als Lightweighttrainer einige Kunden abzujagen.

Seine wirkliche Stärke sehe ich aber im Wettkampfbereich, ich würde ich den Floatride Run Fast hier durchaus Läufern empfehlen, die ansonsten einen großen Bogen um Wettkampfschuhe machen - auch bis zur vollen Marathondistanz.

Der Schuh scheint übrigens für Reebok ein richtiges Erfolgsmodell zu sein, denn viele Größen waren bei shop4runners.com als auch auf der Reebok Webseite ziemlich schnell ausverkauft. Das gibt es ansonsten nur, wenn man versucht, einen Nike Vaporfly 4% zu ergattern.

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