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Saucony Xodus 11 im Test

Ein Klassiker, der Saucony Xodus. Ganz simpel, nach 10 folgt 11 und ebenso  unaufgeregt und mit einer gewissen Selbstsicherheit bringt der amerikanische Sportschuhhersteller Saucony die elfte Version seines Trailschuhs auf den Markt. Geworben wird hier mit einem Schuh für die ganz langen Abenteuer im Gelände. Saucony verspricht mit dem Xodus 11 den am besten gepolsterten Schuh im eigenen Portfolio. Innovative Neuerungen werden nicht angepriesen. Allein das Obermaterial soll mehr Atmungsaktivität bieten und wurde anders verarbeitet. Anscheinend hat sich die 10. Auflage bisher bestens bewährt. Ob dem wirklich so ist und ob der Xodus 11 an den Erfolg des Vorgängers nahtlos anschließen kann habe ich im Folgenden genauer unter die Lupe genommen.


Einleitung


Erster Eindruck und Design

Tja, leugnen kann und will er es auch nicht. Der Xodus11 outet sich sofort als reiner Trailschuh. Sei es die griffig profilierte Sohle, welche farblich mit dem Innenfutter des Schuhs abgestimmt ist, oder das robust gewählte Obermaterial das einfach typisch ist für einen Schuh der im Gelände etwas aushalten soll. Aber dem setzt Saucony noch eins drauf und positioniert so offensichtlich leserlich für jedermann die Aufschrift TRAIL inklusive kleinem Berglogo. Indirekte Kampfansage: Finger weg ihr Straßenläufer J. Bei den Farben hält sich der Hersteller allerdings etwas bedeckter und verzichtet auf unnötige Neonfarben oder zu bunte Kombis (wie es z.B. beim Endorphin Pro 2 der Fall ist). Eigentlich zweitrangig, aber der allgemeine Läufer lässt sich ja doch gerne dazu verleiten einen Schuh näher ins Auge zu fassen der optisch zusagt. Das Saucony-typische Logo ist wie gewohnt großflächig auf dem Obermaterial fest verklebt und so ähnelt der Xodus 11 schon sehr seinem Vorgänger. Der Xodus reiht sich in die Kategorie der Ultratrailschuhe ein. Allerdings wirkt er, spontan formuliert, bieder im Vergleich zu Modellen anderer Hersteller aus seiner Familie. Soll das wirklich ein Maximalschuh für die ganz langen Dinger sein…! Ich bin gespannt. Die Mitstreiter bevorzugen einen höheren Sohlenaufbau (HOKA) oder werben mit außergewöhnlicher Dämpfungseigenschaften (z.B. Fresh Foam bei New Balance). Vollständigkeitshalber sei gesagt, dass der Xodus 11 für Herren in zwei Farbvarianten (black/gravel und yellow) und für die Damen der Schöpfung in der einmaligen Kombi grey-yellow erhältlich ist. Schade eigentlich… da wir ja auch gerne die Wahl hätten.


Erster Eindruck


Technische Daten und Verarbeitung

Wie bereits erwähnt bietet der Xodus 11 kaum Neues im Vergleich zur 10. Auflage des Schuhs. Einzig das Obermaterial wurde überarbeitet und soll haltbarer und atmungsaktiver sein. Das Logo und die seitlichen Verstärkungen sind fest verklebt. Diese sollen den Fuß auf unwegsamen Gelände vor Steinen und sonstigen Gefahren die auf dem Trail lauern, schützen. Wölfe und Wildschweine wird er dennoch nicht abhalten können J. Die Fersenkappe ist besonders stabil verarbeitet und zusätzlich vernäht. Bei der Schnürung greift Saucony auf ein herkömmliches System zurück wobei die Senkel praktikabel unter einer Lasche verstaut werden können. Der Schuh ist gamaschenkompatibel und hat dafür eine Öse zum einhacken. Die Zunge ist ausgiebig gepolstert und mit dem Inlay verbunden. Nun zum Herzstück jeden Schuhs, die Zwischensohle. Saucony betitelt das verwendete TP Material als PWRRUN+ welches bestmögliche Dämpfung auf den längsten Distanzen und Abenteuern abseits der Wege bieten soll. Es ist außerdem eine Rock Plate verbaut, die den Schuh noch einmal stabiler macht und besonderen Schutz vor spitzen Steinen und Co von unten bieten will. Für die Außensohle verwendet Saucony die bereits bekannte PWRTRAC-Gummimischung mit einer Stollentiefe von 5mm.


Verarbeitung


Passform und Performance

Der Saucony Xodus 11 sitzt überraschend stramm und fest am Fuß. Er bietet eine relativ schmale Passform, die ich jedoch als Vorteil empfinde. Schnelle dynamische Richtungswechsel meistert er so relativ sicher und der Fuß hat wenig Spielraum und schwimmt nicht unnötig umher. Das herkömmliche Schnürsystem trägt natürlich seinen Teil dazu bei, da man den Xodus dadurch präzise anpassen kann. Die Senkel erweisen sich auch als griffig, könnten jedoch ruhig um einiges kürzer ausfallen. Die Zehen haben trotz der schmalen Bauweise ausreichend Platz und stoßen auch nicht an die Gummiverstärkung in vorderen Bereich.

Bei der sehr starren und extrem stabilen Ferse war ich anfangs skeptisch, wurde jedoch eines Besseren belehrt. Da stört nichts und auch der Fersenhalt bei steilen Anstiegen ist optimal. Allerdings ist der Aufbau auch hier eher schmal und fest, und die Polsterung hält sich in Grenzen. Wer hier empfindlich ist sollte sich erst einmal vorsichtig herantasten. Der Schaft ist in einer angenehmen Höhe und auch die Zunge ist für einen Ultratrail-Schuh ausreichend weich. Da drückt nichts am Vorfuß. Trabt man so dahin auf leichtem Terrain, dabei meine ich Schotter, Wald und Wiese und leichte Trails, verhält sich der Xodus 11 relativ unspektakulär.

Zurückhaltung ist hier wohl Programm. Obwohl die Sprengung mit ihren 4mm vergleichsmäßig gering ist, hat er ein angenehmes Abrollverhalten. Bei einem kurzen Wechsel auf Asphalt macht die besondere Dämpfeigenschaft der Mittelsohle sehr positiv auf sich aufmerksam. Erster Gedanke: „Wow!“ Das kommt überraschend, denn auf Wurzelpfaden spürt man davon eher wenig. Aber eigentlich auch gut, da der Schuh zwar dynamisch abfedert, aber in dem richtigen Maße und spürbar auch nur da wo er soll. Die Außensohle mit ihrer PWRTRAC Gummimischung bietet guten Grip, dennoch ist Vorsicht geboten auf nassen Wurzeln und Steinen. Ich habe aber das Gefühl, umso mehr Kilometer die Sohle abbekommt, desto griffiger wird sie.  Auch die relativ hohen Stollen graben sich mit ihren 5mm richtiggehend in Matsch und Co. Ich denke, dass der Xodus 11 eine gute Option für den Winter ist, vor allem in Verbindung mit Gamaschen. Und wer auf Eis unterwegs ist hat sogar die Möglichkeit Spikes in der Sohle zu integrieren. Etwas Kritik muss ich aber trotzdem loswerden. Auch wenn der Sohlenaufbau nicht hoch gewählt ist, habe ich ab und an das Gefühl leicht weg zu knicken. Das mag vielleicht an der Stollentiefe und deren Aufbau liegen, oder an der schmalen Auflagefläche der Sohle. So macht sich bei mir eine gewisse Zurückhaltung bemerkbar.

 

Fazit


Wichtige Facts in Kürze:

Sprengung:           4mm

Gewicht:                Herren 341g / Damen 299g

Passform:             stramm, gut justierbar

Obermaterial:        atmungsaktives Mesh/Synthetik, keine Nähte. geklebt

Mittelsohle:           PWRRUN+ Dämpfung

Außensohle:          PWRTRAC mit 5mm Profiltiefe

Kategorie:             Neutral

 

Fazit

Der Saucony Xodus 11 ist ein Schuh der auf jeden Fall Lauffreude vermittelt. Sollte ich ihn mit wenigen Worten beschreiben kommt mir folgendes in den Sinn: Dämpfung gut, schmale präzise Passform und sehr bequem zu laufen. Der Schuh ist in gewisser Weise ein Wolf im Schafspelz, da er doch sehr unscheinbar daher kommt, aber seine Arbeit auf langen Trail-lastigen Strecken richtig gut meistert. Auf jeden Fall ein Schuh der Spaß macht, bei dem man nicht lange überlegen muss, und der gerne in Matsch und Schnee unterwegs ist. Schnelle Speedraces, kleine Hausrunden auf leichtem Untergrund und Asphalt sind so gar nicht sein Ding. Aber dafür ist er ja auch nicht vorgesehen.

Deshalb raus ins Gelände damit…

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