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Laufen in Zeiten von Corona. Optimaler Ausgleich oder Risikofaktor?!

  • 19.05.2020

Es wird viel darüber gefachsimpelt. Ob auf wissenschaftlicher, neutraler oder auch panikmachender Ebene. Alles überflutet im Moment jegliche Medien.

Diese Schwemme an Inputs möchte ich nun einmal außen vor lassen, und mich nur auf das  Laufen konzentrieren. Für viele von uns ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens.

Deshalb stellt sich wohl für eben diejenigen gerade in dieser Zeit die bereits Eingangs genannte Frage: „Laufen – optimaler Ausgleich oder Risikofaktor?!“

Tja, im ersten Moment dachte ich auch „Natürlich laufe ich! Das kann ich nicht weglassen, Ausgangsbeschränkung hin oder her! Muss ja trainieren!“ Aber umso intensiver ich mir Gedanken zu diesem Thema mache, desto mehr merke ich, dass es doch Sinn macht, das Laufen einmal zu hinterfragen. Denn: Laufen ist nicht gleich Laufen. Und diese Unterschiede sind eben in dieser besonderen Zeit doch sehr wichtig und somit ist es auch sinnvoll sich damit auseinanderzusetzen.

Ausgleich


Laufen ist gut. Laufen ist wichtig! Ehrlich? Folgendes spricht auf jeden Fall dafür! Optimaler Ausgleich

Unser Leben steht Kopf. Egal ob das Familienleben daheim, unsere Arbeitssituation oder einfach die Regelmäßigkeit unseres Alltags. Der nun eigentlich nicht mehr alltäglich ist.

Egal ob ein Beruf systemrelevant ist oder nicht, man Homeoffice managen muss, oder es die berufliche Situation verlangt in Kurzarbeit oder Sonstiges überzugehen. In Zeiten von Corona ist nichts mehr wie es war. Alles ist irgendwie schwierig und stresst uns.

Für viele gehörte schon vor der Pandemie ein Feierabendläufchen dazu, um den Kopf frei zu bekommen. Das ist nun noch viel mehr von Bedeutung, damit man seine Gedanken ordnen und Kräfte sammeln kann. 

Gedanken

Die Sorgen hinten anstellen und einfach mal nur LAUFEN!

Auch die gestressten Mütter und Väter, die neben Haushalt und Beruf noch die Kinder bei Laune halten sollen. Und natürlich auch noch „Homeschooling“ bewerkstelligen müssen.

Immerhin ist es wissenschaftlich erwiesen, dass der Laufsport das psychische Befinden verbessert. Und sich auf jeden Fall auf unsere Stimmung positiv auswirkt. Das liegt an der vermehrten Ausschüttung von Endorphinen und Katecholaminen.

Für Sie / uns alle ist Laufen wichtig! Wichtig für die Psyche, die sich wiederum auf unser Immunsystem auswirkt. Nur ein ausgeglichener Mensch /Läufer ist bereit für die Aufgaben und Anforderungen die uns jeder Tag aufs Neue auferlegt.

„Du bist nicht du wenn du hungrig bist – schnapp dir ein Snickers“. Nur unser Snickers ist halt das LAUFEN.

Und wenn mein Mann schon sagt: „Schatz, willst du morgen mal einen langen Lauf machen? Ich übernehme die Schulaufgaben mit den Kindern.“  Ja spätestens dann sollte man wirklich raus – zum Wohle aller.


Laufen ist so einfach

Ja, wirklich. Schuhe an und los – egal wann, egal wo. Hauptsache allein.

Laufen ist (neben dem Gehen) die ursprünglichste Form der menschlichen Fortbewegung. Unsere Anatomie ist im Zuge der Evolution zu großen Teilen zum Laufen prädestiniert. Unsere Form der Füße, Muskel- und Skelettaufbau sowie unsere Sehnen und Bänder begünstigen den aufrechten Gang. Wir sind Jäger und Sammler, die im Laufschritt unterwegs sind. So sind wir am effektivsten.

Also warum nicht Laufen?

Diejenigen die ihre wöchentlichen Einheiten im Fitnesscenter abgespult haben, oder Gruppensport im Verein gemacht haben. Beides im Moment leider nicht machbar. Daher bietet das Laufen die optimale Möglichkeit zur sportlichen Betätigung.  Sofern man sich an die gesetzlichen Vorschriften hält. Mindestabstand sollte auch hier selbstverständlich sein.

Wahrscheinlich spreche ich bis hierhin noch vielen Läufern aus der Seele, doch jetzt kommt was kommen muss: Das große ABER.

Wie bereits gesagt, umso mehr man sich mit dem Laufen zu Corona Zeiten beschäftigt, umso genauer sollte man sich informieren und in sich und seinen Körper hineinhorchen.


„Stadt – Land –Corona?“

Ich wohne in Bayern, in einem kleinen Kaff am Ende der Welt. Die strengen Ausgangsbeschränkungen (welche wohlgemerkt in jedem Bundesland etwas variieren, und sich je nach aktueller Lage auch ändern können!) betreffen mich daher als Läuferin, die natürlich alleine unterwegs ist, eher weniger. Ich kann gleich raus aus dem Haus. Rein in den Wald. Ab auf den geliebten Single-Trail. Aber was ist mit dem, in einer Mietwohnung im 10. Stock lebenden, Stadtläufer?! Er/ Sie ist auf Parks und Gemeinschaftsflächen angewiesen…Laufen allein …auf jeden Fall machbar aber schwieriger. Sicherheitsabstände von 1,5 Metern, die vom Robert Koch-Institut strengstens empfohlen werden, sind hier leider nicht immer in der Praxis anwendbar. Der Gedanke formt sich schnell, mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln ab zum nächsten Berg, Wald oder auch Strand. Hauptsache raus aus der verseuchten Stadt…ach ja vergaß…auch der Verkehr ist eingeschränkt. Eigenes Auto vielleicht nicht vorhanden, und Fahrgemeinschaften aufgrund der Abstandsregel auch nicht erlaubt.

Daher greift erste Option. Doch durch die Stadt.

Nun kommt noch dazu. Laufen bedeutet Anstrengung. Anstrengung bedeutet Schweiß. Und der vorwiegende Übertragungsweg von Covid 19 ist über die Tröpfcheninfektion. Reichen da die vorgegebenen 1,5 Meter?

Eine wie ich finde berechtigte Frage.  Hier ist es wichtig Verantwortung zu zeigen. Sich wirklich an die Regeln zu halten. Manche steigen aufs heimische Laufband um. Nicht jeder hat so etwas daheim – und nicht jeder mag es. 


Wie gefährlich ist meine Laufstrecke

Na klar, ich bin Trailläuferin mit Leib und Seele. Freue mich über jeden Höhenmeter und dem darauf folgenden, Downhill. Gerne schnell … aber halt! Was passiert, wenn ich allein unterwegs bin und schwer stürze. Kein schönes Szenario. Dadurch belaste ich, bei intensivem ärztlichen Versorgungsbedarf, das Gesundheitssystem. Muss das sein in dieser Zeit? Und ein weiteres Problem stellt sich. Wer kann mir erste Hilfe leisten?  Diese Fragen sind zu Corona-Zeiten wahrlich zu bedenken!

Dabei komme ich wieder zu dem anfangs genannten Punkt. Laufen ist nicht gleich Laufen. Es gibt natürlich auch Läufer, die sich auf einem gemütlichen Parkweg oder der Straße zu Hause fühlen. Da sieht die Sache gleich anders aus.

Wirft man einen genaueren Blick auf verschiedene Statistiken, so schneiden wir Läufer sehr gut ab. Im Vergleich zu den großen Volkssportarten wie Fußball, Alpinsport oder auch Mountainbiken, ist das Laufen und Joggen mit durchschnittlich unter 10 Prozent also eher harmlos.

Laufstrecke


Training an der Leistungsgrenze

Ein Interview mit Dr. med. Benjamin Barz (niedergelassener Facharzt für Allgemeinmedizin, Sportmedizin und ehemaliger Eishockeynationalspieler) macht ebenfalls deutlich, dass besondere Zeiten, besondere Vorsicht erfordern. So sollten harte oder auch erhöhte Trainingsumfänge nur durchgezogen werden, wenn man sich absolut gesund fühlt.

Natürlich sind anaerobe Trainingseinheiten für ambitionierte Sportler im Trainingsplan unvermeidbar um sich sportspezifisch weiterzuentwickeln.

Dennoch sollte sich jeder Sportler die Frage stellen: Bin ich für eine solche Einheit 100% fit!? 

Des Weiteren gibt Dr.med. Benjamin Barz folgenden Tipp: Mögliche Parameter, um eine eventuell vorliegende Coronainfektion festzustellen sind z.B. der Ruhepuls morgens, die Körpertemperatur und die Pulsschlagvarianz. Diese sind mittlerweile in vielen Smartwatches integriert, und können somit als Hilfsmittel dienen.

Es versteht sich von selbst, dass bei irgendwelchen gesundheitlichen Auffälligkeiten kein Training, und schon gar nicht an der Leistungsgrenze, absolviert werden sollte.

Sehr erschöpfende Einheiten setzen das Immunsystem unter Stress, und man ist anfälliger für Infekte. Und laut Dr. med. Benjamin Barz könnte ein zu hartes Training auch bei jungen Sportlern im Falle einer Covid-19 Infektion zu einem schweren Krankheitsverlauf führen.

Lockere Einheiten im aeroben Grundlagen- und Regenerationsbereich hingegen sind auf jeden Fall durchführbar, und auch sinnvoll. Sie können unseren Körper widerstandsfähiger machen.


Im Ganzen betrachtet…

Nirgends ein Schaden ohne Nutzen…

Wie ein roter Faden zieht sich der Begriff „Zurückhaltung“ durch meine Ausführungen und Überlegungen. Wir halten uns zurück im Training an der absoluten Leistungsgrenze. Halten uns zurück im Umgang mit unseren Mitmenschen. Halten uns zurück mit absolut gefährlichen Sportarten.

Doch dafür stellen wir Anderes in den Vordergrund. Aufgrund der bereits vielfach abgesagten Laufevents verschiebt sich unser Trainingsziel komplett. Vielleicht sogar um ein ganzes Jahr, wer weiß?

Deshalb nutzen wir einfach die Zeit für Trainingseinheiten die sowieso zu kurz kommen. Lauf –ABC kann richtig Spaß machen.  Verbessert die Koordination und allgemeine Fitness. Muskulären Dysbalancen kann entgegengewirkt werden und ist noch dazu eine gelungene Abwechslung zum aktuellen Alltag. Ebenso ist das Treppentraining eine sinnvolle Einheit zum Erhalt und zur Verbesserung der allgemeinen Kraft, Ausdauer und Koordination.

Für viele Läufer ist Dehnen und die „Arbeit“ mit der Faszienrolle eher ein hinten angestelltes, leidiges Thema. Jetzt hätten wir Zeit dazu. Nutzen wir sie.

Und da unsere gezielte Wettkampfvorbereitung sowieso erst einmal auf Eis gelegt ist, steht eben Grundlagentraining jetzt ganz oben auf unserer Liste. 

Abwechslung

All diese Einheiten begünstigen eine Verbesserung unseres Laufstils. Laufen wir bewusster, konzentrieren uns auf unsere Körperhaltung. Sehen wir die „Corona –Krise“ als Chance uns und unseren Körper zu optimieren und unsere Gesundheit zu erhalten.

Auch wenn wir derzeit allein unterwegs sind, so bieten uns viele Apps und Tools die Möglichkeit uns mit anderen Läufern zu verbinden. Es kann durchaus Spaß machen und motivierend sein, gegeneinander anzutreten, oder angebotene Segmente zu entdecken und diesen zu folgen.

Für die vielen Veranstalter und Organisatoren von Lauf- und allgemein Sportevents ist das Jahr 2020 leider ein trauriges Sportjahr. Absagen und Verschiebungen sind an der Tagesordnung. Natürlich geht unser aller Gesundheit vor. Deshalb müssen wir als Läufer (und viele sind ja auch begeisterte Wettkampfteilnehmer) dies Entscheidungen nicht nur hinnehmen, sondern auch unterstützen.

Wir machen unseren Sport weiter, um beim neuen Termin fit und gesund und voller Elan an der Startlinie zu stehen.

In diesem Sinne …“keep on running“!!!!