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Testbericht Gore R7 Shakedry Trail GTX

Es ist fast 30 Jahre her, seitdem ich mit Leistungssport begonnen habe und immer war ich auf der Suche, für die kalte und regnerische Jahreszeit eine wirklich dauerhaft wasserdichte und atmungsaktive Laufjacke zu finden.

Seit den Anfängen von Goretex über Sympathex oder Event  (…)  - alle Fasern versprachen viel und hielten auch am Anfang den Regen gut ab, ließen dann aber deutlich nach und mussten nachimprägniert werden, was mehr oder minder gut gelang. Auch war das Waschen der Funktionsfasern durchaus schwierig, weil man Spezialwaschmittel benötigte. Zusätzlich wusste auch die Atmungsaktivität oft nur wenig zu überzeugen. Infolgedessen war ich sehr gespannt, was die neue „R7“ Shakedry-Jacke von Gore würde leisten können…

Gore R7

FIRMA:

Gore steht seit vielen Jahrzehnten für atmungsaktive, hochwertige und dabei vollständig wasserdichte Funktions-Bekleidungen.
Die neue Gore Shakedry-Technologie soll hierbei durch ein optimiertes Innenmaterial und verbesserte Membrane besonders atmungsaktiv sein und nicht durchnässen.

Somit soll ein extremer Wetterschutz ermöglicht werden.
Zusätzlich wurde seitens Gore auch das Gewicht und das Packmaß reduziert, was gerade für Trailrunning-Ultras den Vorteil bietet, dass die Jacke wenig Stauraum im mitgeführten Rucksack einnimmt.

Die GORE R7 Trailjacke soll hierbei auch ausreichend robust sein, um mit einem leichten Trailrunning-Rucksack getragen werden zu können.

Kurz-Info zu den  Kollektionen:

Die Kollektionen sind grundsätzlich vier verschiedene Stufen zugeordnet: Die „Multi-Sport“-Kollektion ist sozusagen als Basisausstattung für alle Athleten in unterschiedlichen Einsatzbereichen und Disziplinen geeignet. Die Stufe/Bezeichnung „3“ steht für funktionale Produkte mit sportartspezifischen Eigenschaftenschnitten und Passformen, so dass die Bekleidungen mit C3 für Radsport (Cycling) stehen und R3 Laufsport- (Running-) Produkte beinhaltet.

„C5, R5 und H5“ bezeichnen den Advanced-Bereich und beinhalten wiederum hoch funktionaler Produkte mit sportartspezifischen Eigenschaften, Schnitten und Passformen für gehobene Ansprüche (C5 = Cycling, R5 =Running, H5 = Hiking). Die Expertenstufen sind folglich mit R7, C7 und H7 gekennzeichnet: Hierbei handelt es sich um höchstfunktionale Produkte mit sportartspezifischen Eigenschaften, Schnitten und Passformen für die höchste Anforderungen, die quasi keinerlei Wünsche in Sachen Performance offen lassen.

Die vorliegende R7-Jacke ist somit dem Experten-Niveau/Running zuzuordnen.

Kollektion

OPTISCHER EINDRUCK und VERARBEITUNG:

Die R7 Trail Kapuzenjacke wirkt sehr hochwertig und im positivem Sinne schlicht. Durch die schwarze Funktionsfaser kommt sie sehr „klassisch“ daher. Alle Nähte sind extrem sauber ausgeführt und innen verklebt. 

Die Front-Tasche ist sauber implementiert.

Die Oberfläche der R7 wirkt hierbei fast schon so, als wäre sie leicht „eingewachst“. Dieses leicht glänzende Material ist natürlich optisch Geschmackssache, wirkt jedoch sehr hochwertig und macht einen sehr funktionalen Eindruck.

 

PASSFORM:

Die Gore R7 hat eine „sportliche“ Passform: Kleidungsstücke dieser Passform sitzen laut Hersteller weder eng anliegend noch übermäßig locker. Sie sorgen für eine sportliche Silhouette, ohne dabei körpernah zu sein. Diese Aussage kann ich grundsätzlich bestätigen. Die Passform ist sehr gut getroffen, wieder zu weit noch zu eng.

Bei einer Körpergröße von 1,91m und ca. 85 Kilo passt mir die Größe L sehr gut. Jedoch vermag eine Anprobe etwaige Unsicherheiten gänzlich aus dem Weg zu räumen.

Sofern man also die Möglichkeit einer Anprobe hat, sollte man selbige auch nutzen.
Ansonsten ist auf der Gore-Website eine Größentabelle hinterlegt.

  

TECHNISCHE DATEN:

Die Gore R7 besteht komplett aus der neuen Shakedry-Membran. Sie wiegt in einer Größe L circa 188g

Dies ist ein sehr geringes Gewicht. Sie besitzt eine kleine Brusttasche, einen Zwei-Wege Front-Reißverschluss, eine verstellbare Kapuze mit Schirm und integriertem Stirnband, sowie einen verstellbaren Bund. An den Ärmeln sind Stretch-Einsätze auf der Unterseite eingelassen, die einen Gummizug obsolet machen.

Die UVP liegt bei 299,95 €.

Kapuze

SPECIALS und OPTIMIERUNGEN:

Die bisherigen Shakedry-Jacken konnten nicht mit Rucksack kombiniert werden und waren eher anfällig für Risse. Durch die Weiterentwicklung des Shakedry-Materials muss man sich nunmehr weniger Sorgen machen. Die R7 mit der neuen, optimierten Funktionsfaser soll rund 30 % robuster sein als die bisherigen Modelle und auf die speziellen Anforderungen des Trailrunnings – inklusive Rucksack- zugeschnitten sein.
Dies beinhaltet u.a. auch stärkere Membrane und verbesserte Abriebfestigkeit.

So sollen zum Beispiel auch die Nähte der Jacke speziell für das (Trail-) Running optimiert worden sein, um das Tragen von Trinksystemen, Rucksäcken, Laufwesten oder Gürteln optimaler und komfortabler zu gestalten.
Damit es zu keinen Scheuerstellen kommt, verzichtet Gore bei der R7 komplett auf eine Schulternaht. Die Nähte entlang des Körpers wurden optimiert platziert, so dass die Jacke an der Brust und Hüfte „nahtfrei“ sind. 

Der Stehkragen ist ergonomisch geformt, der durchgehende Doppelreißverschluss ermöglicht ein Öffnen von Oben als auch von unten, um eine Temperaturregulierung während der Sportaktivität noch besser darzustellen. Ebenso wurde der Saum verstärkt um das Schließen des Reißverschluss es nochmals zu erleichtern.

Die integrierte Kapuze ist mit Tunnelzug anpassbar, hat ein verstärktes Schild und einen elastischen Bund im Stirnbereich für einen sicheren Halt.

Ebenso ist die Jacke durch ihr geringes Packmaß in der Brusttasche verstaubar.

Reflex-Decals an allen Seiten erhöhen die Sicherheit (360 Grad-Visibility) und das elastische Ärmel-Bündchen ermöglicht das Tragen auch von „massiveren“ Sport- und GPS-Uhren a la Garmin-FENIX & Co.

 

ON TOUR:

Die R7 Shakedry Trail-Jacke macht auf dem Trail und Laufstrecken einen sehr guten Eindruck. Durch ihre sportliche Passform liegt sie angenehm eng am Körper an. Auch das Rascheln hält sich in Grenzen, bei aufgesetzter Kapuze kann man dieses aber naturgemäß deutlicher vernehmen.

Die Atmungsaktivität ist gut und lässt sich mittels des leichtgängigen Front-Reißverschlusses von oben und von unten wirksam weiter optimieren, insbesondere wenn man hochintensive Trainingseinheiten vollzieht und dabei gerade bei steilen Uphills langsamer unterwegs und stark schwitzt.

Dennoch darf man nicht vergessen, dass es sich hierbei in allererster Linie um eine absolut wasserdichte Funktionsjacke handelt, so dass man im Vergleich zu luftigen Stretch-Materialien doch Unterschiede bei der Atmungsaktivität erkennt.

Bei leichter bis mittlerer Intensität wird die Feuchtigkeit gut nach außen geleitet und man kühlt nicht zu sehr aus. Durch die extrem dicht gewebte Faserstruktur und die fast schon „eingewachste“ Außenschicht perlt das Wasser förmlich von der Jacke ab. Daher ist die R7 absolut wasserdicht!

Und wie schon durch den Werbeslogan versprochen, kann man durch einfaches Schütteln die Wassertropfen wirksam entfernen, so dass die Jacke extrem schnell abtrocknet. Auf Touren oder Wettkämpfen mit wechselndem Wetter ein gutes Kauf-Argument.

Zusätzlich nässt die R7 auch nicht ein, was dem Verzicht einer extra Außenschicht geschuldet ist. Auch nach mehrwöchiger Nutzung konnte ich keinerlei Nachlassen der Wasserdichtigkeit feststellen. Ich gebe jedoch zu bedenken, dass bei intensivem Gebrauch und häufigem Waschen der „Shakedry-Effekt“ nachlassen könnte und rate dazu, die Jacke nach sportlichen Aktivitäten mit einfachen lauwarmen Wasser leicht auszuspülen und dann einfach aufzuhängen und komplett trocknen zu lassen. Somit kann man sich einige Wäschen sparen und die Jacke verbreitet dennoch keinen unangenehmen Geruch.

Auch die Kapuze weiß zu überzeugen, sie lässt sich durch den hohen Stehkragen (von Unten) und den Kordelzug am Hinterkopf sauber fixieren. Durch das eingearbeitete Stirnband sitzt sie zudem sicher am Kopf. Auch der Halsbereich ist lang genug geschnitten, so dass diese Drehbewegungen gut mitmachen kann. Die Armabschlüsse schließen sauber ab und lassen sich auch über etwas klobigere GPS-Uhren ziehen, so dass man während der Sportaktivität die GPS-Uhren gut verwenden und schnell ablesen kann. Durch den nicht zu engen Schnitt kann man sich sogar entscheiden, ob man sehr kleine und flache Rucksäcke/Laufwesten unter der Jacke tragen will, oder über die die Jacke ziehen möchte.

Wie gesagt gibt in Gore die R7 für die Nutzung von leichten Rucksäcken frei. Auch hier ist zu bedenken, dass der Rucksack sauber und ordentlich fixiert sitzen sollte, weil ein Scheuern der Schultergurte mit Sicherheit an der Shakedry-Faser irgendwann Abnutzungsspuren verursachen würde. Sofern man einen kleinen Rucksack/Laufweste unter der Jacke tragen kann (sofern genug Platz ist), sollte man auch hier bedenken dass selbige keine Spitzen oder reiben Teile im Außenbereich haben, um ein Perforieren der Jacke von Innen zu vermeiden! Im Winter kann es aber vorteilhaft sein, eine Laufweste (…) mit Softflasks o.ä. unter der Jacke zu tragen, weil dann die Mundstücke bei sehr großer Kälte nicht einfrieren können – ja DAS passiert!

Der einzige kleine Kritikpunkt, den ich angeben möchte ist, dass die Jacke relativ gerade geschnitten ist und im Po-Bereich eher etwas kurz an liegt. Ein kleiner „Schwalbenschwanz“ würde diesen Bereich etwas besser abdecken, dies ist jedoch Geschmackssache.

wasserdicht

FAZIT:

Mit der R7 Shakedry Trail-Jacke hat Gore einen veritablen „ALLES-Könner“ ins Rennen geschickt. Die Jacke vermag in allen Funktions-Bereichen zu überzeugen! Sie ist winddicht. Die Atmungsaktivität ist sehr gut und verbessert sich, je kälter die Außentemperatur ist, da dann die Temperaturdifferenz zwischen dem Innenbereich der Jacke und im Außenbereich größer wird und sich dann die Dampfdurchlässigkeit und Temperaturregulation besser gestaltet.

Die Passform ist sportlich, jedoch nicht zu eng. Die Kapuze lässt sich ordentlich fixieren und auch das Rascheln hält sich in annehmbaren Grenzen.

In der Königsdisziplin, der Wasserdichtigkeit, vermag die R7 Shakedry vollends zu überzeugen! Selbst nach wochenlangem Testen lässt die Jacke keinerlei Feuchtigkeit durch! Die Wassertropfen perlen sauber ab und lassen sich durch mehrmaliges Schütteln wirksam entfernen!

Der Slogan „shake – dry, shake DRY!“ ist somit absolut verifizierbar und weiß zu begeistern!

Vorteil gegenüber allen anderen bislang von mir getesteten Regenjacken ist, dass durch die extrem feine und eng gewebte Faserstruktur die Wasserdichtigkeit meiner Meinung nach dauerhaft erhalten bleiben dürfte. Dies ist bei vielen anderen Jacken nicht der Fall, zumal nach einigen Wäschen eine Nach-Imprägnierung erforderlich ist. 

Dies fällt nach meiner Beobachtung bei der R7 Shakedry weg! Somit ist sie trotz des aufgerufenen Preis von ca. 300 € in Sachen „Preis und Leistung“ auf jeden Fall als sehr gut zu bewerten. Die Verarbeitung ist makellos und wenn man mit ihr pfleglich umgeht und sie nicht jede Woche in die Waschmaschine steckt, sondern auch mal mit einfachen lauwarmen Wasser reinigt, steht einem langen Leben als zuverlässigen Regen-, Kälte- und Wind-Begleiter nichts im Wege!

Eine top Regenjacke, BEIDE „Daumen hoch“ !

ALTERNATIVEN:

Neben der R7 hat natürlich noch andere „Shakedry-Pferdchen im Stall“:
GORE® H5 GORE-TEX SHAKEDRY™ isolierte Jacke – (Fast-) Hiking-Jacke mit Polartec® Alpha® Isolierung, geeignet für leichte Rucksäcke – UVP 399€.

GORE® H5 GORE-TEX SHAKEDRY™ Kapuzenjacke, ebenso fürs Hiking und für leichte Rucksäcke geeignet, UVP 359€.

GORE® R7 GORE-TEX SHAKEDRY™ Kapuzenjacke, schmale (!) Passform, nicht für Rucksäcke geeignet, UVP 299€.

Fotos: privat und Gore

Autor: Torsten Drommel - https://www.facebook.com/TRIandTRAILs/