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Brooks Ricochet 3 im TEST

Noch vor dem offiziellen Produktlaunch im Frühjahr 2021 durfte ich den neuen Brooks Ricochet testen. Die dritte Auflage des amerikanischen Schuhherstellers punktet mit einer soliden Energierückführung und dank eines sockenähnlichen Obermaterials mit einem sehr bequemen Sitz. Wie sich das neue Modell im Praxistest schlägt und wo seine Stärken und Schwächen liegen, erfahrt ihr in diesem Testbericht.


Kleine aber feine Updates

Mein letztes Brooks-Modell liegt inzwischen schon einige Jahre zurück: Brooks Hyperion. Quasi ein Wettkampf-Schuh der alten Schule: direkt (wenig Dämpfung), flach (4mm Sprengung) und leicht (<200g). Umso gespannter war ich auf den neuen Testschuh. Am 24. Dezember, passend zum Weihnachtsfest, wurde der Schuh geliefert. Somit gesellte sich ein weiteres Geschenk unter den Weihnachtsbaum. Als ich am Abend das Paket öffnete, war ich von dem schlichten, eleganten Design direkt sehr angetan. Auch das erste Fitting hat mich sofort überzeugt, sodass ich den Schuh am Abend nicht mehr ausgezogen habe.


Updates Ricochet 3


Der Ricochet 3 löst den im Jahr 2020 gelaunchten Vorgänger Ricochet 2 ab. Im direkten Vergleich hat Brooks nur minimale Produktanpassungen vorgenommen. Durch die Kombination aus BioMoGo DNA- und DNA AMP-Technologie hat das neue Modell ein paar Gramm auf der Waage verloren. Während die Zwischensohle (DNA AMP) komplett überarbeitet wurde und rund 20 Prozent leichter als die Vorgängerversion ist, sorgt die BioMoGo DNA-Dämpfung für einen möglichst angenehm weichen Aufsatz. Gleichzeitig ermöglicht die neue Dämpfung eine höhere Energierückführung. Auch beim Fit-Knit-Obermaterial wurden weitere Anpassungen vorgenommen. Das sehr weiche und flexible Obermaterial ist noch atmungsaktiver geworden, ohne Halt- oder Stabilitätseinbußen.


Praxistest

Rein in die Schuhe und ab auf die Asphaltpiste. Auf diesem Untergrund fühlt sich der Ricochet 3 am wohlsten. Hier kommt die Kombination aus überarbeiteter Zwischensohle und neuem Dämpfungsmaterial am besten zur Geltung. Beim Fußaufsatz ist die Energierückgabe zu spüren und gleichzeitig bleibt der direkte Bodenkontakt erhalten. Diese Mischung gefällt mir und spricht für eine gute Dynamik, die insbesondere bei zunehmender Geschwindigkeit wichtig ist. Der Ricochet 3 füllt demnach die Lücke zwischen weichen, stark gedämpften sowie leichten, reaktionsschnellen Brooks-Modellen. Also ein klassischer Allround-Schuh. Neben Asphaltstrecken kann der Ricochet 3 auch problemlos auf trockenen und gut befestigten
Feld-, Wald- oder Schotterwegen zum Einsatz kommen. Erst bei nassen, rutschigen Böden stößt das Modell an seine Grenzen. Nach rund 80 Kilometern lassen sich keine Abnutzungserscheinungen an der Gummi-Sohle erkennen.


Praxistest Ricochet 3


Auch die Passform überzeugt bei allen Läufen. Die Polster im oberen Bereich der Fersenkappe betten die Achillessehe sicher ein und hinterlassen keine Druckpunkte. Der Mittelfußbereich ist dank der gradlinig verlaufenden Schnürung gut umschlossen. Im Vorfußbereich ist ausreichend Platz. Das atmungsaktive und leichte Obermaterial rundet den sehr angenehmen Sitz ab und ist beim Laufen nicht zu spüren.

Insbesondere gesteigerte Dauerläufe machen mit dem Ricochet 3 richtig Spaß. Die Dynamik und solide Energierückgabe ermöglichen eine rundum gute Unterstützung bei jeglichen Geschwindigkeiten. Bei Tempowechselläufen, Fahrtspielen und Intervalleinheiten, wie kurze Minutenläufe, ist der Ricochet 3 ebenfalls ein verlässlicher Trainingspartner. Wenn im Trainingsplan ruhige, regenerative Dauerläufe anstehen, bevorzuge ich Laufschuhe mit mehr Dämpfung. Gleiches gilt für Wettkämpfe. Hier bietet der Markt leichtere und reaktionsfreudigere Alternativen.

Empfehlen würde ich den Ricochet 3 leichten bis mittelschweren Neutralläufern, die sich einen vielseitig einsetzbaren Laufschuh mit leichter Energierückgabe, Dynamik und Gefühl des direkten Bodenkontakts wünschen. Perfekt geeignet für den mittleren bis schnellen Tempobereich im Training.


Einordnung in die Brooks-Familie und mögliche Alternativen

Der vielfältig einsetzbare Ricochet 3 deckt als Allround-Trainingsschuh eine relativ breite Produktrange ab. Der Ricochet 3 kann als Bindeglied zwischen klassischen Dämpfungsschuhen für Dauerläufe und reaktionsfreudigen Lightweight-Trainern gesehen werden. Läufer, die nach mehr Komfort und Dämpfung suchen, sollten einen Blick auf die Brooks-Modelle Glycerin 18, Adrenaline GTS 21 oder Ghost 13 werfen. Wenn es im Training noch schneller werden soll, ist man mit dem leichten und reaktionsfreudigen Hyperion Tempo gut beraten.


Brooks im Test


Im direkten Vergleich sind der Launch 7 als auch der Levitate 4 erwähnenswert. Der Levitate 4 sieht dem Ricochet 3 förmlich zum Verwechseln ähnlich und kann als großer Bruder bezeichnet werden. Beide Modelle vereinen das Dämpfungsmaterial, das atmungsaktive Fit-Knit-Obermaterial, die integrierte Schuhlasche, die Schuhsprengung sowie die pfeilförmige Gummi-Außensohle. Lediglich beim Gewicht bringt der Levitate 4 über 300g auf die Waage. Der etwas leichtere und mit 10mm Sprengung ausgestattete Launch 7 ist hingegen noch etwas mehr auf Dynamik und Geschwindigkeit ausgelegt als der Ricochet 3.

Markenübergreifend sind folgende Modelle mit ähnlichen Laufeigenschaften einen Blick wert: der sehr vielseitig einsetzbare Nike Pegasus 37 oder wenn der Fokus etwas mehr auf Dynamik und Geschwindigkeit liegen sollte der Adidas SL20 oder der New Balance Fresh Foam Tempo.

 

Der Brooks Ricochet 3 im Detail

Dank der neuen Kombination aus überarbeiteter Zwischensohle und neuem Dämpfungsmaterial hat der Ricochet 3 an Gewicht verloren. Bei Schuhgröße 44 stehen 278g auf der Anzeige. Der Höhenunterschied zwischen Vorfuß und Ferse beträgt 8mm.

Lauftechnisch ist der Ricochet 3 ein Allround-Trainingsschuh. Hierbei sind dem breiten Trainingsspektrum keine Grenzen gesetzt: ob Dauerläufe, Tempodauerläufe, Fahrtspiele oder gar Intervalle. Der Ricochet 3 deckt die einzelnen Geschwindigkeitsbereiche souverän ab. Dieses vielseitige Einsatzgebiet kann wiederum auch als Kritikpunkt gesehen werden. Selbstverständlich gibt es für die spezifischen Trainingsbereiche deutlich individuellere Schuhe gemessen an Dämpfung, Gewicht, Dynamik oder Passform. Aber alle Läufer, die auf weniger Laufschuhe zurückgreifen und gerne auf die jeweilige Tagesform hinsichtlich des Trainingsinhalts hören, sind mit dem vielseitig einsetzbaren Ricochet 3 gut beraten. Wenn ich mich ausschließlich für einen dauerhaften Laufschuh entscheiden müsste, käme der Ricochet 3 dank seiner Flexibilität definitiv in die erweiterte Auswahl.


Detail


Der Ricochet 3 kommt ohne Pronationsstütze aus und ist bestens für neutrale Läufer geeignet. Die pfeilförmige Gummi-Außensohle mit zahlreichen Querstreben bietet einen sehr soliden Halt und fühlt sich auf Asphaltwegen am wohlsten. Aber auch gut befestigte und trockene
Feld-, Wald- und Schotterwege sind problemlos laufbar. An Grenzen stößt das Modell üblicherweise bei nassen und rutschigen Bedingungen/ Untergründen.

Dank der Fersenschlaufe und dem sehr flexiblen Obermaterial gelingt der Einstieg sehr gut – trotz fehlender Schuhlasche. Der obere Teil der Ferse ist gut gepolstert. Und auch im Vorfußbereich ist ausreichend Platz. Der sockenähnliche Sitz und das atmungsaktive Mesh-Obermaterial runden die sehr angenehme Passform ab. Die Innensohle ist herausnehmbar und kann durch eine orthopädische Einlage ersetzt werden. Gelistet ist der Schuh beim Hersteller mit 140 Euro. Mittlerweile ein fast marktüblicher Einstiegspreis für einen guten Laufschuh.

Die Frauenmodelle gibt es in den Größen 35,5 bis 44,5 und die Männermodelle in den Größen 40,5 bis 49,5. Ich habe meine Standardgröße ausgewählt – passt. Zum Produktlaunch stehen jeweils zwei verschiedene Farben bei den Frauen- und Männermodellen zur Auswahl. Beide Geschlechter haben eine schwarze/dunkelgraue Variante mit silbernen Brooks-Zeichen. Eine sehr schlichte aber gleichzeitig elegante Farbwahl, die auch bestens in der Freizeit getragen werden kann. Die zweite Farboption für Frauen ist etwas farbenfroher mit einer weiß-grauen Grundfarbe gespickt mit pinken und gelben Farbhighlights (Ice Flow/Pink/Pond). Männer können zudem eine blaue Variante mit einem gelben Brooks-Zeichen wählen (Blue/Nightlife/Alloy). Ich gehe davon aus, dass in Zukunft noch weitere Farben hinzukommen werden.


Fazit

Der Brooks Ricochet 3 ist ein echter Allround-Trainingsschuh. Läufer, die einen vielseitig einsetzbaren Laufschuh suchen und während des Dauerlaufs gerne mit dem Tempo spielen, werden den Brooks Ricochet 3 zu schätzen wissen. Die Kombination aus überarbeiteter Zwischensohle und neuem Dämpfungsmaterial sorgt für eine solide Energierückgabe und die Passform ist dank des atmungsaktiven Fit-Knit-Obermaterials sehr bequem. Also reinschlüpfen, loslaufen und schauen, wie weit und schnell einen die Füße tragen.