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New Balance Fresh Foam Hierro v5 im Test

Gerne steil, technisch und abseits der befestigten Wege. So sehen meine Lieblingsstrecken aus. Daher habe ich mich besonders auf einen ausgiebigen Test des neuen Fresh Foam Hierro v5 aus dem Hause New Balance gefreut.

Ein Schuh, definiert für lange Einheiten und Ultras im Trailbereich. Er verspricht Komfort, Grip und eine weiche aber dennoch dynamische Dämpfung. Genau mein Ding.

Die amerikanische Marke bietet mittlerweile eine breite Palette an Laufschuhen für alle Zielgruppen. Da wird der ambitionierte Sportler genauso fündig wie der gemütliche Hobbyläufer. Darüber hinaus finden sich auch sehr stylische Modeschuhe im Repertoire.

Der Fresh Foam Hierro v5 hat irgendwie von Allem etwas.

Der v5 ist, wie der Name schon verrät, mittlerweile der Fünfte seiner Familie. Meist wird ein Laufschuh mit jeder Auflage ausgefeilter, zielgerichteter und einfach besser. Ob das beim Hierro v5 auch so ist?! Wir werden sehen...

Optik

Der erste Eindruck und Design

Den Schuh gibt es in vielen interessanten Farben. Bei den Damenmodellen sind die Hauptfarben im Upper in Rot, Blau, Schwarz und Grau erhältlich. Immer mit knalligen Akzenten. Bei den Herren gibt es ebenfalls vier verschieden Farbvarianten. Nicht jede Marke hat so eine breite Palette im Angebot. Da werden bestimmt viele fündig.

Ich teste den Fresh Foam Hierro v5 in der Farbe „Light Aluminum with Tidepool“.  Nicht zu aufdringlich, aber dennoch tolle optische Highlights. Das obligatorische „N“ an der Außenseite der Oberkonstruktion ist nicht zu übersehen und lässt sofort erkennen aus welchem „Rennstall“ der Schuh kommt. Ansonsten ist der Hinweis auf die Fresh Foam Technik sowie die Vibram Sohle klein und dezent erkennbar.

Die Fersenkappe wird durch eine Lasche mit der passenden Aufschrift „Trail“ geziert.

Im Großen und Ganzen wirkt er irgendwie wie ein stylischer Oldschool Schuh - hat was. Gefällt!

Natürlich ist auch klar erkennbar welche Absichten der Hierro v5 hat. Er wurde nicht für schnelle Einheiten auf der Straße oder Bahn entwickelt, sondern soll Trailrunner ansprechen, die gerne mal länger unterwegs sind und dabei auch einen gewissen Komfort erwarten. Auf den ersten Blick scheint er klobig, voluminös und ja, auch etwas schwer.  Aber wie so oft kann der erste Eindruck täuschen. Positiv täuschen. Die verarbeiteten Materialien wirken sehr robust und durchdacht. Die Haptik des Obermaterials ist viel angenehmer als beim Vorgängermodell v4 und ist nicht so starr und „plastikartig“. Der Schuh scheint noch einmal erwachsener geworden zu sein und macht auf jeden Fall neugierig.

Eindruck

Technische Daten und Verarbeitung

Die wohl wichtigsten Facts Für ambitionierte Läufer sind unter anderem die Sprengung, welche hier bei 8 mm liegt. Ich würde behaupten, dass dabei der Durchschnittswert gewählt wurde mit dem die breite Allgemeinheit zurechtkommt.

Das Gewicht wird mit 267 Gramm angegeben. Für einen Ultratrailschuh ist dies wirklich ein Fliegengewicht im Vergleich zu manch anderen aus dem Sektor.

Das synthetische Obermaterial ist mit seinen unzählig kleinen Öffnungen sehr atmungsaktiv und bietet optimale Belüftung.

Die Zehenbox ist verstärkt und verhindert das Eindringen von Schmutz und Steinen. New Balance betitelt dies als „Toe Protect“.

Die Fresh Foam Mittelsohle ist aus einem einzigen Schaumstück geformt und soll einen leichten, gedämpften und gleichzeitig rückfedernden Lauf ermöglichen.

Die Vibram Außensohle verspricht maximalen Oberflächenkontakt und multidirektionale Traktion.

Der Hierro v5 besitzt außerdem ein konventionelles Schnürsystem. Die Zunge ist dabei dick gefüttert und mit einer klappbaren Lasche versehen.

Die Ferse ist durchgehend gepolstert und relativ hoch gezogen.

Daten

Passform

Ich schlüpfe in den Schuh, fühle mich sofort „zu Hause“ und bin angenehm überrascht. Nichts drückt und zwickt. Alles irgendwie weich und bequem. Stehen und im Stand springen ist schon mal gut … mal sehen wie er sich laufen lässt.

Die Schnürung ist allerdings eher gewöhnungsbedürftig. Ich habe das Gefühl noch fester ziehen zu müssen, um den Hierro v5 strammer an meinen schmalen, zierlichen Fuß zu bringen. Die Senkel gleiten nicht richtig und das „Rennpferd“ ist in diesem Bereich ein bisschen störrisch. Auch die Lasche macht für mich keinen Sinn, da die Senkel nicht wirklich dahinter verstaut werden können.

Ich denke aber, dass Läufer mit breitem Fuß sich auf Anhieb wohl fühlen werden, da die Zehenbox relativ großzügig geformt ist und ausreichend Spielraum lässt. Ein wichtiger Punkt wenn man viele Kilometer unterwegs ist, da sonst leider Blasen und Druckstellen vorprogrammiert sind.

New Balance betitelt den Hierro v5 als „neutral“. Das macht bei einem Trailschuh meiner Meinung nach auch Sinn, da eine zu starke Stütze das Gefühl für den Untergrund manchmal verzerrt. Läufer die jedoch zur Pronation oder Supination neigen, haben in dem Hierro v5 genügend Platz für eine spezielle orthopädische Einlage.

Die Ferse wirkt im Vergleich zu anderen Schuhen aus dem Ultrabereich (z.B. Salomon Slab Ultra) erhaben, etwas schwammig, weich und vor allem hoch gezogen. Aber nicht unangenehm.

Da ich bereits mehrere Modelle von New Balance besitze und diese immer relativ „groß“ ausfallen, habe ich ihn eine halbe Nummer kleiner gewählt als meine Laufschuhe anderer Marken. Was soll ich sagen, er passt perfekt.

Doch jetzt endlich los!

Performance

Performance

Ich habe den Schuh ca. 100 Kilometer getestet. Davon waren etwa 70 % reiner Singletrail, 20 % Schotter und Wiese, und letztlich 10 % Straße.

Die Performance des Hierro v5 ist nahezu in jedem Bereich vorbildlich und macht einfach nur Spaß.

Anfängliche Skepsis, der Schuh könnte zu locker sitzen, ist bereits nach den ersten paar Kilometern verflogen. Die Fersenkappe umschließt den Fuß angenehm, alles sitzt fest und nichts drückt.

Der New Balance ist leicht und kaum spürbar. Irgendwie habe ich immer das Lied „Im rolling, rolling, rolling“ im Kopf. Ja er rollt richtiggehend dahin. Da macht sich wirklich die Fresh Foam Technik und die versprochene dynamische Rückfederung bemerkbar.

Den „Door to Trail“ auf der Straße meistert der Hierro v5 ebenfalls problemlos, da die Sohle zwar griffig aber die Stollen nicht zu aufdringlich sind.

Auf dem Trail spielt der v5 sein ganzes Können aus. Nasse Wurzelpassagen sind kein Thema, die Vibram Sohle hält was sie verspricht: Optimalen Grip! Die Zehen werden ausreichend geschützt und durch die Gummimischung in diesem Bereich sind Steine und Wurzeln Nebensache.

Bei schnellen Richtungswechseln, gerade im Downhill, ist der Schuh jedoch nicht direkt und präzise genug, und bei mir macht sich eine leichte Rückhaltung bemerkbar. Der Kontakt zum Untergrund ist einfach zu wenig spürbar.

Während einem langen Dauerlauf bei Regenwetter durch nasse kniehohe Wiesen „saugt“ sich der Hierro v5 unangenehm voll und das erhöhte Gewicht stört nach einiger Zeit. New Balance bietet allerdings den Hierro v5 auch in einer GoreTex Version an. Eine Option für nasskalte Herbst und Wintermonate.

Die Schnürung eines Laufschuhes ist ebenso ein Thema bei der die Meinungen auseinander gehen. Mir persönlich würde ein präzises Schnellschnürsystem besser gefallen, da ich bei langen Läufen mehrmals stehen bleiben musste zum Nachjustieren. Im Wettkampf von Nachteil.  Da wäre allerdings der Fresh Foam Hierro Boa eine passable Alternative.

Test

Wichtige Facts in Kürze:

Sprengung:     8 mm

Gewicht:      267 Gramm bei Größe 38

Passform:     weit mit großzügiger Zehenbox (lieber eine halbe Nummer kleiner wählen)

Obermaterial:     atmungsaktive Synthetik mit verstärkter „Toe Protect“

Mittelsohle:     Fresh Foam Technologie mit sehr guter Dämpfung

Außensohle:     Vibram mit optimalem Grip und guter Laufqualität auch auf Asphaltwegen

Fazit

Fazit

Ein Schuh der absolut Spaß macht und auf jeden Fall einen besonderen Platz in meinem Schrank bekommt. Der New Balance Fresh Foam Hierro v5 ist ein richtiger Allrounder. Er passt immer, und man greift nie daneben wenn man aufgrund gewisser „Laufschuhsucht“ (zu) viele Schuhe besitzt. Er meistert nahezu jeden Untergrund.

Ideal geeignet ist er für lange, nicht zu technische Trail- und Landschaftsläufe. Der New Balance Hierro v5 ist gut verarbeitet und besonders für schwere Läufer und Sportler mit breitem Fuß eine sehr gute Wahl. Er ist kein Rennschuh, eher komfortabler Wohlfühlschuh und hat eine  angenehme Passform.

Während der Testphase haben sich keinerlei nennenswerte Abnutzungserscheinungen gezeigt. Da das Profil der Sohle auch nicht zu ausgeprägt ist, dürfte der Schuh lange Freude bereiten bevor ein neues Paar fällig wird.

Und selbst wenn es soweit ist, dann muss man wohl oder übel seiner „Sucht“ nachgeben… auch kein Problem.

In diesem Sinne: „I am rolling, rolling, rolling….“