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Testbericht Saucony Ride 14

„Build to get busy“ ist der Marketing-Slogan für die 14. Auflage des beliebtesten Allroundtrainers aus dem Hause Saucony. Sein Vorgänger, der Ride 13 hat im letzten Jahr ein umfassendes Rundum-Update bekommen, was bei vielen Läufern gut ankam und den Daily Trainer zu einem viel gelobten Laufschuh des Jahres 2020 machte. Auch ich bin zu einem Fan des Ride 13 geworden und laufe ihn immer noch sehr gern. Umso gespannter war ich, als ich erfahren habe, dass ich den neuen Ride 14 testen darf.

Shop4runners hat mir den Schuh zur Verfügung gestellt, so dass ich diesen unabhängig von etwaigen Herstellerinteressen testen konnte.


Einleitung Ride 14


Features und Neuerungen

Offenbar hat Saucony beim 14er nach dem gelungenen großen 2020er Update wirklich nur kleinere Änderungen vorgenommen.

Beim Herzstück, der Mittelsohle verwendet Saucony die bewährte Powerrun-Technologie, die im letzten Jahr die Everun-Sohle ablöste. Auch der „blown rubber“ an der Außensohle ist geblieben. Beim Obermaterial setzen die US-Amerikaner wieder auf die Formfit-Technologie, die ein sehr bequemes Tragegefühl vermittelt und ebenfalls beim letzten Modell eine Neuerung beim Ride war. Lediglich das „Engineered Mesh“ ist dünner und luftdurchlässiger geworden.  Offenbar hielt Saucony die umfassenden Verbesserungen der letzten Saison für gut genug, um sie nicht gleich beim nächsten Modell wieder zu überarbeiten. Also alles beim Alten? Lässt sich die neue Version dann überhaupt als Update bezeichnen? Wie sich der Schuh anfühlt und im Praxistest schlägt, werde ich später beschreiben.


Vorher noch etwas für die Freunde der nackten Zahlen und Fakten:

Kategorie:

Neutralschuh, Allroundtrainer (Daily Trainer)

Gewicht:

Herren US 9: 266g

Damen US 8: 238g

Sprengung:

8 mm

UVP:

140 €

Farbvarianten:

4 Herren- und 4 Damenmodelle

Größe/ Passform:

Fällt von der Größe eher klein aus; umschließt den Mittelfuß enger (guter Halt), aber mit viel Platz in der Zehenbox.



Eindruck


Erster Eindruck:

Der Ride 14 sieht wie ein klassischer Laufschuh aus, keine besonderen Sohlenelemente/-konstruktionen, eher puristisch und aufgeräumt, also wollte er sagen: „Ich konzentriere mich auf das Wesentliche“. Im mir zugesendeten knalligen Gelb gefällt er mir sehr gut und wirkt auffälliger und ist eher ein Hingucker im Vergleich zu meinem anthrazitfarbenen Vorgängermodell.Insgesamt gibt es mit je vier Varianten für Herren  und Frauen für viele Geschmäcker etwas.

Beim Wiegen in meiner Größe (US 12) zeigt die Waage 324g, also im Normalbereich von stärker gedämpften Schuhen. Der Ride 14 ist damit im Vergleich zum 13er in meiner Größe erfreuliche 12g leichter geworden. Bei gleicher Innen-/ Mittel- und Außensohle ist klar, wo diese Ersparnis herkommen muss: beim Obermaterial.

Beim Anziehen spürt man sofort den gewohnten Komfort. Bei der Passform kann der Ride wirklich punkten, auch im Vergleich zu vielen Konkurrenten. Er umschließt den Fuß perfekt wie eine Socke und vermittelt dennoch einen guten Halt. Im Mittelfußbereich liegt er eher eng an, trotzdem ist die Zehenbox gewohnt geräumig, so dass auch meine breiteren Füße genug Platz finden.

Sie scheint beim aktuellen Modell sogar noch etwas höher konstruiert zu sein. Insgesamt ist der Ride etwas luftiger als das 2020er Modell und besonders im Vorfuß atmungsaktiver. Die Fersenpartie sitzt echt „tight“, der Schaftrand ist wie die Zunge üppig gepolstert. Die anatomisch geformte Formfit-Innensohle ist herausnehmbar.

Alles in allem wirkt die Material- und Verarbeitungsqualität sehr hochwertig, alle Nähte und Klebestellen sind perfekt verarbeitet. Auch bei der Außensohle wurde nicht gespart und eine Menge Gummi auf die Lauffläche gebracht, der Grip und Langlebigkeit verspricht. Die runden, weichen Schnürsenkel sind ausreichend lang für die Marathonschnürung und halten gut. Mir entlockt der Schuh beim ersten Reinschlüpfen sofort ein „Wow – passt perfekt!“.


Erster Eindruck


Aufbau

Obermaterial

Die wenigen Veränderungen in der aktuellen Version des Ride findet man im Obermaterial. Hier greift Saucony wieder auf sein im Ride 13 eingeführtes Formfit-Konzept zurück. Das sogenannte „Engineered Mesh“ ist unterschiedlich fest gewebt, am Vorfuß luftiger, auch mit mehr Löchern als beim Vorgänger und dadurch spürbar atmungsaktiver. An der Ferse ist der Schuh enger gewebt, mit stabiler Fersenkappe und besitzt seitliche 3D-Druck-Elemente für zusätzlichen Halt. Auch durch die starke Polsterung der Zunge sitzt der Mittelfuß absolut rutschfest, aber nicht eingeengt und hat stabilen Halt. In Kombination mit der anatomisch geformten Innensohle sitzt der Schuh wirklich perfekt am Fuß.


Zwischensohle

Der Ride 14 ist ein Allround-Trainingsschuh, der also sowohl für kurze als auch längere Strecken und unterschiedliche Tempi konzipiert ist. Hierfür setzt Saucony auf die letztjährig eingeführte PWRRUN-Sohle, ein EVA-Schaum mit TPU-Anteil. Der Ride ist ein sehr gut gedämpfter Schuh, der aber die Aufprallenergie nicht verschluckt, sondern viel davon zurückgibt. Andere Hersteller setzen inzwischen oft auf reine TPU-Schäume, wie z.B. Adidas im Ultraboost 21, True Motion im AION oder Nike im ZoomX Invincible. Diese sind noch weicher gedämpft, aber auch etwas schwerer. Saucony hat mit der PWRRUN+ im Triumph auch eine „Superfoam“-Sohle, könnte diese also auch leicht hier verbauen. Stattdessen setzen sie entgegen dem allgemeinen Trend im Ride 14 (wie übrigens im leichteren und agileren Kinvara 12 und in Trail-Modellen) auf die EVA-/TPU-Mischung, die im direkten Vergleich zu den reinen TPU- oder PEBA-Schäumen etwas fester und weniger reaktiv ausfällt, dafür im Allgemeinen aber etwas haltbarer (und günstiger) ist. Trotzdem ist es bei mir so, dass ich im Ride 14 immer unbewusst ein etwas höheres Lauftempo einschlage als in meinen softer, „bouncier“  abgestimmten Schuhen. Ich mag das am Ride und nehme meine weicheren Modelle eher für ruhige/ Regenerationsläufe. Geschmackssache… Der Ride 14 liegt mit 8 mm Sprengung (32 mm Fersen-/ 24 mm Vorfußhöhe) im Durchschnittsbereich und besitzt im Vorfußbereich relativ tiefe Flexkerben für besseres Abrollen.


Sohle Ride 14


Außensohle

Auch bei der Außensohle hat sich im Vergleich zum Vorgänger nichts geändert. Unter der Sohle ist eine ganze Menge blown rubber (aufgeschäumter Gummi) angebracht, der dem Schuh einen hervorragenden Grip beschert. Somit ist der vorrangige Straßenlaufschuh auch gut für befestigte Waldwege und leichtere Offroadabschnitte geeignet, nasse Straßen sind auch kein Problem für ihn. Die Dicke des weichen, aber strapazierfähigen Gummimaterials sorgt für eine lange Haltbarkeit.


Laufeigenschaften

Der Marketingslogan des Ride 13 war „Wenn Tragekomfort auf Tempo trifft.“ Dies umschreibt den Schuh ziemlich gut und war kein leeres Versprechen. Da die wesentlichen Bausteine sich nicht verändert haben, trifft dies immer noch zu. Den Tragekomfort spürt man schon beim ersten Anziehen. Der Schuh sitzt wie eine Socke, vermittelt für einen Neutralschuh erstaunlich viel Stabilität und fühlt sich relativ leicht an. Auch wenn die 12g weniger im Vergleich zum Ride 13 nicht viel sind, hat man den Eindruck, dass der 14er etwas näher an den leichteren und agileren Kinvara aus dem gleichen Haus (der auch die Powerrun-Mittelsohle besitzt) heranrückt und er sich als Allrounder mit Hang zum Tempomachen auszeichnen soll. Er ist meiner Meinung mehr als ein weiterer „Bequemschuh“ mit Superdämpfung für ruhige Läufe, sondern treibt mich eher etwas an. Auch wenn er nicht so reaktiv ist wie manch ein Konkurrent mit reiner TPU-/PEBA-Zwischensohle, ist dies für mich kein Nachteil, weil die PWRRUN-Abstimmung für mich einen sehr guten Kompromiss zwischen weicher Dämpfung und Direktheit darstellt. Der Ride 14 vermittelt Sicherheit auch in engen Kurven, sitzt perfekt am Mittelfuß, lässt aber den Zehen viel Platz. Er hat mich auch gut über längere Läufe (>30km) gebracht, ohne in der Dämpfung sehr nachzulassen. Gleichzeitig wirkt er bei Tempoverschärfungen und Tempodauerläufen aber auch dynamisch und erinnert z.T. etwas an den Kinvara, der in diesem Bereich natürlich noch besser ist, aber dafür weniger komfortabel. Ein großer Pluspunkt ist die Flexibilität der ja eigentlich relativ dicken Sohle. Durch die relativ tiefen Flexkerben rollt der Ride supergut ab und lässt dich flüssig laufen. Man ist unglaublich leise auf den großzügigen Gummiapplikationen unterwegs, die sehr gut zupacken, auch auf nasser Straße und im Wald. Nur bei Matsch kommt der Schuh an seine Grenzen, dafür ist er aber auch nicht gemacht… Für die ganz schnellen Einheiten/ Intervalle gibt es natürlich bessere Spezialisten, aber man kann erstaunlich viel Tempo mit ihm machen.


Vergleich 13 und 14


Für wen und welchen Einsatz ist dieser Schuh geeignet?

Er ist als Neutralschuh für Läufer ohne größere Fußfehlstellungen konzipiert. Trotzdem ist er relativ stabil und sollte auch bei leichten Überpronierern gut funktionieren. Wegen der guten Dämpfung können ihn auch schwerere Läufern tragen, auch wenn Saucony mit dem Triumph (Powerrun+/ TPU-Mittelsohle) einen noch stärker und weicher gedämpften Neutralschuh im Programm hat, der allerdings auch schwerer ist.

Mit seiner ausgezeichneten Dämpfung passt er für lange Läufe, durch seine Dynamik aber auch für schnellere Einheiten. Er ist ein wirklicher Daily Trainer und Allzweckwaffe, also ein heißer Tipp für Läufer, die ihren Schuhschrank nicht mit vielen Laufschuhen füllen wollen, sondern einen für Alles suchen. Wenn ich nur ein Paar Laufschuhe in den Urlaub mitnehmen dürfte, dann wäre es vermutlich der Ride. Er ist aber auch für ambitioniertere Runner, die einfach einen vielseitigen, gut verarbeiteten Trainer suchen, mit dem man viele Kilometer abspulen kann.


Fazit und Vergleiche

Saucony bewarb 2020 den Ride 13 mit „Wenn Tragekomfort auf Tempo trifft“. Diesen Slogan hätten sie für das aktuelle Modell – wie auch ich meinen Testbericht – einfach übernehmen können. Der Ride 14 ist ein echter Alleskönner. Dabei setzt er nicht wie viele Konkurrenten auf neue Materialien, sondern verwendet Bewährtes in einer sehr gelungenen Kombination. Er ist ein unaufgeregter, klassischer Allrounder, nicht mehr und nicht weniger. Er ist nicht der leichteste, nicht der gedämpfteste, nicht der reaktivste, aber er kann ziemlich viel ziemlich gut. Für mich ist er vielmehr ein fantastisch ausbalancierter Trainingspartner ohne echte Schwächen mit einer enormen Vielseitigkeit, einer Top-Passform (Formfit) und sieht dabei noch sehr gut aus.

Saucony hat die bewährten Features des Ride 13 übernommen und die wenigen Kritikpunkte überarbeitet. Er hat etwas Gewicht verloren und ist atmungsaktiver, was sich im Sommer positiv bemerkbar machen wird. Wer es weicher mag oder etwas schwerer ist, könnte im Hause Saucony wie gesagt eher beim Triumph noch glücklicher werden. Auf der leichteren und agileren Seite von Sauconys Neutralschuh-Palette steht der Kinvara 12 mit der gleichen Powerrun-Sohle, aber weniger Gewicht, das er beim Obermaterial und bei der Außensohle einspart. Dieser macht noch mehr Spaß bei Tempoeinheiten, hat aber dafür weniger Komfort und ist ein reiner Straßenschuh mit weniger Grip.

Positiv zu erwähnen ist noch das aus meiner Sicht faire Preis-/ Leistungsverhältnis mit einem UVP von 140€. Dafür bekommt man einen ausgewogenen, langlebigen Kilometerfresser, der mit den (oft höherpreisigen) Modellen anderer Hersteller zumindest mithalten kann. Ich bin mit dem Vorgänger Ride 13 bereits um die 500 km gelaufen und er zeigt erst erfreulich wenig Verschleiß, sowohl bei der Dämpfung als auch bei der Außensohle. Mit dem sollten noch ein paar Hundert Kilometer gehen, was den Schuh wirklich preiswert macht.

Einziger Verbesserungsvorschlag: Man könnte den Ride beim nächsten Update vielleicht noch etwas abspecken, z.B. gingen nochmal ein paar Gramm bei der Polsterung (Zunge) und der Außensohle, aber auch das ist subjektiv und würde ihn vielleicht zu nahe an den Kinvara bringen. Für mich ist der Ride 14 jedenfalls ein hervorragender Daily Trainer.

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