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New Balance Fuelcell RC Elite im Test

„Gut Ding will Weile haben!?“

Endlich wirft auch der amerikanische Traditionshersteller New Balance mit dem FuelCell RC Elite („RC“) seinen Carbon-Racer in den Ring. Bereits vor circa zwei Jahren wurden erste Prototypen -insbesondere bei den gesponserten Profi-Triathleten (z.B. „Sebi“ Kienle) auf Hawaii - gesichtet. Deren positive Feedbacks und maßgeblicher Einfluss bei er Schuhentwicklung gaben Anlass dazu, dass es sich (beim RC) um einen „großen Wurf“ handeln könnte.

Nicht umsonst wird gerade im Triathlon-Bereich in der letzten Disziplin um jede Sekunde gekämpft. Ob New Balance mit dem „RC Elite“ einen Herausforderer für die „etablierten Carbon-Platzhirsche“ entwickelt hat, soll der nachfolgende Testbericht zeigen. Shop4runners hat mir den FuelCell RC Elite zur Verfügung gestellt, so dass ich ihn unabhängig von etwaigen Hersteller-Interessen testen konnte.


Optik RC Elite


OPTIK und VERARBEITUNG:

Der FuelCell RC Elite kommt in einem sehr gelungenen, klassischen „Racing-Flat-Design“ daher, allerdings mit deutlich voluminöserer Mittelsohle.

Gerade das „schlichte“ Weiß nimmt die Optik früherer Race-Schuhe elegant auf und setzt mit leichten Design- und Farbakzenten, z.B. durch seine schwarzen Streifen und dem großen „NB-Logo“ im Vorfußbereich subtile, aber auch spannende Akzente. Dieses „optische Understatement“ weiß zu begeistern.

Die Materialanmutung und Verarbeitung ist sehr gut. Sämtliche Nähte und Klebestellen zeugen von einer hohen Verarbeitungsqualität. Auffallend ist insbesondere die extravagante Außensohle mit vielen, kleinen „Hartgummi-Spikes“, die auf einer dünnen Trägerfolie mit der Mittelsohle „verklebt“ sind.


Optik


TECHNISCHE DATEN & INNOVATIONEN:

Der RC hat eine Bauhöhe von 22/32mm - somit 10mm Sprengung. Bei einer Schuhgröße von US12,5 wiegt er erfreulich niedrige 251g.

Er ist somit auch ca. 60g leichter als das „TC-Carbon-Modell“ und zeigt eindrucksvoll auf, dass New Balance alle Möglichkeiten für ein „Strip-Down“ in Sachen Gewichtsoptimierung ausgereizt hat:

>>> Mehr „Luftbläschen“ im FuelCell (Autoclaving-Verfahren)

>>> ein leichtes, luftiges und großporiges Mesh

>>> und minimalistische Overlays und leichte Verstärkungen im Zehenbereich.

 Somit ist der RC „in Sachen Schuhgewicht“ auf Augenhöhe zu den Referenzmodellen - wie z.B. dem NIKE Vaporfly Next (1&2) und dem SAUCONY Endorphin Pro.

Technische Highlights:

 -      Dynaride-Außensohle, die mit einer Vielzahl minimalistischer Noppen ausgestattet ist 

 -      FuelCell Mittelsohlenschaum - einem speziellen TPU&EVA-Mix

 -      Integrierte, durchgehende Carbonplatte

 Ob und wie dieser Materialmix performt lest ihr weiter unten.


Technische Highlights


PASSFORM:

Insgesamt ist der FuelCell RC Elite eher schmal geschnitten, auch wenn der Hersteller eine „normale“ Passform angibt.

Insbesondere der Mittelfußbereich lässt sich durch die sehr gelungene Schnürung (und die minimalistischen, verstärkenden Overlays) effizient „im Schuh fixieren“.

Die für ein Carbon-Racer gut verstärkte Fersenkappe vermittelt zusätzlich einen sicheren Halt!

Der Vorfußbereich ist nicht besonders breit geschnitten, bietet jedoch für einen „Raceschuh“ m.M.n. völlig ausreichenden Platz. Auffallend ist, dass die Mittelsohle an der Außenseite (lateral) im Bereich des Mittelfußes „ausgestellt“ und somit verbreitert ist. (Hier erkennt man deutliche, konstruktive Anleihen am NB 5280er Modell). Dies kann aus Stabilitätsgründen derart konstruiert sein.

Die nicht (seitlich) vernähte Zunge und der Schaftbereich sind ausreichend bis gut gepolstert, so dass der Schuh insgesamt einen sehr angenehmen Tragekomfort vermittelt.

>>> HINWEIS: Bei der Größenwahl ist zu beachten, dass die US12,5 einer EU47 und nicht wie üblich 47,5 entspricht. Mir passte der RC in EU 47 jedoch gut. Ich kann mir doch vorstellen, dass man ggf. eine halbe Nummer größer wählen sollte.

 

GRIP:

Auch hier sei vorausgeschickt, dass der RC als Carbon-Racer eher für Asphaltstrecken und (evtl.) gut ausgebaute Feld- und Wirtschaftswege konstruiert ist.

Die Dynaride-Sohle vermittelt hierbei jederzeit einen exzellenten Grip. Auch bei Nässe wusste diese auf Asphalt zu überzeugen!

Allerdings kommt sie bei Matsch und sandigen Böden naturgemäß sehr schnell an ihre Grenzen, was jedoch völlig normal ist!


Grip


HALTBARKEIT:

Während des Testzeitraums zeigte der RC keine besonderen Abnutzungserscheinungen. Weder die „Mini-Spikes“ noch die Fersengummierung wiesen einen signifikanten Abrieb auf.

Auch die Mittelsole zeigte keine ungewöhnlichen, dauerhaften Verformungen. Seitens der „New Balance Entwickler“ wird eine Haltbarkeit des RC für zwei MARATHON-Trainings-Zyklen angestrebt:

Wenn man also im Rahmen der Vorbereitung anteilig ca. 40-50km pro Woche (mit dem FuelCell RC Elite läuft) und eine 8-wöchige Vorbereitung inkl. des Marathons annimmt,

…kommt man bei zwei Vorbereitungsphasen auf gut 600-800km…

Das wäre für einen Carbon-Schuh ein Top-Wert in Sachen Haltbarkeit! Dennoch sollte man immer beachten, dass die meisten Carbon-Racer in der Regel für eine Laufleistung von circa 300-500 km konstruiert sind, was jedoch auch vom individuellen Laufstil, der Art der Nutzung und dem Untergrund abhängt.

 

LAUFVERHALTEN, DYNAMIK und STABILITÄT:

Der FuelCell RC sitzt an meinen eher schmalen Füßen wie angegossen.

Die außerordentlich gute Schnürung in Verbindung mit der verstärkten Fersenkappe sorgt für einen nahezu perfekten Sitz. Auch die Belüftung ist top!

 > Erster Eindruck: „WOW! …sehr soft und fluffig!“ Die FUELCELL-Mittelsohle in Verbindung mit der Carbonplatte performt auf einem sehr hohen Niveau!

Man merkt bereits bei mittlerem Tempo (5-5:30min/km), dass der Schuh zum einen sehr gut abrollt und auf der anderen Seite genügend Responsivität besitzt, um Läufer*innen spürbar nach vorne „zu pushen“.

Bei höherem Tempo funktioniert dies sogar noch besser. 

> Das Zusammenspiel von Mittelsohlenschaum und Carbonplatte ist sehr harmonisch!

Durch das sehr softe und im FERSENBEREICH - mit dem über 30mm recht voluminöse FUELCELL-Material- ist der RC jedoch im Rückfußbereich etwas „krippelig“ und in Sachen STABILITÄT sollte man hier zumindest bei der Schuhauswahl etwas aufpassen.

Dies könnte zum Teil auch daran liegen, dass der Fersenbereich (hinsichtlich der Mittelsohle) eher schmal geschnitten ist.

Der MITTELFUSSBEREICH ist durch die „Verbreiterung“ lateral etwas abgestützt und bietet eine meiner Meinung nach gute Stabilität, so dass der RC insbesondere für Mittel- und Vorfuß-Läufer sehr gut geeignet ist.

> ZWISCHENFAZIT:

Insgesamt ist festzustellen, dass der Rückfußbereich sehr soft konstruiert ist, jedoch der Mittel- und Vorfußbereich eine sehr ausgewogene und harmonische Dämpfung mit signifikantem Vorwärts-Push durch die Carbonplatte generiert.

 Der RC läuft sich fast wie ein normaler Lightweight-Trainer, nur eben mit höherer Dämpfung und signifikanterem Rebound.


Kurzfazit


Kurz-Vergleich zu den Referenzmodellen:

Der RC ist in Sachen Dämpfung fast schon mit dem Nike VAPORFLY und dessen hervorragendem ZoomX Mittelsohlen-Material vergleichbar. Er ist deutlich „softer“ als zum Beispiel der Saucony Endorphin Pro.

Allerdings bietet er nicht ganz den REBOUND dieser TOP-Modelle, weil der verwendete TPU/EVA-Mix nicht ganz die hohe Responsivität der PEBA-basierten Mittelsohlen-Schäume erreicht.

>>> Aber der RC1 ist nah dran! 

 (…und EVA/TPU-Schäume sind in der Regel haltbarer als PEBA-basierte…)

 

EINSATZBEREICH:

Meiner Meinung nach ist der RC für alle Distanzen bis hin zum Marathon geeignet.
Dies gelingt sogar ohne größeres Einlaufen. Der Schuh ist quasi „Race-Ready“! Lediglich Fersenläufer sollten sich nach Alternativen umschauen!

 

 ALTERNATIVEN:

Neben dem FuelCell RC Elite kann New Balance einen zweiten Carbon-Schuh vorweisen:

Der FuelCell TC ist etwas robuster und schwerer konstruiert, weißt jedoch insgesamt sehr ähnliche Konstruktionsmerkmale auf. Er ist somit als Lightweight-Trainer, Uptempo-Schuh und für ambitionierte Hobbyläufer auch als Wettkampfschuh geeignet.

Neben diesen Highend-Modellen verfügt New Balance jedoch auch über einige sehr interessante, leichte und dynamische und teils auch hochgedämpfte Modelle, wie dem „1080 v11“ und dem FuelCell Rebel V2.

Freunde direkterer, härter gedämpfter Race-Schuhe finden im „1500 v6“ eine tolle Alternative, abseits vom Carbon-Trend

Hier der Link zu den verfügbaren NB-Modellen: << Link >> 

 

Fazit


FAZIT

Mit dem FUELCELL RC ELITE gelingt New Balance ein sehr gelungenes Carbon-Racing-Modell!

Sein sehr geringes Gewicht, gepaart mit klassischer und dennoch sehr zeitgemäßer Optik, sowie einigen pfiffigen Innovationen, runden das Gesamtbild ab.

Die „optimierte“ FuelCell Mittelsole mit ihrem TPU/EVA-Mix erzeugt eine sehr gute Dämpfung und einen Rebound fast auf Top-Niveau. Das Zusammenspiel mit der integrierten Carbonplatte gelingt sehr gut, insbesondere für Mittel- und Vorfußläufer. Fersenläufer sollten jedoch die -im Rückfußbereich- geringere Stabilität bei der Anprobe berücksichtigen.

Der RC läuft sich sehr „ausgewogen und rund“, er bietet gegenüber normalen Laufschuhen einen spürbaren Vortrieb - dies nicht nur bei höherem, sondern auch bei mittlerem Tempo. Die Atmungsaktivität ist sehr gut.

Die innovative Dynaride-Außensohle, sorgt insbesondere auf trockenen, festen Untergründen, idealerweise Asphalt, für exzellenten Grip. In Sachen Haltbarkeit dürfte der RC auch vorne „mitspielen“.

Das „Lastenheft“ seitens der New Balance-Entwickler lässt vermuten, dass man den RC auch für (einige) Trainingsläufe in Betracht ziehen kann. Für eine UVP von ca. 230€ ist der RC zugegebenermaßen nicht gerade billig, bietet jedoch eine sehr interessante Alternative zu den bekannten „Platzhirschen“.

Ich kann absolut nachvollziehen, warum z.B. Sebastian Kienle so begeistert vom FuelCell RC ELITE ist! Er macht einfach Spaß!

 

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