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Hoka One One Speedgoat 2 - Testbericht

  • 13.02.2019

Die zweite Ausgabe eines echten Trailrunning-Schuh Klassikers – der Hoka One One Speedgoat 2. Gedacht für alle, die von den Trails nicht genug bekommen können und Spaß am Ultrarunning haben. Aber auch für die, die einfach einen super gedämpften Trailschuh suchen.

Erster Eindruck und Verarbeitung

Oh mein Gott – ist das viel Schuh! Und Wow – ist der leicht! Gibt’s nicht? Und ob. Zugegeben: das geringe Gewicht trotz der Masse an Sohle ist nicht Speedgoat 2 spezifisch. Das ist schon Hoka typisch. Aber dennoch fällt es beim Speedgoat 2 irgendwie mehr auf.

Auch, dass es eher bunt zugeht, ist keine Überraschung. Dem einen gefällt es, dem anderen nicht.

Wir sollten unsere Laufschuhe ja nicht unbedingt nach der Farbe kaufen. Andererseits: bunt macht Freude.

Die Verarbeitung ist einwandfrei. Materialübergänge sind sauber, Nähte gleichmäßig und Klebestellen sorgsam gearbeitet. Alles in Allem macht der Hoka One One Speedgoat 2 einen sehr hochwertigen Eindruck.

Passform und Schnürung

Einer, wenn nicht sogar, der entscheidendste Moment in einer Schuhbeziehung? Für mich ist dies das erste Hineinschlüpfen! Ich finde man merkt sofort: passt oder passt nicht. Der Speedgoat 2 macht es einem relativ einfach. Der nahtfrei gearbeitete Schaft umschließt meinen, normal schmalen Fuß eng, aber eben nicht zu eng. Ich persönlich mag das, einen Schuh mit Führung. Die Zehen haben in der Zehenbox ausreichend Platz und die Ferse sitzt bombenfest in der Fersenkappe. Man hat von Anfang an eine Verbindung zum Schuh. Daran ändert sich auch nichts. Nicht nach dem ersten Lauf und auch nicht nach den ersten 150 Kilometern.
Der Schaftaufbau des Speedgoat 2 ist klassisch, keine sockenähnliche Konstruktion. Ebenso verhält es sich mit der Schnürung. Es muss nicht immer ein Schnellschnürsystem sein. Beides funktioniert tadellos.

Dämpfung und Protektion

Beim Anblick der Sohle des Speedgoat 2 ist klar: hier gibt es Dämpfung en masse. Die Bestätigung folgt auf den Fuß, sobald man die Schuhe am selbigen hat. Für Läufer, die zum ersten Mal einen Hoka One One tragen, ein neues, zuweilen auch ungewohntes Gefühl, das man bald aber nicht mehr missen möchte.
Ok: eine mehr als großzügige Dämpfung, das brauche ich nur auf den richtig langen Runden, oder? Natürlich weiß man nach 30, 40 oder gar 50 Kilometern das Plus an Dämpfung mehr zu schätzen, als nach einer kleinen Runde. Aber wer am frühen Morgen mit noch müden Beinen durch den Wald tobt, der ... - richtig: der erfreut sich an diesem speziellen Laufgefühl.
Wer jetzt meint, dass Dämpfung und Dynamik sich ausschließen, mag einerseits sicherlich recht haben. Ein minimalistischer Bergsprint-Schuh ist an Dynamik wohl kaum zu übertreffen. Aber, und das hat mich selbst überrascht: eine schnellere Pace oder gar Intervalle machen mit dem Speedgoat 2 auch dank der geringen Sprengung von 4,5 mm mächtig Spaß.
Eine Rockplate, also eine Zwischensohle, die vor Steinen schützen soll, fehlt dem Speedgoat 2. Aber mal ehrlich: wer braucht die bei dem großzügigen Sohlenaufbau. Man spürt keinen Stein, egal ob groß oder klein, rund oder eckig.
Die Zehenkappe ist umlaufend gummiert und bietet somit auch ausreichend Schutz, ebenso wie die Fersenkappe.

Grip und Stabilität

Vibram Megagrip! Damit ist hinsichtlich Grip eigentlich alles gesagt. Auf Asphalt hat man das Gefühl förmlich festzukleben. Klar, niemand will mit dem Speedgoat 2 auf Asphalt laufen. Ich auch nicht: also nichts wie rein ins Gelände. Die ersten Kilometer im Speedgoat 2 werden im Schnee absolviert. Kein Rutschen und kein Stollen. Egal ob Matsch, fester Schnee oder angeeiste Fußspuren anderer Läufer.

Dort wo es geht, wird der Untergrund gewechselt. Feste Forstwege, die auch stellenweise etwas tiefer sind, und gefrorene Wiesenflächen rollen unter dem Speedgoat 2 hinweg.

Ich schlage eine Haken nach links auf kleine, aber feine Singeltrails. Man merkt kaum den Wechsel des Untergrunds. Anstiege sowie kleine Downhillpassagen verleiten zum Pacen im Vertrauen auf den unerbittlichen Halt der Vibram Megagrip Sohle. Die Leute bei Hoka One One haben es darüber hinaus auch verstanden, die Stollen (5mm hoch) perfekt anzuordnen. Der Speedgoat 2 ist ein wahres Grip-Monster.

150 Kilometer – und nun?

Mein Eindruck nach den ersten 150 km: was soll ich sagen. Passt immer noch, der Speedgoat 2. Bisher keine Druckstellen oder Blasen. Auch nach einem 50+ Kilometer Trailwochenende entlang der Isar sind die Füße happy und die Beine fühlen sich verhältnismäßig frisch an. Die Dämpfung macht sich hier auf jeden Fall bemerkbar.

Das Fussklima war bei allen Laufeinheiten (von -10° C und trocken bis +10°C und matschig) angenehm. Waren die Füße einmal kurz nass, konnte die Feuchtigkeit durch das feine Meshmaterial schnell wieder entweichen.
Der Speedgoat 2 ist sehr robust. Das feine Meshmaterial zeigt keinen Abrieb oder Risse. An der Sohle finden sich keine Spuren einer übermäßigen Abnutzung. Das Innenfutter wirft keine Falten und ein Pilling ist nicht zu erkennen.

Fazit – Dos and Don‘ts

Ich nutze den Speedgoat 2 von Hoka One One am liebsten auf längeren Läufen, abseits von Asphalt. Man merkt, dass der Schuh sich dort am wohlsten fühlt. Und wenn ich am Ende der Laufeinheit noch ein paar kleine Bergsprints einlegen möchte, dann macht der Speedgoat 2 diesen Spaß gutmütig mit.
Mit dem Speedgoat 2 rollt man über alle Untergründe super soft hinweg. Man fühlt sich wirklich wie auf Wolken. Will man aber sehr technisch, alpin und ausgesetzt unterwegs sein, dann stößt der Speedgoat 2 für mich an seine Grenzen. Es fehlt die feine Rückmeldung vom Untergrund. Die Standhöhe des Fußes von rund 3cm ist für mich in diesem Gelände etwas zu hoch, zu wackelig und damit zu unsicher. Kurze Passagen lassen sich mit Vorsicht immer noch gut bewältigen. Werden die Abschnitte jedoch länger, greife ich lieber zu einem flacheren, direkteren Schuh.
Ein ganz klares Plus bietet der Grip des Speedgoat 2. Die Vibram Megagrip Sohle und die Anordnung des Profils sind perfekt. Bisher gab es keine Situation, in der ich mich nicht blind auf den Speedgoat 2 verlassen konnte. Gerade die Performance im Schnee, Matsch und angeeisten Passagen machen den Speedgoat2 auch ohne zusätzliche Membran für mich zudem zu einem überaus empfehlenswerten Winterlaufschuh.

Expertenmeinung

Der Speedgoat 2 von Hoka One One ist ein robuster und trotz seiner massiven Optik leichtgewichtiger Laufschuh für passionierte Trail Läufer, die sich besonders im Ultrabereich wohlfühlen. Mit seiner sportlichen Sprengung von 4,5 mm ist der Speedgoat 2 sehr agil, trotz seiner großzügigen Dämpfung. Die Vibram Megagrip Sohle sorgt dabei für die nötige Kontrolle. Egal ob Sommer oder Winter: er ist ein treuer und ausdauernder Begleiter besonders auf langen Läufen abseits asphaltierter Wege.

Der Text wurde geschrieben von MARKUS LAUCKHARDT