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Puma Deviate Nitro / Testbericht

„Carbon-Wars“ - Puma schlägt zurück!

Lange, sehr lange war es ruhig um Puma in Sachen Laufschuhe gewesen. Doch im Jahr 2021 startet Puma eine große Laufschuh-Initiative.
Neben einigen neuen Top-Athleten als „Markenbotschaftern“, wie z.B. Gesa Felicitas Krause, launcht PUMA auch gleich 4 NEUE Modelle, darunter auch einen Carbon-Racer, denn Puma will „verlorenes Terrain“ zurückerobern! Besonders interessant für einen Carbon-Schuh - mit einer UVP von 160€ - soll hierbei der DEVIATE NITRO als Innovationsträger und „Türöffner“ für die Traditionsmarke aus Herzogenaurach fungieren.

Die „Zutaten“ sind vielversprechend - von daher war ich sehr gespannt, wie sich der DEVIATE im Test würde schlagen können. Shop4runners hat mir den DEVIATE NITRO zur Verfügung gestellt, so dass ich selbigen unabhängig von etwaigen Hersteller-Interessen testen konnte.


Deviate Nitro


OPTIK und VERARBEITUNG:

Der DEVIATE ist - wie nicht anders zu erwarten - sehr gut verarbeitet. Sowohl die Nähte als auch etwaige Klebestellen zeigen hierbei Top- Niveau.

In der Farbvariante „Lava Blast“ und „Puma Black“ fällt er direkt ins Auge.
Der rote-orange Farbton ist schön „knallig“ gewählt und weist ihn direkt als Race-Modell aus. Auch wenn in letzter Zeit diverse Rottöne bei unterschiedlichen Herstellern eine gewisse „inflationäre Verwendung“ finden, gefällt mir diese Farbvariante immer noch sehr gut. Allerdings bietet Puma für den DEVIATE NITRO insgesamt vier Farbvarianten an - siehe Foto. Für mehr Sichtbarkeit sorgen diverse reflektierende (Logo-) Prints.


TECHNISCHE DATEN und INNOVATIONEN:

Der DEVIATE NITRO hat eine Sprengung von 10 mm, bei einer Bauhöhe von 40 mm zu 30 mm.

In der vorliegenden Größe US 13 (Achtung: EU 47!) wiegt er immerhin 304g. Für einen Carbon-Racer ist das eher etwas „schwer“. Auch Puma hat einige technische INNOVATIONEN beim DEVIATE NITRO implementiert:

Angefangen beim Engineered Mesh-Upper, welches zum einen die Atmungsaktivität erhöhen und gleichzeitig das Gesamtgewicht reduzieren soll. Besonderes Highlight (und namensgebend für die neue Modellreihe) ist insbesondere auch der „Nitrogen Infusions-Mittelsohlenschaum“ - NITROfoam - der auch die Puma-INNOPLATE (Carbonplatte) beinhaltet, die jedoch nicht ganz bis in den Fersenbereich reicht und im Zehenbereich geteilt ist.

Dies könnte eine höhere Torsion/Flexibilität im Vorfußbereich ermöglichen. Abgerundet wird das Ganze durch die sogenannte PUMAGRIP Außensohle, die für Haltbarkeit und Grip in allen Lebenslagen sorgen soll.

Eine weitere Besonderheit ist der sogenannte Fersen-Clip (TPU), der den weichen Mittelsohlenschaum in Sachen Stabilität zusätzlich unterstützen soll. Wie die technischen Innovationen von Puma „performen“ lest ihr weiter unten.


Technische Daten Deviate


PASSFORM:

Im Gegensatz zu vielen anderen Carbon-Racern ist der DEVIATE (im Fersen- und Vorfußbereich) nicht ganz so schmal geschnitten und bietet somit auch etwas breiteren Füßen genug Platz im Schuh. Der (etwas schmalere) Mittelfußbereich lässt sich durch die gute Schnürung sehr gut fixieren, die Ferse ist nur leicht verstärkt und fixiert den Fuß nicht ganz optimal.

Da auch die beiden Polsterelemente mehr seitlich positioniert sind und nicht den hinteren Fersenbereich abdecken (wie zum Beispiel beim Vaporfly), tragen auch diese nur bedingt zu einem besseren Fersenhalt bei. Ich musste daher auf die Marathonschnürung zurückgreifen, um einen „festen Sitz“ zu gewährleisten. Damit wurde der Fuß gut fixiert!

Der Fersenhalt wurde bisweilen bei anderen Reviews moniert, hängt jedoch auch stark von der jeweiligen Fußform ab. Die Einlege-Sohle verstärkt das sehr angenehme und softe Tragegefühl – diese ist relativ dick und weich.

Die Zunge ist seitlich mit Mesh am Schuh vernäht. Dieses Mesh reicht sockenartig komplett in den Zehenbereich und kleidet diesen sehr angenehm aus.

Hinweis: Somit ist auch ein Barfußlaufen mit dem DEVIATE absolut machbar.
Aber wie immer gilt: Vorher probieren und den Fuß daran gewöhnen!


HALTBARKEIT:

Da ich im Testzeitraum nur knapp 50 km laufen konnte, kann ich natürlich zur Haltbarkeit insgesamt nichts konkret sagen.

Jedoch macht die Außensohle einen sehr haltbaren Eindruck!
Sie ist im Vergleich zu fast allen anderen Mitbewerbern nicht ganz so „homöopathisch“ und dünn aufgetragen, sondern vermittelt einem wirklich robusten Eindruck. Somit könnten mit dem DEVIATE NITRO einige Kilometer mehr möglich sein als bei fast allen anderen Konkurrenzmodellen, zumal auch die EVA-Mittelsohle i.d.R. länger hält als die PEBA-basierten Schäume.

Dies bleibt jedoch abzuwarten. Einen erhöhten Verschleiß, oder reduzierte Haltbarkeit werde ich bei Bedarf in einem Update nachreichen.


Passform


GRIP:

Mit dem PUMAGRIP gelingt es dem DEVIATE, einen sehr guten Grip zu erzeugen.

Ebenso vermittelt das „Waffle-Design/Profil“ auch auf Feld- und Waldwegen sicheres Laufgefühl. Selbst bei Nässe und feuchtem Waldboden gab es hier nichts zu beanstanden.
Nur im Matsch hat der DEVIATE nichts zu suchen! Insgesamt liegt er im Vergleich zur Konkurrenz damit vorne!

 

LAUFVERHALTEN, DYNAMIK und STABILITÄT:

Der DEVIATE NITRO ist ein extrem gedämpfter Laufschuh! Hier macht sich die enorme Bauhöhe von 30/40 mm deutlich bemerkbar. Ebenso ist es PUMA gelungen, den NITRO-Foam sehr „soft“ herzustellen, deutlich weicher als z.B. das DANN-Flash beim Brooks Hyperion Elite 2.

Der DEVIATE läuft sich sehr smooth und fluffig. Durch die integrierte INNOPLATE erzeugt er jedoch eine durchaus gelungene Dynamik. Im Vergleich zur Top-Konkurrenz ist der REBOUND auf einem guten, mittleren Niveau.

Man merkt eben auch, das EVA-Mittelsohlenschäume - selbst wenn diese durch eine Stickstoffinfusion „gepimpt werden“ - in Sachen „REBOUND“ hinter den Top PEBA-Materialien zurückstehen. Preisleistungsbezogen kann man aber beim DEVIATE aber nicht meckern! Für Fans direkter Laufschuhe / Racing-Flats dürfte der DEVIATE aber nicht unbedingt die erste Wahl sein. „Freunde“ einer sehr guten Dämpfung werden jedoch das „sänftenartige Gefühl abfeiern“!

Durch die nicht S-förmig gebogene Carbonplatte gestaltet sich auch der (durch diese in Verbindung mit dem NITROfoam hervorgerufene) „PUSH“ eher LINEAR und nicht so progressiv wie bei einigen Topmodellen. Dies dürfte jedoch gerade „Carbon-Neulingen“ durchaus entgegenkommen.

Durch die enorme Bauhöhe und weiche Mittelsohle leidet auch ein klein wenig die STABILITÄT.
Nicht dass der DEVIATE extrem kippelig ist, jedoch vermag selbst der Fersen-Clip den Rückfußbereich nicht komplett zu stabilisieren. Eventuell ist dies auch auf die nicht ganz durchgehende INNOPLATE zurückzuführen. Ebenso bietet er - wie die anderen Carbon-Racer - keine weiteren, stabilisierenden Elemente sondern ist als Neutral-Schuh konzipiert. Läufer*innen mit stärkerer „Pronation“ sollten hier also unbedingt einen Probelauf ins Auge fassen.

Hinweis:
Auch die Torsionsfähigkeit des DEVIATE ist im Vergleich zu anderen Carbon-Racern eher hoch, d.h. Vor- und Rückfuß lassen sich eher gegeneinander verdrehen.
(Für mich ist dieses Thema nicht ganz so wichtig). Im Vergleich zu „normalen“ Laufschuhen zeigte DEVIATE auf jeden Fall eine erhöhte Dynamik und Responsivität.

Er läuft sich in sämtlichen Tempobereichen sehr angenehm. Insbesondere der Vorfußbereich profitiert vom 30 mm NITROfoam. Läufer*innen mit einer Wettkampf-Pace von 4.00 - 5:00 min/km können den DEVIATE auch als RACESCHUH ins Auge fassen. Für mich ist er eher eine sehr interessante Alternative als Lightweight-Trainer und Uptempo-Schuh und weniger als Racer.

Von Intervallen bis zum Marathon – der DEVIATE „macht alles mit“ !
Auf der anderen Seite gilt es zu berücksichtigen, dass die UVP mit 160 € für ein Carbon-Laufschuh geradezu „günstig“ ist.

Ebenso sollte man im Auge behalten, dass PUMA selbst noch ein weiteres AS „in petto hat“, welches u.a. auch auf das Highend-Material PEBA zurückgreifen kann - dazu unten mehr.


Fazit Deviate


ALTERNATIVEN:

Der DEVIATE NITRO bildet zurzeit die Speerspitze bei Puma. Mit ihm wurden jedoch drei weitere Modelle der NITRO-Serie gelauncht: Der ETERNITY (ca. 34/25 mm, 9 mm Drop) für eine UVP von lediglich 140 € zeigt sich hierbei als „stabiler Trainer“.

Der VELOCITY (ca. 33,5/23,5 mm, 10 mm Drop) mit einer UVP von 120 € soll als Lightweight-Trainer genug Dämpfung und Responsivität bei jedem Lauf bieten.

Der LIBERATE (ca. 28/18mm, 10 mm Drop) und einem Gewicht von wohl unter 200g pro Schuh stellt den „Racing-Flat“ der NITRO-SERIE dar.

>>> Alle drei profitieren hierbei vom wirklich gelungenen NITROfoam!

Und – LAST BUT NOT LEAST: Mit dem DEVIATE ELITE wirft PUMA bald auch sein TOP-Modell in den Ring:

PEBA-Mittelsohle mit Carbon-Platte, ultraleichtes Mesh-Upper und ein Gewicht auf Vaporfly-Niveau bei einer UVP von „nur“ 200€ machen ihn zu einem wirklichen Herausforderer für die CARBON-ELITE.

Hier der LINK zu den verfügbaren PUMA NITRO-Modellen: >> LINK <<


Fazit


FAZIT:

Mit dem DEVIATE NITRO gelingt PUMA ein insbesondere preis- leistungsbezogen tolles COMEBACK! Für gerade einmal 160€ zeigt Puma der Konkurrenz, was im „Carbon-Einstiegsbereich“ möglich ist.

Die Verarbeitung ist tadellos, die Optik stimmt und auch die Haltbarkeit dürfte weit überdurchschnittlich sein. Die Passform ist auch für breitere Füße geeignet, jedoch sollte man die Marathon-Schnürung verwenden, um einen guten Fersenhalt sicherzustellen.

Auch in Sachen Laufdynamik, Dämpfung und Abrollverhalten zeigt der DEVIATE eine wirklich gute Performance. Der NITROfoam erzeugt eine enorme Dämpfung, ohne jedoch ein übermäßig schwammiges Laufgefühl an den Tag zu legen. Durch die implementierte INNOPLATE wird der DEVIATE nicht nur leicht stabilisiert sondern der Abroll- und Abstoßvorgang mit einem spürbaren PUSH unterstützt. In Sachen Stabilität ist sicherlich noch etwas „Luft nach oben“.

Auch wenn NITROfoam im Vergleich zur Top-Konkurrenz nicht ganz mithalten kann, muss man ihm preisleistungsbezogen eine sehr gute Performance bescheinigen!

Insgesamt gelingt PUMA mit dem DEVIATE NITRO ein sehr gelungener Einstieg im Bereich der Carbon-Laufschuhe. Für den aufgerufenen Preis findet man aktuell im Markt kaum etwas Besseres.

>> ZU DEN MODELLEN <<