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Testbericht On Cloudboom

Mit dem On Cloudboom erweitert nun auch der Schweizer Hersteller seine Produktpalette um einen ultimativen Wettkampfschuh und mischt nun auch im Carbon-Wettstreit mit. Ausgestattet mit gleich zwei Dämpfungsschichten soll das neue Topmodell ein einzigartiges, adaptives Tragegefühl ermöglichen. Wie sich das neue Modell im Praxistest schlägt und wo seine Stärken und Schwächen liegen, erfahrt ihr in diesem Testbericht.


Testbericht On Cloudboom


Das gewisse Boom-Feeling

Die Namensgebung des On-Modells ist für mich ein Statement: CloudBOOM. Das impliziert für mich Dynamik und Schnelligkeit. Also genau die Kerneigenschaften, die On mit seinem neuartigen Tempotrainings-/Wettkampfschuh vermitteln möchte. Erstmals setzt der Schweizer Hersteller auf eine doppelte CloudTec®-Schicht aus Helion™-Superfoam, die über als auch unter dem Speedboard eingebaut ist. Hinzu kommt der Einsatz einer Carbonplatte, um den Abrollvorgang noch explosiver zu gestalten. Wie nicht anders vom Schweizer Haus zu erwarten war, punktet der leichte, enganliegende und sehr atmungsaktive Carbonschuh mit seinem minimalistischen und zugleich edlen Design. Die Verarbeitung ist einwandfrei. Wie auch bei zahlreichen Vorgänger-Modellen setzt On auf sein bewährtes Cloud-Dämpfungssystem und versucht nicht, das Rad neu zu erfinden, um den großen Carbon-Konkurrenten nachzueifern.


Praxistest Cloudboom


Praxistest

Nach den ersten Testläufen stand für mich fest: langsam und ruhig sind für den Cloudboom Fremdwörter. Intervalle, Fahrtspiele oder Tempodauerläufe sind die prädestinierten Trainingsinhalte für das Modell. Hier kommen entsprechend die Vorzüge des Cloudbooms zur Geltung. Durch die schlanke Sohlenpartie im Vorfußbereich sowie die allgemeine Rockerkonstruktion gepaart mit einer Carbonplatte ist bei jedem Schritt der direkte Bodenkontakt spürbar. Die Energierückgabe und das typische Katapult-Gefühl fallen im Vergleich zu den Carbon-Konkurrenten eher diskret aus.

Demnach sind die Schuhe weniger aggressiv und somit etwas schonender für den Bewegungsapparat. Nichtsdestotrotz ist ein gewisser Geschwindigkeitsvorteil spürbar. Ein weiterer Pluspunkt ist das niedrige Gesamtgewicht dank des geringer ausfallenden Dämpfungsmaterials. Genau diese Eigenschaften sind vermutlich die zentralen Alleinstellungsmerkmale des Schweizer Modells und machen es für eine breitere Zielgruppe attraktiv.


Test On Cloudboom


Dadurch, dass der Schuh eng und kompakt am Fuß anliegt, gestaltet sich der Einstieg nicht sehr flüssig. Die gradlinig verlaufende Schnürung auf dem Mittelfuß könnte für mich etwas flexibler sein. Der Vorfußbereich kennzeichnet sich durch eine eher schmale, längliche Passform mit wenig Spielraum. Das sehr atmungsaktive und leichte Obermaterial rundet den Sitz ab.

Ich habe den Schuh ausschließlich bei Tempodauerläufen oder Intervalleinheiten auf der Asphaltpiste genutzt. Bei Dauerläufen empfehle ich, alternative Laufschuhe mit mehr Dämpfung und ohne Carbon-Platte zu tragen. Selbstverständlich ist der Cloudboom auch eine sehr gute Option für Wettkämpfe. Bei allen Distanzen bis hin zum Halbmarathon sehe ich seine Stärken. Für einen Marathon würde ich auf ein Carbon-Modell mit mehr Energierückgabe zurückgreifen. Die allgemeine Haltbarkeit des Schuhs schätze ich als recht langlebig ein und tendiere zu 600 bis 800km. Das ist für einen Wettkampfschuh sehr ordentlich.


Bevorzugte Zielgruppe

Der Cloudboom ist der ideale Laufschuh für alle Läufer, die auf eine Weiterentwicklung der alten Racing Flats gewartet haben. Er verbindet förmlich die Vorzüge aus der Vergangenheit mit den neuesten Dämpfungsupdates. Konkret: ein eng anliegender, leichter und direkter Schuh, der dank der zweifachen Cloudschicht in Verbindung mit einer Carbon-Platte für eine zusätzliche Energierückgabe als auch einen vorfußorientierten Laufstil sorgt. Das Ganze wird durch ein sehr luftdurchlässiges und atmungsaktives Mesh-Obermaterial ergänzt.


Zielgruppe Cloudboom


Bei schnellen Trainingseinheiten oder Wettkämpen auf der Asphaltpiste macht der Cloudboom am meisten Spaß. Selbst auf wendigen, kurvenreichen Strecken wird dank der verstärkten Gummielemente auf der Außensohle ein guter Grip gewährleistet. Aufgrund des direkten Laufgefühls und der vergleichsweise geringen Energierückgabe zu alternativen CarbonSchuhen würde ich das Modell primär leichten bis mittelschweren Neutralläufern empfehlen (Frauen bis 65kg und Männer bis 75kg).


Einordnung in die On-Familie und Carbon-Alternativen

Der On Cloudboom ist für schnelle und explosive Trainingseinheiten als auch Wettkämpfe zwischen 10km und Marathon (laut Hersteller) ausgelegt. Das ultimative Pendant zum Cloudboom ist der Cloudflash. Dieser ist noch ein wenig leichter und direkter und somit für schnellere, kürzere Distanzen geeignet. Wer einen Allround-Trainingsschuh sucht, ist vermutlich mit dem Cloudflow besser beraten. Deutlich mehr Dämpfung bieten der Cloudswift wie auch der Cloudstratus. Mittlerweile hat nahezu jeder Hersteller seine Produktpalette um mindestens eine CarbonSchuhvariante erweitert, bspw. Nike, Adidas, Asics, Brooks, Saucony, Hoka und zuletzt Puma. Im Vergleich zu den Carbon-Konkurrenten ist der Cloudboom der wohl am „wenigsten gedämpfte“, dafür aber wohl der direkteste Schuh. Während das Schaummaterial von Nike und Adidas für eine deutlich höhere Energierückführung sorgt, ist die Mittelsohlendämpfung von Asics und Saucony etwas straffer. Die Modelle von Brooks und Hoka überzeugen durch eine sehr gute Passform in Kombination mit einer vergleichsweise erhöhten Stabilität. Der New Balance ist eine gelungene Mischung aus Tempo- und Wettkampfschuh. Der Cloudboom muss sich aber im direkten Vergleich nicht verstecken. Letztlich entscheidet jeder Läufer selbst, welche Performance-Eigenschaften den individuell größten Mehrwert bieten. Der Cloudboom weiß definitiv mit seinem leichten, kompakten und direkten Laufgefühl zu überzeugen.


Der On Cloudboom im Detail

Der Cloudboom ist ein neutraler Tempotrainings-/Wettkampfschuh ohne Pronationsstütze. Die Kombination aus ausreichender Dämpfung und möglichst minimalistischem Aufbau bringen bei Schuhgröße 44 ein Gewicht von ca. 242g auf die Waage. Die Rocker-Konstruktion als auch die Sprengung von 9mm verdeutlichen die Zielvorgabe über den Mittel-/Vorfuß abzurollen, um die größtmögliche Energierückführung zu erhalten. Die Gummisohle ist im Vorfuß- und Fersenbereich mit weiteren Gummielementen verstärkt und ermöglicht so einen guten Grip, der besser ist als bei den Carbon-Konkurrenten. Auch bei Nässe und in engen Kurven ist ein griffiger, stabiler Halt gewährleistet. Der bevorzugte Untergrund des Cloudboom ist ganz klar der Asphalt. Aber auch bei Tempoeinheiten auf Tartanbahnen in Leichtathletikstadien kann das Modell zum Einsatz kommen. Bei alternativen, unbefestigten Wegen im Gelände können sich – wie für On typisch – kleine Steine in den Kerben sammeln.


Fazit


Wie es sich für einen Tempotrainings-/Wettkampfschuh gehört ist er recht schmal geschnitten und sitzt sehr direkt am Fuß. Damit einhergehend gestaltet sich der Einstieg in den Schuh nicht ganz so einfach und flüssig. Auf eine Fersenschlaufe als Einstiegshilfe wird verzichtet. Die Schuhlasche ist zwar flexibel, aber die Schnürung sollt beim Einstieg dennoch weit gelöst werden. Die Innensohle ist herausnehmbar und kann durch eine orthopädische Einlage ersetzt werden.

Triathleten, die auf jede Sekunde bei der Wechselzeit angewiesen sind, würde ich diesem Modell eher abraten. Durch eine Polsterung an der Ferse soll der Druck auf die Achillessehe verringert werden. Der Vorfußbereich ist zwar relativ lang, aber dafür schmal geschnitten, weshalb unter Umständen eine halbe Nummer größer die bessere Alternative wäre. Druckpunkte gibt es keine. Läufer, die gerne viel Platz und ausreichend Polsterung bevorzugen, sind mit diesem Modell wohl nicht gut beraten. Hervorheben möchte ich noch das sehr atmungsaktive und luftdurchlässige Mesh-Obermaterial. Gelistet ist der Schuh beim Hersteller mit 199,95€. Natürlich ein stolzer Preis, aber im Vergleich zu den Carbon-Konkurrenten in der unteren bis mittleren Preiskategorie anzusiedeln.

Die Frauenmodelle gibt es in den Größen 36 bis 43 und die Männermodelle in den Größen 40 bis 49. Ich habe meine Standardgröße ausgewählt – passt. Dennoch möchte ich nochmal anmerken, dass der Vorfußbereich zwar relativ lang, aber schmal ausfällt, sodass unter Umständen auch eine halbe Nummer größer in Frage kommen könnte. Derzeit stehen jeweils zwei verschiedene Farben bei den Frauen- und Männermodellen zur Auswahl. Beide Geschlechter haben eine schwarze/weiße Variante mit einer farblich grün eingefärbten Ferse, die am unteren Rand bis zum Vorfuß verläuft. Das On-Logo als auch die kleine Schweizer Flagge an der Außenseite dürfen natürlich nicht fehlen. Als Alternative stehen für die Frauen ein Modell in Savannah/White und für die Männer in Sandstorm/Eclipse zur Verfügung. Eine sehr schlichte aber gleichzeitig elegante Farbwahl, die für mich einen leichten Retro-Touch hat. Ich finde die Farbauswahl hat was.

Der On Cloudboom im Detail: Preis 199,95 EUR (UVP) // Gewicht 242g (Größe 44) // Sprengung 9mm // Schuhweite schmal // Schuhart neutral // Einsatz Asphalt  // Einsatzgebiet Tempotrainings-/Wettkampfschuh.


Fazit

Der On Cloudboom ist quasi eine ideale Symbiose aus altbekannten Racing Flats gepaart mit den aktuellen Laufschuhtrends: also eine Mischung aus leichtem, atmungsaktivem und direktem Laufgefühl, die um zwei Dämpfungsschichten und eine Carbonplatte ergänzt wird. Im unmittelbaren Vergleich zu den Carbon-Modellen der Konkurrenz fällt die Energierückgabe geringer aus; dies muss aber gleichzeitig kein Nachteil sein. Letztlich muss jeder Läufer selbst entscheiden, welches Boom-Modell am besten zu den Laufpräferenzen passt. Für schnelle Tempotrainingseinheiten als auch Wettkämpfe bis Halbmarathon ist der schmale, enganliegende und direkte Schuh gut geeignet.

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