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INFINITE RUNNING / ONE im TEST

Wer kennt das nicht:
Man hat sich einen neuen Schuh gekauft, dieser mutiert zum Lieblingsschuh und bereits nach 2-3 Monaten ist er „durch“!

Viele Laufschuhe halten gerade einmal 500-700 km und müssen dann ersetzt werden.
Wie schön wäre es, wenn man einen Schuh hätte, den man abnutzungs- und bedarfsgerecht anpassen und Verschleißteile quasi punktgenau ersetzen könnte?

Ideal wäre es zudem, wenn dieser dann noch nachhaltig & fair (und vegan) produziert und - vielleicht als Tüpfelchen auf dem „i“ - Made in Germany wäre.

Hier setzt Infinite Running mit seinem ersten Modell, dem ONE, an.
Wie sich dieser besondere Laufschuh „schlagen“ konnte, was ihn besonders macht - und worauf zu achten ist - soll der nachfolgende Testbericht zeigen. Shop4runners hat mir den Infinite ONE zur Verfügung gestellt, so dass ich selbigen unabhängig von etwaigen Hersteller-Interessen testen konnte.


Infinite One


INFINITE RUNNING: FAIRE LÖHNE, NACHHALTIGKEIT, UMWELTSCHUTZ:

Besonderes Augenmerk richtet Infinite Running auf die Themen Nachhaltigkeit, Umwelt und faire Entlohnung.

Zum einen werden die Schuhe vegan produziert, dies geschieht bei entsprechenden Spezialisten in Pirmasens, so dass auch für kurze Wege im Sinne des Umweltschutzes gesorgt ist.

Ebenso wird durch die gesetzlichen Regelungen einer deutschen Produktion für eine faire Entlohnung, höchste Qualitätsstandards und umweltschonende Verarbeitung gesorgt. Das Ersetzen abgenutzter Sohlenbereiche geschieht durch entsprechende Module, welche einfach geschraubt werden.

Somit können laut Herstellerschon bei einem erstmaligen Modultausch und bisher über 7.000 verkaufter Schuhe bereits über 1t Kunststoff im Vergleich zu einem „normalen“ Schuh gespart werden.


Besonderheit: Das MODULSYSTEM:

Besonders auffallend am Infinite ONE sind die austauschbaren 10 Module (pro Schuh) an der Außensohle.
Diese sind biomechanisch „optimiert“ verteilt und lassen sich durch ein mitgeliefertes Werkzeug (bei Verschleiß, oder Anpassung) einfach komplett ersetzen oder quasi „über Kreuz“ tauschen, so dass selbst die „mitgelieferte“ Erstbestückung logischerweise länger hält als eine normale Außensohle.

Die Modul-Kits lassen sich einfach nachkaufen. Besonderheit hierbei ist, dass es insgesamt vier Module-Arten gibt, jeweils mit unterschiedlichen Gummihärten (und Abnutzungsverhalten) für entsprechende Untergründe.
Laut Hersteller lassen sich durch eine entsprechende Platzierung unterschiedlicher Module sogar leichte „Fehlstellungen ausgleichen“.

Die Module sitzen fest und lösen sich nicht während des Laufens!
Durch das mitgelieferte Werkzeug lassen sich diese sehr zügig tauschen.

Man kann selbige sogar mit etwas Übung ohne Werkzeug raus- und noch leichter eindrehen.


GRIP:

Die Module haben auf festen, trockenen Untergründen einen guten Grip, insbesondere auf Asphalt. Bei Nässe lassen sich (bei diesen) leichte Unterschiede ausmachen.
Im Matsch setzen sich die Module erwartungsgemäß relativ schnell zu. Der ONE ist aber auch kein ausgemachter Trailschuh.
Hinweis: Verdreckt lassen sich die Module nicht/schlecht rausdrehen – also vorher mit einer Bürste und warmen Wasser säubern.


Die  MODULE  im Überblick:

SCHWARZ: --> Active / „on the GO“   , mittlere Härte (Standardbestückung)
GRÜN: --> Hike and WALK , soft
ROT: --> Off the Ways, hart
BLAU: --> Street and Everyday, flexibel
UVP für alle Kits: 39,99€


Test Infinite One


AUFBAU:

Der Infinite ONE hat ein haltbares, aber flexibles und atmungsaktives Upper, welches im Vorderbereich leicht verstärkt ist (inkl. TPU-Zehenschutz) und als Besonderheit „Kompressionsbereiche“ (Flex-Compression-Techknit) aufweist, die sich besonders an den Fuß schmiegen sollen. Der Schaftbereich ist sockenartig und soll so einen optimierten Sitz gewährleisten.

Der ONE hat eine dynamische Fersenkappe, die den Fersenbereich genug Spielraum und mithin auch dem Knie bei der Lauf- und Abrollbewegung genug Freiraum für einen optimalen Laufstil bereitstellen soll.

Besonderheit der Mittelsohle ist, dass diese nicht aus extrem leichten und dynamischen aber auch „verschleißgefährdeten“ Super-FOAM à la PEBA oder High-Performance-EVA besteht, sondern aus einem High-Energy–PU (Polyurethan), welches eine deutlich höhere Haltbarkeit & Laufleistung als die erstgenannten Mittelsohlenmaterialien ermöglichen soll.

Nach Hersteller-Angaben gab es Prototypen, die weit jenseits der 1.500 km „auf dem Leisten hatten“ und bei denen lediglich einzelne Module ausgetauscht werden mussten.

Ebenso sollen auch die Dämpfungseigenschaften der Mittelsohle deutlich länger gegeben sein, so dass insbesondere das Thema einer durchgelaufenen Dämpfung beim Infinite ONE daher weniger, zumindest aber deutlich später ein Thema sein sollte.


TECHNISCHE DATEN:

Der ONE besitzt eine Sprengung von 10mm, was am oberen Ende des normalen Bereiches angesiedelt ist.
Er ist als Neutralschuh ohne besondere Stützen konzipiert. Mit einem Gewicht von 457g in Schuhgröße 47 ist er jedoch ein kleines Schwergewicht.

Festzuhalten ist jedoch, dass es dem Hersteller nicht darauf ankam, einen ultraleichten Wettkampf-oder Lightweight-Trainer zu entwickeln, sondern das Thema Langlebigkeit und Nachhaltigkeit absolut im Vordergrund stand.

Ebenso ist ergänzend anzumerken, dass das um circa 100g höhere Gewicht im Vergleich zu einem Lightweight-Trainer beim Laufen selbst nicht so stark bemerkbar war.

 

Infinite Running


OPTIK & VERARBEITUNG:

Der ONE ist optisch eher „klassisch“ & schlicht designt. Es gibt ihn in drei Farben: rot, blau und schwarz.

Die Mittelsohle ist weiß abgesetzt, die Module befinden sich auf der Unterseite und sind -außer beim Hinterherlaufen- nicht sichtbar.

Durch seine zurückgenommene Optik eignet sich der Infinite ONE auch prima als Freizeit-Sneaker: Gerade die blaue Variante passt ideal auf Blue-Jeans.

Die Verarbeitung ist sehr gut, die Materialien sind hochwertig. Für eine UVP von ca. 195€ darf man dies aber auch erwarten.


PASSFORM:

Der ONE ist von der Passform her eher für mittlere bis breite Füße geeignet, obwohl die Leisten an sich einen eher schmalen Eindruck machen.

Ich selbst habe ziemlich schmale Füße, so dass ich den Infinite ONE „bis zum Anschlag zuschnüren“ und auch dickere Socken verwenden musste, um einen (halbwegs) festen Sitz zu gewährleisten. Dies gilt es zu beachten! Daher macht eine Anprobe absolut Sinn.

Ebenso sollte der Schuh circa eine halbe bis eine Nummer kleiner gewählt werden, damit dieser optimal passt.


LAUFEINDRÜCKE: 

Der Infinite ONE ist ein Laufschuh, welcher in Sachen Dämpfung eher auf der straffen Seite „beheimatet“ ist. Auch die Laufdynamik ist eher „mittelmäßig stark“ ausgeprägt. Gerade im Vergleich zu den aktuellen „Carbon-Racern“ ist das natürlich ein deutlicher, aber GEWOLLTER Unterschied:

Infinite Running will ganz bewusst einen Gegenentwurf zu den hoch-gedämpften High-Rebound-Schuhen setzen. Auch um den Körper durch die Abwechslung neue Reize zu vermitteln (Thema ….Knie /Gelenke etc.). Dennoch läuft sich der Infinite ONE nicht unbequem! Wenn man mit ihm ein paar Kilometer gelaufen ist, verhält er sich im positiven Sinne, relativ unauffällig und rollt auch gut ab.

Wichtig jedoch ist, dass man aufgrund der dynamischen Fersenkappe eine eher saubere Lauftechnik besitzen sollte, denn durch diese ist die Stabilität konstruktionsbedingt geringer als bei Laufschuhen mit steifer Fersenkappe.

Die Befürchtung, dass die einzelnen Module „durch die Mittelsohle“ zu spüren wären, bewahrheitete sich nicht!
Mit den Modulen kann man den Schuh auch entsprechend den individuellen Vorlieben und oder an diverse Untergründe & Nutzungen anpassen. Gravierende Unterschiede zwischen den Modulen habe ich nicht festgestellt, die härteren Module dürften aber sicherlich eine höhere Laufleistung haben als die weicheren.
Der Infinite ONE ist KEIN Race-Schuh und eher für ein mittleres bis gemäßigtes Tempo ausgelegt!

Auch hier ist die Zielrichtung des Herstellers insbesondere der Hobby- und Breitensportbereich!
Gerade in diesen Läufer-Zielgruppen spielen unter anderem auch die Themen Umweltbewusstsein, Regionalität und Nachhaltigkeit eine zunehmend steigende Rolle, welche vom ONE positiv bedient werden.

Mit ihm kann man unproblematisch auch mittlere und längere Strecken bis hin zur 20 km-Marke laufen. Durch die Austauschbarkeit der Module (auch „Quertausch“ bei besonderen Abrieb-Zonen, z.B.  Fersen-, Vor-, Mittelfußläufern) dürfte selbst mit einem Modul-Kit eine höhere Laufleistung zu erzielen sein.

Laut Hersteller sind circa 500 km mit einem Kit möglich.


FAZIT Infinite Running


AUSBLICK:

Gespannt darf man darauf sein, inwieweit das Modulsystem noch weiter optimiert wird. Laut Infinite Running arbeitet man daran, die einzelnen Module mit entsprechenden Bluetooth-fähigen Sensoren auszustatten, welche im Rahmen einer so genannten „Connected Footwear“ entsprechende Daten über das „Abrollverhalten“ und der Lauftechnik an entsprechende Schnittstellen übermitteln können. Damit soll das Thema Laufperformance (und evtl. Verletzungsprophylaxe) angegangen und letztlich lausgewertet werden.

Ein zugegebenermaßen sehr interessanter Aspekt, da „Big Data“ im Laufsport (Wattmessung über Foodpods a la STRYD, sowie bei entsprechend ausgestatteten GPS-Uhren mit entsprechenden Sensoren) immer mehr Anklang findet.

 

FAZIT:

Der Infinite ONE ist ein sehr interessanter Schuh mit einigen Innovationen. Er ist sicherlich nicht der Schuh für Jedermann! Aber für Läufer, die eher im Hobby- und Breitensportbereich bei gemäßigtem Lauftempo unterwegs sind, sowie Läufer, die einen robusten, langlebigen Schuh für lockere Dauerläufe ins Auge fassen, ist der ONE mit Sicherheit eine interessante Option.

Des Weiteren stößt er mit Sicherheit auch auf Interesse bei denjenigen, die das Thema Nachhaltigkeit, Regionalität und „Made in Germany“, sowie faire Löhne präferieren.

Der ONE ist ein optisch eher unauffälliger Schuh, der hochwertig verarbeitet ist und in Sachen Laufdynamik eher auf der leicht straffen Seite angesiedelt ist. Sein deutliches Mehrgewicht gegenüber vergleichbaren Trainings-Schuhen ist beim Laufen aber nicht wirklich aufgefallen.

In Sachen Haltbarkeit hat der ONE sicherlich Vorteile gegenüber anderen Laufschuhen. Durch den kompletten Tausch der Module, sowie den Quertausch von abgenutzten oder teilweise abgenutzten Modulen, dürfte er einen sinnvollen Beitrag in Sachen Kunststoffvermeidung / Umweltschutz leisten. Aufgrund der eher breiten Passform empfehle ich jedoch unbedingt eine Anprobe.

Langfristig dürfte sich die Investition von 195€ (UVP) daher durchaus lohnen.

Fotos: Infinite Running

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