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Altra Lone Peak 4.5 im Test

Vor Kurzem bekam ich das Angebot von shop4runners, einen Altra Lone Peak 4.5 zu testen. Altra? Das sind doch die Schuhe, die keine Sprengung haben und auf den natürlichen Laufstil setzen.

Als Hobbyläufer, der überwiegend im Mittel- und Fersenbereich abrollt, wurden mir anfangs Schuhe mit einer Sprengung von mindestens 10 bis 12 Millimeter empfohlen und nun soll es zurück zu den Ursprüngen meines Läuferlebens gehen?

Nachdem wir als Kinder noch größtenteils barfuß unterwegs waren und somit einen natürlichen Laufstil entwickelten, wurde dieser durch Schuhe, die mit einer erhöhten Sprengung einherkamen, negativ beeinflusst.

Laufschuhe mit hoher Sprengung nehmen dem Fuß zwar Arbeit ab, indem sie den Sehnenapparat entlasten und das Abrollen verringern, führen jedoch auf lange Sicht zu einer Verkürzung der Achillessehne und der unteren Wadenmuskulatur, was den Verlust der Stabilität zur Folge hat. Hüfte und Kniegelenke werden belastet.

Durch Schuhe mit Nullsprengung soll nunmehr die natürliche ursprüngliche Bewegung gefördert und vernachlässigte Muskeln, Sehnen und Bänder aktiviert werden.

Das hört sich doch schon mal gut an und so ließ ich es auf einen Versuch ankommen und freute mich, als der Postbote die neuen Schuhe brachte.


Einleitung


Optik und Verarbeitung

Der Lone Peak 4.5 macht trotz seines dünnen Obermaterials einen sehr soliden und stabilen Eindruck. Verarbeitungsmängel konnte ich nicht feststellen. Schon der Name, ich übersetze ihn jetzt einfach mal mit „einsamer Gipfel“, lässt erkennen, dass es sich bei dem Schuh um einen Trailschuh handelt.  Seine „Tatzenfüße“ lassen ihn zunächst etwas klobig erscheinen. Das Schnürsystem ist einfach und ermöglicht eine genaue Anpassung des Schuhs an den individuell ausgeprägten Fuß. Die Sohle wirkt sehr robust und griffig.

Der Schuh wird in folgenden Farben angeboten

Männer: schwarz, gray/orange, lime/red, carbon

Frauen: schwarz, navy/light blue, poppy, dark port


Optik


Technische Daten und Material

Mit einem Gewicht von 298 g ist der Lone Peak 4.5 leichter als zum Beispiel der Salomon Speedcross 5 (320 g) und der Dynafit Ultra 100 (330 g).

Das Obermaterial besteht aus einem strapazierfähigen und schnell trocknenden Air Mesh.

Gegenüber seinem Vorgänger hat der Lone Peak 4.5 eine verbesserte Schaumstoff-Mittelsohle, die einen besseren Unterfuß-Komfort verspricht.

Auch ist der Lone Peak 4.5 wie alle Altra Trailrunningsschuhe, mit den Technologien wie StoneGuard™, MaxTrac™, Balanced Cushioning™ und der FootShape™-Zehenbox ausgestattet.

Jeder Trailläufer hat bestimmt schon mal unangenehme Erfahrungen mit spitzen Steinen gemacht. Die Zwischensohle mit StoneGuard™ schützt den Fuß des Läufers vor diesen.

Eine perfekte Kombination aus Grip, Traktion und Haltbarkeit verspricht die breite Sohle mit ihrer MaxTrac™ Technologie.

Ferse und Vorfuß bekommen durch die Balanced Cushioning™ den gleichen Abstand zum Boden. Dadurch soll laut Hersteller eine korrekte und schonende Haltung während des Traillaufs gewährleistet werden.

Hervorstechend bei den Altra Schuhen ist die FootShape™-Zehenbox. Sie bietet gerade bei Downhills viel Platz für die Zehen und engt nicht ein. Schwarze Zehnnägel auf langen Strecken werden somit vermieden. Auf eine perfekte Schnürung sollte jedoch geachtet werden, da sonst der Fuß „schwimmt“.

Da der Lone Peak für mich neu war, habe ich mich gewundert, warum er im Fersenbereich einen Klettverschluss mit der Aufschrift „Gaiter Trap“ besitzt. Dieser dient genau wie die Öse am Schnürsystem der Befestigung von Gamaschen, welche kleine gemeine Steinchen vom Innenschuh fernhalten. Fixpunkte an den Seiten der Schuhe, wie ihn der Lone Peak 4 besitzt, habe ich bei seinem Nachfolger nicht entdecken können.


Passform und Verarbeitung

Auf dem ersten Blick fand ich den Lone Peak 4.5 ein wenig zu groß, zumal ich im gesamten Zehenbereich einen Daumen breit Platz habe. Da dies mein erster Altra ist, nahm ich mir die Innensohle meines „alten“ Schuhs und verglich diese mit der des Altras. Sie waren gleich lang. Also was solls, Schuh geschnürt und raus in den Wald. Erster Eindruck: vieeel Platz im Zehenbereich.

Nachdem ich die Schnürung mit dem leicht zu händelnden Schnürsystem, welches eine individuelle Einstellung ermöglicht, etwas angepasst habe, hat sich auch der Halt im vorderen Bereich verbessert. Hinten saß er ja schon wie angegossen. Die Zehen haben den noch immer vorhandenen Freiraum genossen. Sie konnten sich natürlich spreizen, was wiederum für bessere Stabilität sorgte.

Ich empfehle jedoch, sich auch hinsichtlich der Schuhgröße beim Fachhändler beraten zu lassen und mal eine Nummer kleiner als bei den „normalen“ Laufschuhen anzuprobieren.

Die Dämpfung beschreibt Altra als moderat. Mit der 25 mm dicken Sohle werden die meisten Unebenheiten ausgeglichen, ohne dass man das Gefühl für den Untergrund verliert.


Grip

Die breite Sohle bietet mit ihrem groben Profil einen guten Halt. Gerade bei Downhills macht sich dies positiv bemerkbar. Auch auf nassem Untergrund überzeugt die MaxTrac™-Gummi Außensohle mit TrailClaw™. Da hat Salomon noch Nachholbedarf. Beim Speedcross habe ich die Erfahrung gemacht, dass dieser auf nassen Steinen ins Rutschen kommt.


Grip


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Fazit

Auch wenn Altra angibt, dass der Lone Peak 4.5 durch seine breite Sohle und dem groben Profil einen perfekten Grip bietet, würde ich persönlich im alpinen Bereich für Singeltrails mit entsprechenden Downhills lieber noch auf enger anliegende Schuhe mit einem schmaleren Vorfußbereich wie den Dynafit Ultra 100 zurückgreifen, der mich mit seiner Vibram-Sohle auf nassem Geläuf noch nie im Stich gelassen hat. Dass die Zehen in diesen Schuhen in der Bremsbewegung eventuell etwas gequetscht und aus ihrer natürlichen Position gedrängt werden, nehme ich wegen des Sicherheitsgefühls in Kauf.

Für das Mittelgebirge scheint der Lone Peak 4.5 jedoch ideal. Und auch auf Trailstrecken im Ultrabereich punktet der Altra mit seinen breiten Zehenboxen, in denen sich die geschundenen Füße wohl fühlen dürfen, da die Zehen sich spreizen können und der große Zeh gerade ausgerichtet bleibt.

Eine große Umstellung bedeutet der Wechsel von einer 10+ auf eine 0 Sprengung. Daher sollte der geneigte „Normalschuhläufer“ hier vorsichtig sein und nur „step by step“ die Laufumfänge mit dem Altra steigern. Somit können sich die durch „Absatzschuhe“ geschwächten Achillesfersen sowie Wadenmuskeln langsam an die neue Belastung gewöhnen. Bei einem zu schnellen Umstieg könnten Verletzungen vorprogrammiert sein.

Für Läufer*innen, die schon seit längerer Zeit mit „Nullsprengung“ unterwegs sind und deren Laufstil und Biomechanik sich daran gewöhnt haben, ist der Lone Peak 4.5. ein toller Trailschuh nicht nur für kurze, sondern gerade auch für lange Strecken.

Ich persönlich werde noch eine Zeit lang brauchen, um meinen Körper an die „Nullsprengung“ zu gewöhnen. Den Schuh werde ich daher als Abwechslung in den Trainingsalltag einbauen, um meine Muskulatur unterschiedlich zu fordern und neue Trainingsreize zu setzen.

Für 159,95 EUR (UVP) bekommt man einen soliden Trailschuh, mit dem man sicherlich lange seine Freude hat.

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