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Testbericht New Balance Fresh Foam Tempo – Eine solide Zwischenlösung

  • 27.06.2020

Im Frühjahr 2020 präsentierte New Balance einen seiner beliebtesten Laufschuhe den Fresh Foam 1080 in der zehnten Auflage. Mit der neu gestalteten Zwischensohle aus verbessertem EVA-Schaum bietet der Schuh eine Extraportion an Dämpfung und Komfort. Zusätzlich hat der amerikanische Hersteller einen flexibleren und dynamischeren Ableger gelauncht: den New Balance Fresh Foam Tempo. Wie sich das neue Modell im Praxistest schlägt, wo seine Stärken und Schwächen liegen, erfahrt ihr in diesem Testbericht.

Erster Eindruck: sehr komfortabel

Dank der Fersenschlaufe gelingt der Einstieg problemlos. Dabei fällt direkt die gut gepolsterte und sehr komfortable Zunge (Schuhlasche) auf. Der bequeme Sitz wird durch eine weite Zehenbox komplementiert, die ausreichend Spielraum gewährt. Auch die gradlinig verlaufende Schnürung trägt zum guten Sitz ohne Druckpunkte bei. Der Fersenbereich ist durch die Plastikschale im unteren Bereich etwas hart und unflexibel. Zusätzliche Fersenpolsterungen sind nicht angebracht. Für fersenunempfindliche Läufer ist die Passform definitiv in Ordnung.

 Beim Obermaterial setzt New Balance auf ein atmungsaktives, synthetisches Obermaterial bzw. auf Mesh als Obermaterial, das trotz hoher Dehnbarkeit einen guten Halt bietet. Das Herzstück des Schuhs, die Fresh Foam X Mittelsohlendämpfung, soll ein federndes und leichtes Laufgefühl vermitteln.

 Die Gummisohle ist in drei Lager unterteilt. Der hintere Teil der Außensohle ist am härtesten und zugleich am wenigsten gedämpft. Der Mittelteil ist sehr weich und flexibel, während der vordere Teil eine Kombination aus beiden Dämpfungsbereichen darstellt. Die vielen kleinen Noppen gewährleisten einen sicheren und soliden Halt auf dem Asphalt und auf gut befestigten Waldwegen. Die sehr dünne und leichte Innensohle des Fresh Foam Tempo ist problemlos herausnehmbar und somit austauschbar. Sie bietet aber keinerlei zusätzliche Unterstützung.

 sohle

Einordnung in die New Balance Familie

Der New Balance Fresh Foam Tempo kann als Nachfolger des Fresh Foam Zante Pursuit gesehen werden. Diese beiden Modelle teilen viele Eigenschaften: dynamisch, flexibel, „leicht“. Der neue Fresh Foam Tempo ist im Vergleich aber noch ein wenig softer und reaktionsschneller geworden.

 Der große Bruder des Fresh Foam Tempo ist ganz klar der New Balance Fresh Foam 1080v10. Auch dieses Modell ist im Frühjahr 2020 neu auf den Markt gekommen. Mit der neu gestalteten Zwischensohle aus verbessertem EVA-Schaum ist der v10 die weichere und komfortablere Alterative und bestens für Dauerläufe aller Art geeignet. Der Fresh Foam Tempo ist quasi die leichtere, reduziertere (Dämpfung und Preis), aber dafür dynamischere Ausgabe des v10.

 Wenn noch reaktionsschnellere und direktere Schuhe zum Einsatz kommen sollen, dann kommen die Modelle 1500v6 oder 1400v6 in Frage. Diese Modelle eigenen sich super für schnelle Intervalleinheiten – auch auf der Tartanbahn – und sind im Wettkampf eine gute Wahl.

bild

Der New Balance Fresh Foam Tempo im Detail

Gelistet ist der Schuh bei New Balance mit 140 Euro – also noch im mittleren Preissegment zwischen 100-150 Euro. Dennoch finde ich das Preis-Leistungsverhältnis einen Tick zu hoch angesetzt. Einen um 20 Euro verminderten Einstiegspreis fände ich angemessen.

Unter Berücksichtigung der Namensgebung mit dem Fokus auf „Tempo“ ist das Gewicht ein wenig überraschend. 255 Gramm (Schuhgröße 44) sind für einen Temposchuh recht viel. Die niedrige Sprengung von 6 mm ermöglicht bei schnellen Einheiten einen direkten Bodenkontakt. Diese Eigenschaft lässt auch auf den bevorzugten Untergrund schließen. Auf Asphalt oder auch gut präparierten Waldwegen fühlt sich der Temposchuh am wohlsten, da hier seine Stärken zur Geltung kommen. Progressive Läufe oder Tempodauerläufe sind das primäre Einsatzgebiet für den Schuh. Dabei spielt die Distanz keine Rolle; ob eine kurze, schnelle Runde oder ein langer, gesteigerter Lauf – hauptsache es wird zügig und rollt. Selbst bei Intervalleinheiten kann auf den New Balance Fresh Foam Tempo zurückgegriffen werden. Sollte es aber auf die Laufbahn gehen, gibt es zum Teil deutlich bessere Alternativen – direkter, leichter, reaktionsfreudiger.

Die Schuhweite fällt normal aus. Durch die hintere Plastikschale ist der Fersensitz etwas hart, der Mittelfußbereich ist, dank der gut gepolsterten Schuhlasche, sehr bequem und auch im Vorfußbereich bietet die breite Zehenbox ausreichend Platz. Da der Fresh Foam Tempo ohne Pronationsstütze auskommt, ist dieser bestens für neutrale Läufer geeignet. Größentechnisch gibt es die Frauenvariante in den Größen 35-43 und die Männermodelle in den Größen 40,5-47. Ich persönlich habe den Schuh eine halbe Nummer größer gewählt. Während sich Frauen bei der Farbauswahl zwischen vier Modellen entscheiden müssen (schwarz, grau, türkis und weiß), können die Männer sogar aus fünf verschiedenen Farbvarianten wählen (2xschwarz, hell- und dunkelgrau, blau). Komplettiert werden die einzelnen Modelle von einem reflektierenden New Balance Logo auf Schuhinnen- und Schuhaußenseite. Insgesamt hätte New Balance beim Design etwas kreativer und farbenfroher sein können.

Der New Balance Fresh Foam Tempo im Detail

Preis

140 € UVP

Gewicht

255 g (Größe 44)

Sprengung

6 mm

Schuhweite

normal

Schuhart

neutral

Einsatz

Straße, gute Waldwege

Einsatzgebiet

Tempodauerläufe

 

Praxistest

Nachdem ich den Testschuh in den ersten beiden Tagen als Hausschuh zum Eingewöhnen getragen habe, folgte am dritten Tag der erste Testlauf auf nassem Untergrund. Auf dem Trainingsplan stand ein gesteigerter Dauerlauf. Alle zehn Minuten habe ich das Tempo um zehn Sekunden erhöht – begonnen bei 4:40min/km. Der Beginn war ein wenig ernüchternd, da der Schuh im Grundlagentempo kaum Unterstützung bot. Mit zunehmender Dauer und Tempoverschärfung wurde das Laufgefühl, zum Glück, besser. Dank der niedrigen Sprengung und kürzeren Bodenkontaktzeit hatte ich einen guten Abdruck auf dem Asphalt und kam ins „Rollen“. Die vielen kleinen „Rubber“ auf der Außensohle sorgten auch bei nassen Bedingungen für einen soliden Grip.

 Nach weiteren Testläufen kann ich festhalten, dass der Schuh nicht für klassische, ruhige Dauerläufe auslegt ist, da hier zusätzliches Dämpfungsmaterial fehlt. Sobald bei Trainingseinheiten mit dem Tempo gespielt werden soll, ist der New Balance jedoch eine gute Alternative. Ich nutze den Schuh gerne für zügige Dauerläufe bzw. Tempodauerläufe im Freien. Dabei kann der Untergrund zwischen Asphalt-, Schotter- und guten Waldwegen gerne variieren. Auch bei längeren Intervalleinheiten oder Fahrtspielen ist der New Balance eine Option.

 80 Kilometer absolviert und die Sohle sieht noch fast aus wie neu. Das spricht für eine einwandfreie Sohlenbeschaffenheit. Die 800 Kilometer-Grenze sollte erreichbar sein, sofern bei den Untergründen variiert und nicht ausschließlich Asphalt gewählt wird.

 Bei Sprüngen und Sprints wiederum stößt der New Balance Fresh Foam Tempo an seine Grenzen. Hier fehlt es bei Sprüngen an unterstützendem Dämpfungsmaterial für eine gute Rückkopplung und bei kurzen, schnellen Sprints ist die zuvor gelobte und bequeme Zehenbox leider ein wenig zu groß, sodass es dem Fuß an Halt fehlt.

 Kann der New Balance Fresh Foam Tempo eigentlich auch Wettkampf? Ja, für Läufer, die mit dem Schuh gut zurechtkommen, ist das denkbar. Als bevorzugte Distanzen empfehle ich 10 Kilometer oder einen Halbmarathon.

 

Stärken

Schwächen

Flexibler und dynamischer Trainingsschuh

Harte, “schwere” Plastikschale im Fersenbereich

Sehr komfortables Obermaterial

Dünne, nicht-unterstützende Innensohle

 optik

Kann sich der Fresh Foam Tempo gegenüber der Konkurrenz behaupten

Der New Balance Fresh Foam Tempo ist definitiv ein sehr solider und komfortabler Tempo-Trainingsschuh, der bestens für schnelle, gesteigerte Läufe geeignet ist. Aber ob diese Eigenschaften ausreichen, um sich von der Konkurrenz abzuheben und einen berechtigten Platz im Laufschuhschrank zu erarbeiten, bleibt abzuwarten. Allein das Portfolio von New Balance bietet etliche Alternativen. Laufschuhe mit mehr Dämpfung wie die 1080v10/880v10 oder reaktionsschnellere, leichtere Temposchuhe wie die 1500v6/1400v6 oder der Beacon v2 mit ähnlich guter Dämpfung, gleicher Sprengung, aber weniger Gewicht.

 Markenübergreifend bietet der amerikanische Riese Nike viele vergleichbare Modelle im Bereich der Tempo-Trainingsschuhe wie den Zoom fly 3 oder den Pegasus Turbo 2. Diese Modelle verfügen definitiv über ein besseres Dämpfungssystem und garantieren eine größere Energierückkoppelung beim Abrollen. Zudem verfügt der Zoom fly 3 über eine zusätzliche Carbonplatte für ein optimales Abrollverhalten über den Vorfuß. Unser deutscher Vertreter aus Herzogenaurach hat auch einige vergleichbare Modelle wie den Boston 8 oder den SL20. Beide Modelle sind ähnlich direkt und reaktionsfreudig, aber leichter und verfügen über eine um 4mm höhere Sprengung. Mit den gleichen Eigenschaften weiß auch der Saucony Kinvara 11 zu überzeugen.

 lauf

Fazit

Läufer, die nach einer Zwischenlösung suchen, sind mit dem New Balance Fresh Foam Tempo gut beraten. Komfortable Passform bei gemäßigter Dämpfung und direktes Abrollverhalten bei mittlerem Gewicht. Also gut geeignet für Neutralitätsläufer, die ein paar schnelle Kilometer im Training abspulen möchten.