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Testbericht Nike Pegasus Turbo 2

Anfang der 90er Jahre gab es schon einmal einen Pegasus Racer, aber diese Linie wurde von Nike nicht über die erste Version fortgeführt. Als die ersten Gerüchte bezüglich eines Pegasus Turbo auftauchten, musste ich erstmal grinsen. „Turbo“ hörte sich so Retro an, dass ich sicher war, dass es sich nur um einen Projektnamen handelt. Heute nennt ja auch keine Autofirma mehr ein Modell „Turbo“.

Aber es war der richtige Name und der Pegasus Turbo 2 ist schon die zweite Generation nach dem Pegasus Turbo 35. Er schließt neben dem Nike Zoom Fly die Lücke zwischen dem normalen Pegasus und dem Wettkampfschuh Vaporfly, denn Nike positioniert beide Modelle als schnelle leichte Trainingsschuhe.

Während ältere Nike Modelle in diesem Schuhsegment wie der Zoom Elite oder der Lunartempo durchaus preiswert waren, gehört der Pegasus Turbo 2 mit einem Preis von 180 EUR zu den hochpreisigen Laufschuhen. Dabei nutzt Nike geschickt die Diskussionen bzgl. des umstrittenen Wettkampfschuhs Vaporfly. Der Pegasus Turbo 2 hat nämlich wie der Vaporfly eine Mittelsohle aus dem sogenannten ZoomX Material, welches nach Meinung einiger Expertenmeinung der eigentliche Grund für die verbesserte Laufeffizienz ist des Vaporfly ist.       

Design, Konstruktion und ein paar Daten

Das Design des Pegasus Turbo 2 ist nicht besonders auffällig – nur die im Fersenbereich spitz zulaufende Mittelsohle soll wohl auf die Verwandtschaft mit dem Vaporfly hinweisen. Diesen „Heckspoiler“ fand ich schon beim Vaporfly 4% ziemlich überflüssig, aber inzwischen habe ich mich daran gewöhnt.

Das Obermaterial besteht aus Mesh und ist bis auf die etwas merkwürdige Schnürung und die fehlende Polsterung der Fersenkappe ziemlich konventionell. Die Fersenkonstruktion finde ich ziemlich genial, sie ist leicht versteift und weist innen zwei streifenförmige Polsterungen auf, um die Ferse zu fixieren. Ich mag Schuhe ohne jede Fersenkappe eher nicht, aber für mich bietet der Pegasus Turbo 2 genau die minimale Führung, die ich mir wünsche. Die Schnürung ist ein anderes Thema, durch die „innovative“ Führung der Schnürsenkel dauert es bei mir immer eine ganze Weile, bis ich den Schuh passend geschnürt habe.  

Für die obere Schicht der Mittelsohle verwendet Nike das schon genannte ZoomX Material. Dabei handelt es sich um ein Pebax-Material, welches sich durch eine extrem hohe Energierückgabe auszeichnet und vergleichsweise soft ist. Um dem Schuh trotzdem genug Struktur zu geben, hat die Mittelsohle eine zweite untere Schicht aus React, dem zweiten relativ neuen Mittelsohlenmaterial von Nike. Lustigerweise druckt Nike den ZoomX Schriftzug auf die Schicht aus React (vielleicht hat es den Designern keiner gesagt). Die Sprengung beträgt 8mm mit einer Mittelsohlendicke von 16mm im Vorfuß und 24mm im Fersenbereich.

Die Außensohle ist sehr ähnlich aufgebaut wie bei den letzten Zoom Elite Modellen. Im Vorfuß- und Fersenbereich befindet sich ein angedeutetes Waffelprofil aus abriebfestem Gummi, der Mittelfußbereich weißt dasselbe Profil auf, allerdings ohne Gummiverstärkungen. In meiner Größe US 11,5 wiegt der Pegasus Turbo 2 245g, das heißt nur ca. 20g mehr als mein Vaporfly 4% Flyknit und 30g weniger als mein Pegasus 36.

optik

Der Praxistest – keine Liebe auf den ersten Blick

Alle meine bisherigen Pegasus Modelle hatten eine eher schmale Passform, was mir sehr entgegen kam. Allerdings fand ich schon den aktuellen Pegasus 36 im Vorfuß etwas weiter. Den Pegasus Turbo 2 habe ich in derselben Größe US 11.5 bestellt, und erstaunlicherweise ist er noch etwas weiter und auch länger. Die Ursache könnte sein, dass der Pegasus Turbo 2 keine gepolsterte Fersenkappe hat und deswegen der Fuß weiter hinten im Schuh sitzt.

Da ich mit meinen schmalen Füßen oft ähnliche Probleme habe, teste ich neue Schuhe schon fast routinemäßig mit einer dickeren Einlegesohle. Nach dieser kleinen Modifikation passt auch der Pegasus Turbo 2 sehr gut, aber ich muss den Schuh immer noch relativ fest schnüren um einen sicheren Halt zu haben. Deswegen solltet ihr bei eher schmalen Füßen unbedingt auch einmal eine halbe Nummer anprobieren.

In anderen Reviews hatte ich gelesen, dass der Pegasus Turbo 2 aufgrund seiner komfortablen Dämpfung sehr gut für ruhige Läufe geeignet sei, also habe ich mir für meinen ersten Lauf einen regenerativen Tag ausgesucht. Aber bei langsamem Tempo fühlt sich der Schuh für meinen Geschmack zu soft und „platschig“ an. Als Fersenläufer habe ich das Gefühl, beim Auftreten richtig in die Sohle einzusinken.

Mein nächster Versuch war ein Tempodauerlauf und da hat mir der Pegasus Turbo 2 schon wesentlich besser gefallen. Obwohl es sich um eine ganz andere Konstruktion handelt, hat er mich bei schnellerem Tempo sofort and den Vaporfly 4% erinnert. In beiden Schuhen habe ich kein gutes Gefühl bei den langsamen Einlaufkilometern, aber sowie es flotter wird zeigen sie ihre Talente, sehr dynamisch und gleichzeitig komfortabel. Außerdem wird bei beiden Schuhen die Stabilität bei höherem Tempo besser.

Inzwischen habe ich ca. 10 Tempodauerläufe mit dem Pegasus Turbo 2 absolviert und der erste Eindruck hat sich absolut bestätigt. Ich mag ihn sehr an meinen schnelleren Tagen und schätze vor allem die gute Dämpfung im Vorfußbereich. Seine profilierte Außensohle macht ihn sehr rutschfest auch bei Nässe oder auf Waldwegen, was ihn teilweise von anderen Lightweighttrainern abhebt. 

Für lange ruhige Läufe bevorzuge ich definitiv den normalen Pegasus 36, da dieser mehr Struktur und Stabilität bietet. Dieser für mich relativ enge Anwendungsbereich ist für mich (neben dem Preis) der eigentliche Schwachpunkt des Pegasus Turbo 2. In dieser Hinsicht finden ich den Reebok Floatride Run Fast oder den (leider schwer erhältlichen) Skechers Razor 3 universeller.

Ich hatte weiter oben schon erwähnt, dass die Meinung einiger Reviews im Internet genau umgekehrt ist. Das ist mal wieder ein gutes Beispiel dafür, wie individuell Laufschuhe empfunden werden.

blick

Und wie sieht es nach einigen Laufkilometern aus?

Nach inzwischen ca. 100 schnelleren Kilometern auf Asphalt sieht der Pegasus Turbo 2 noch aus wie neu. Als Fersenläufer sehe ich bei den meisten Schuhmodellen relativ schnell einen deutlichen Verschleiß im Fersenbereich, aber die Außensohle zeigt keinen nennenswerten Abrieb und auch Mittelsohle und Dämpfung fühlen sich noch top an. Das Mesh-Obermaterial scheint sehr unempfindlich zu sein und lässt sich mit Bürste und klarem Wasser auch problemlos reinigen. Insgesamt sieht der Schuh auch nach 100 Kilometern noch fast aus wie neu.

Sohle Pegasus

Fazit:

Ich laufe sehr gerne in dem Pegasus Turbo 2, der Schuh ist aktuell einer meiner Favoriten für schnelle Dauerläufe. Er ist leicht, sehr gut gedämpft und schient erstaunlich haltbar zu sein. Ich kann mir den Pegasus Turbo 2 auch gut als Wettkampfschuh für Distanzen ab Halbmarathon aufwärts vorstellen, 

Allerdings bieten andere Firmen ähnliche Modelle (leicht, innovatives Dämpfungsmaterial) zu einem wesentlich günstigeren Preis.

Nike hat mit dem Pegasus Turbo 2 die zweite Generation eines durchaus interessanten Lightweighttrainers auf den Markt gebracht.

Der Pegasus Turbo 2 verbindet eine sehr gute Dämpfung, ein dynamisches Laufverhalten und ein sehr geringes Gewicht. Er kann sich dabei durchaus mit etablierten Modellen wie dem Saucony Kinvara, dem Adidas Adizero Boston und dem Asics DS-Trainer messen. Allerdings drängen mehrere Hersteller mit sehr interessanten Innovationen in dasselbe Segment, z.B. New Balance mit dem Fuelcell Rebel, Reebok mit dem Floatride Run Fast oder Skechers mit dem Razor 3.

Da sich aber alles diese Modelle trotz ähnlicher Daten sehr unterschiedlich laufen (bis auf 2 Ausnahmen bin ich schon alle gelaufen), solltet ihr den Pegasus Turbo 2 definitiv in die engere Wahl nehmen.