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Dynafit Vergleichstest

Groß war die Freude, als ich einen Anruf von shop4runners bekam und gefragt wurde, ob ich drei Paar Dynafit Schuhe testen möchte. „Warum nur einen, wenn man gleich drei testen kann?“

Ich willigte natürlich sofort ein, zumal ich von den Dynafit-Produkten begeistert bin.

Dynafit hat seinen Ursprung in der Skischuhherstellung und gehört im Skitourensport zu den Marktführern. Aber auch beim Trail-Running haben die Südtiroler, die zwischenzeitlich zur Salewa Gruppe gehören, die Nase weit vorn.

Seit 2005 trägt Dynafit den Schneeleoparden, für dessen Schutz sich Dynafit einsetzt, als Logo.

„Dieses Tier symbolisiert perfekt die Werte und Charakteristiken die DYNAFIT repräsentiert: Speed, Lightness, Endurance und Technology. Der Schneeleopard bewegt sich mit Geschwindigkeit und Eleganz in den höchsten Gipfeln der Welt und stellt somit ein ideales Vorbild für ambitionierte Sportler dar. Das Markenimage ist genau wie das Logo reduziert und minimalistisch.“ 1

Diese Aussage lässt viel erwarten und somit kommen wir auch schon zum Test.

 

Eckdaten

 

Ultra 100

Alpine Pro

Alpine DNA

Einsatzbereich

Trailrunningschuh für Distanzen von 40 km und mehr

Trailrunningschuh für Mittel- und Langdistanzen

Trailrunningschuh für wettkampforientierte Läufer*innen

Gewicht

310 g (m) / 270 g (w)

300 g (m) / 260 g (w)

270 g (m) / 230 g (w)

Sprengung

6 mm

8 mm

6 mm

Preis (UVP)

150,00 EUR

155,00 EUR

165,00 EUR

Außensohle

POMOCA

Vibram megagrip

Vibram megagrip

Verarbeitung/ Erste Eindrücke

Alle drei Schuhe sind hochwertig verarbeitet und die Nähte sauber verklebt. Klebereste waren nicht zu finden. Auch stieg mir beim Auspacken kein unangenehmer chemischer Geruch in die Nase.

Rein von der Optik hat Dynafit mal wieder ins „Schwarze“ getroffen. Alle Paare entsprechen einem durchdachten modernen Design. Wo sich die Designer beim Alpine DNA lediglich auf eine Farbe („Black out orange“ für die Männer und „Black out pink glo“ für die Damen) beschränkt haben, sind die anderen Modelle in mehreren Farbkombinationen erhältlich.

Für einen bequemen Sitz hat Dynafit den Schuhen Ortholite Einlegesohlen verpasst, die sich an den jeweiligen Fuß anpassen.

Kurzbeschreibung

Dynafit Ultra 100

Der Dynafit Ultra 100 erscheint auf den ersten Blick etwas klobiger als seine Gefährten und erinnert an Hoka Schuhe, die für ihre Dämpfungseigenschaften bekannt sind. Auch steht man etwas höher im Schuh als beim Alpine Pro und Alpine DNA. Dafür besticht der Ultra 100 mit maximaler Dämpfung, welche gerade auf der Langdistanz von Vorteil sein kann.

Für die notwendige Stabilität sorgt die Dynafit Heel Preloader-Technologie, welche den Fuß im Knöchel- und Fersenbereich fixiert.

Besonderen Schutz vor Steinen und anderen gemeinen Sachen, die sich dem Schuh in den Weg stellen, bietet der PU-verstärkte Zehen- und Fersenbereich.

Das Obermaterial besteht aus atmungsaktiven, schnell trocknendem Mesh, welches sich auch an etwas breitere Füße anschmiegt.

Die klassische Schnürung ist unter einer elastischen Invisible Lacing Mesh-Abdeckung verstaut, wodurch sich jedoch die „Erstschnürung“ und „Nachjustierung“ auf der Strecke etwas schwierig gestaltet.

Bei der Außensohle setzt Dynafit beim Ultra 100 auf das Gummi von POMOCA mit durchgehend kleinen eng zusammenstehenden Stollen.

 

Dynafit Alpine Pro

Der Alpine Pro wirkt auf mich trotz seiner 8 mm Sprengung mit seiner flacheren Form etwas sportlicher als die beiden anderen Schuhe. Er verfügt über eine mittlere Dämpfung.

Die Rubber Tension umschließt den Fersenbereich zwar nicht so direkt wie die Heel Preloader-Technologie, polstert diesen jedoch meines Erachtens besser aus.

Auch der Alpine Pro verfügt über eine Zehenschutzkappe, welche sich im alpinen Bereich bewehrt.

Das Obermaterial ist zwar etwas dicker als beim Ultra 100 oder Alpine DNA, aber dennoch atmungsaktiv. In der kalten Jahreszeit kann dies von Vorteil sein. Außerdem wird der Fuß besser vor äußeren Einflüssen, wie Stöcken, die versuchen sich ins Mesh zu bohren, geschützt. 

Durch das leichtgängige QuickLace Schnellschnürsystem lässt sich der Schuh im Handumdrehen anpassen und auch während des Laufens korrigieren. Verstaut wird dieses in einer robusten, aber dennoch elastischen Stautasche.

Ein besonderes Highlight ist die zwischen Mittel- und Außensohle integrierte Carbonplatte, welche den Fuß von unten besonders schützt. Darüber hinaus soll das Carbon Shield zur Reaktivität und Langlebigkeit des Schuhs beitragen.

Für einen festen Grip im alpinen Gelände bei allen Witterungsbedingungen sorgt die Vibram Megagrip Sohle.

 

Dynafit Alpine DNA

Mit seiner DNA Linie hat Dynafit in diesem Frühjahr auch einen wettkampforientierten Trail Running Schuh auf den Markt gebracht, der auch mit einer 6 mm Sprengung über eine ausreichende mittlere Dämpfung verfügt.

Wie beim Ultra 100 sorgt auch beim Alpine DNA die Heel Preloader-Technologie für einen sicheren Halt im Knöchel- und Fersenbereich.

Der Schutz im Zehenbereich ist ausreichend, das meshartige Obermaterial leicht und atmungsaktiv. Darüber hinaus verfügt der Schuh über einen umlaufenden Geröll- und Abriebschutz.

Die Adaptive Fit-System Schnürung ermöglicht eine sichere und komfortable Fixierung des Fußes im Schuh. Die Grundeinstellung gestaltet sich zwar durch die Meshabdeckung etwas fummelig, jedoch nicht so schwierig wie beim Ultra 100.

Für einen guten Grip hat Dynafit den DNA mit einer Vibram Megagrip Sohle ausgestattet. Die groben, breiten 4mm Stollen geben dem Schuh nicht nur ordentlich Halt, sondern auch Vortrieb.

Die Schuhe in der Praxis

Passform

Sowohl der Ultra 100, als auch der Alpine Pro passen in meiner üblichen Schuhgröße 44.

Beim Alpine DNA erhielt ich jedoch einen Dämpfer. Da Dynafit davon ausgeht, dass der DNA etwas kleiner ausfällt, habe ich diesen gleich in einer halben Nummer größer erhalten. Trotz der mitgelieferten Zwischensohle war mir der Schuh zu groß. Ein Umtausch in die „44“ klappte und siehe da, der Schuh passt. Von anderen Läufer*innen habe ich jedoch gelesen, dass sie mit der halben Nummer größer genau richtig liegen.

Alle drei Paare sind etwas enger geschnitten und nicht so schön bequem wie meine Straßenlaufschuhe. Im alpinen Bereich ist jedoch ein kompakter und eng anliegender Schuh von Vorteil, da dieser den notwendigen Halt und somit mehr Sicherheit bietet.

Beim Ultra 100, der gegenüber den anderen Schuhen lediglich über einen „schwachen“ umlaufenden Geröllschutz im Vorfußbereich verfügt, weitete sich allerdings das Meshmaterial nach einigen Kilometern, so dass der Fuß anfing zu schwimmen. Nach erneutem Justieren der Schnürsenkel war jedoch der gewünschte Halt wieder vorhanden.

 

Laufeigenschaft

Dynafit hat alle drei Trail-Schuhe mit sogenannten Rocket-Sohlen ausgestattet. Diese, bei den getesteten Schuhen leicht im Vorfußbereich gebogenen Sohlen, unterstützen das dynamische Laufverhalten und wirken sich positiv auf die Beschleunigung aus. Es macht einfach Spaß, mit den Schuhen in die Natur zu gehen und Gas zu geben.

Wo der Alpine Pro und der Alpine DNA den direkten Bodenkontakt suchen und ein direktes Feedback geben, läuft sich der Ultra 100 aufgrund seiner weicheren Zwischensohle etwas schwammiger und somit unpräziser. Steine und Wurzeln habe ich bei dem Schuh wenig bis gar nicht gespürt. Das Plus an Dämpfung hat jedoch auf längeren Strecken über 40 Kilometer durchaus seinen Vorteil. 

Wie oben schon erwähnt, hat Dynafit den Ultra 100 mit der hauseigenen POMOCA-Sohle ausgestattet.

Aufgrund der kleinen und eng zusammenstehenden Stollen setzt sich die Sohle leider schnell mit Matsch zu, so dass in diesem Fall ein ordentlicher Grip nicht mehr gewährleistet wird. Auch hat diese Sohle gegenüber den beim Apline Pro und Alpine DNA verwendeten Vibram Sohlen den Nachteil, dass sie bei feuchtem Geläuf ins Rutschen kommt. Der Ultra 100 ist also ein Schuh für trockenere Trail-Tage.

Fazit

Alle drei Schuhe haben ihre Vor- und Nachteile, aber vermitteln im Trail-Bereich einen soliden Eindruck.

Wo ich den Alpine Pro und Alpine DNA eher im alpinen Bereich sehe (sagt ja auch schon der Name), hat der Ultra 100 auf längeren Strecken im Mittelgebirge seine Vorteile. Mit dem Schuh würde ich gerne die 74 Kilometer beim Rennsteig Supermarathon in Angriff nehmen.

Der Alpine Pro ist auf allen Distanzen zu Hause und mit seinem Quicklace Schnellschnürsystem schnell und flexibel einstell- und nachregulierbar. Aufgrund seines robusteren Meshmaterials und der schon erwähnten Vibram Sohle ist er auch für Schlechtwetter- und Winterläufe sehr gut geeignet.

Den Alpine DNA würde ich im Wettkampfbereich ansiedeln, denn laut Hersteller erfüllt er alle Eigenschaften „... um neue Bestzeiten aufzustellen und alte Rekorde zu knacken.“ Der feste Sitz und die Vibram Sohle mit ihrem Megagrip sorgen für die entsprechende Sicherheit im Gelände.

Auch wenn es die „eierlegende Wollmilchsau“ nicht gibt, bin ich von allen drei Dynafit Schuhen begeistert. Wenn ich eins bei den Tests gelernt habe, dann ist es das, dass man sich nicht auf einen Trail-Schuh versteifen sollte, denn die Natur bietet unterschiedliche Herausforderungen und ihr wollt ja auch nicht immer nur die eine Strecke oder den einen Wettkampf laufen.

 

Bleibt flexibel, vor allem aber probiert die Schuhe vor dem Kauf an und wenn ihr die Möglichkeit zum Testen habt, nutzt sie.

Text: Thomas Ritter

Fotos: Thomas Ritter, Sandra Borowsky

Quellen: 1 www.dynafit.com/de-de/geschichte; www.dynafit.com